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Rot-grüne Bilanz nach 28 Jahren

Entwicklung Die Stadt Zürich wächst ­rasant, die Bevölkerungsstruktur hat sich stark verändert: Neuer Wohnraum zieht gebildete, wirtschaftlich leistungsfähige Bewohner an, was durch die intensive Erneuerung veralteter Genossenschaftssiedlungen – natürlich im Minergiestandard – erleichtert wird. Der Stadtbewohner, der sich selbst als sozial denkenden Erdenbewohner sieht, macht sich wegen der Verdrängung der AAA-Bewohner aber kein schlechtes Gewissen, weil er die Überzeugung hat, einer ethischen Elite anzugehören. Er isst vegan, er macht Yoga, besitzt kein Auto, lebt genossenschaftlich, befürwortet die 2000-Watt-Gesellschaft und ist prinzipiell total ausländerfreundlich.

Die offizielle Politik der Stadt Zürich ist nach 28 Jahren linker Dominanz in der Exekutive in allen Fasern sozialdemokratisch und grün geprägt. Eingebettet ist diese Exekutive in einen Filz aus Kreativwirtschaft, Gastro- und Clubbetreibern, Wohnbaugenossenschaften, Staatsangestellten und Verwaltung. Bürgerliche Chefbeamte sind mittlerweile in Zürich fast ausgestorben. Weil es der SP gelang, die neuen Themen wie Ökologie, alternative Mobilität, neue Wohnformen zu besetzen, gleichzeitig aber dem politischen Gegner mit einem «Zürichberg-Sozialismus» die Angriffspunkte zu rauben, tut sich dieser nach wie vor schwer. Um einen Machtwechsel herbeizuführen, ist der Leidensdruck im Moment wohl zu klein. Gegen dieses Handicap kämpfen die Bürgerlichen aber nicht nur an der Limmat. Und solange diese in Zürich kein Mittel finden, wie Rot-Grün von den Schalthebeln der Macht zu verdrängen wäre, werden auch die übrigen grossen Städte der Schweiz auf rot-grüne Rezepte setzen – oder diejenigen, die in Zürich erprobt wurden, zu kopieren versuchen.

Felix E. Müller

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