Rote Karte für Schokolade

Im Kampf gegen Fettleibigkeit verlangt der Nationalrat eine Deklarationspflicht für ungesunde Lebensmittel.

Marcello Odermatt
Drucken
Teilen
Fettreiche Produkte sollen künftig deklariert werden. (Bild: ap/Frank Augstein)

Fettreiche Produkte sollen künftig deklariert werden. (Bild: ap/Frank Augstein)

bern. Mit einem gestern überwiesenen Postulat fordert der Nationalrat den Bundesrat auf, eine Deklarationspflicht für übermässig kalorienreiche Nahrungsmittel einzuführen. Lebensmittel sollen je nach Kaloriengehalt auf der Verpackung mit Rot, Orange oder Grün gekennzeichnet werden. Der Hintergedanke ist klar: Die Konsumenten würden augenfällig ständig mit einem schlechten Gewissen versehen, sollten sie plötzlich an einem Regal mit besonders viel Rot gepunkteten Lebensmitteln vorbeischlendern. Wer es dennoch wagt, ein paar rot- etikettierte Waren ins Körbchen zu legen, würde spätestens an der Kasse mit einem strengen Blick der Kassiererin bestraft.

Keine Erziehung am Regal

Ruth Humbel Näf indes dürfte ihren Einkaufswagen wohl nur noch mit grüngepunkteten Produkten füllen, immerhin stammt der Vorstoss von der Aargauer CVP-Frau. Mit Hilfe ihrer Fraktion (das sind die Orangen) sowie den Grünen und Roten im Saal überwies der Rat das Postulat mit 82 gegen 73 Stimmen. Manchmal müssten Menschen «befähigt werden, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen», sagte Humbel. Bauchweh machte der Vorstoss hingegen SVP und FDP. Man solle doch, intervenierte Jürg Stahl (SVP/ZH), den Menschen mehr vertrauen, dass sie intelligent genug seien, ihre Produkte zu wählen. Eine Erziehung am Lebensmittelregal sei nicht nötig. Und überhaupt, so Stahl: «Verteufeln Sie nicht den Genuss!»

Werbeverbot verlangt

Der Aufruf blieb erfolglos, womit klar wurde, dass die Politik nach Alkohol und Tabak nun auch Fette und Kalorien auf die schwarze Liste setzen will. Aktiv geworden ist hier auch die Konsumentenschutzorganisation um SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga. Sie will ein Werbeverbot für ungesundes Essen. Kinder unter 16 Jahren dürfen nicht mehr für Junkfood beworben werden. Doch dieses Verbotssüppchen wird das zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) vorerst versalzen. Das BAG setzt lieber auf Information und Sensibilisierung.

Die Forderungen zur Kennzeichnung ungesunder Lebensmittel hingegen wird das BAG nun prüfen, dies zumal auch in der EU ähnliche Bestrebungen laufen. Allerdings ist das BAG ohnehin bereits daran, ein Lebensmittel-Label zu entwickeln, um den Konsumentinnen und Konsumenten die Wahl für eine ausgewogene Ernährung «zu vereinfachen», vorerst auf freiwilliger Basis.

Bis die Konsumenten beim orangen Riesen nur noch Rot sehen, dürfte es also noch eine Weile dauern. Abwarten lautet die Devise – und Tee trinken, selbstverständlich.

Aktuelle Nachrichten