Rücktritt
«Robby Bobby» verabschiedet sich aus dem Senat - der beste Freund der Schweiz hat genug von Washington

US-Senator Rob Portman war immer stolz auf seine Solothurner Vorfahren. Der Republikaner pflegte Kontakte zur Schweiz. Nun beendet er seine politische Karriere.

Christoph Bernet
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Rob Portman begrüsst 2008 am WEF die damalige Bundesrätin Doris Leuthard (CVP). (Archivbild aus 2008)

Rob Portman begrüsst 2008 am WEF die damalige Bundesrätin Doris Leuthard (CVP). (Archivbild aus 2008)

Keystone

Nach zwölf Jahren hat Rob Portman genug gesehen: «Wir leben in einem zunehmend polarisierten Land, in dem die Mitglieder beider Parteien immer mehr nach rechts beziehungsweise nach links gedrängt werden.» Für Politiker wie ihn, die aktiv nach Gemeinsamkeiten und überparteiliche Lösungen suchten, sei die Arbeit schwieriger geworden. Deshalb werde er 2022 nicht mehr als Senator für Ohio kandidieren, wie der 65-jährige Republikaner jüngst bekanntgab.

Die Rücktrittsankündigung dürfte man beim Aussendepartement EDA in Bern mit Bedauern zur Kenntnis genommen haben. Denn Portman gilt als einflussreichster und bester Freund der Schweiz in Washington. Die Schweizer Botschaft zeigt sich auf Anfrage «dankbar für seine Freundschaft».

Senator Rob Portman (R-Ohio) am 19. Januar im Kapitol.

Senator Rob Portman (R-Ohio) am 19. Januar im Kapitol.

Joshua Roberts / Pool / EPA

Portman war 2003 die treibende Kraft bei der Gründung des «Friends of Switzerland Caucus» im US-Kongress. Heute umfasst die Gruppe 56 Mitglieder des Repräsentantenhauses und sechs Senatoren, darunter Portman als Co-Vorsitzender. Der Gruppierung gehören Politiker aus beiden Parteien an, die Sympathien für die Schweiz hegen. Ihre Mitglieder pflegen regelmässige Kontakte zu National- und Ständeräten, welche sich dem Schweizer Pendant zum Caucus angeschlossen haben, dem Parlamentarischen Verein Schweiz–USA.

Die tiefen Taschen des Ururgrossvater

Senator Portmans Engagement bei den «Friends of Switzerland» hat mit seiner Familiengeschichte zu tun. Sein Ururgrossvater Urs Viktor wanderte 1868 aus der kleinen Gemeinde Herbetswil im Solothurner Bezirk Thal in die Vereinigten Staaten aus. Die Portmanns – in der alten Heimat wurde der Familiennamen noch mit Doppel-N geschrieben – gehörten zu den Zehntausenden Schweizern, welche die wirtschaftliche Not jener Jahre ins Ausland trieb.

Im Jahr 2002 besuchte Rob Portmann (Mitte) die Gemeinde Herbetswil SO. Der Republikaner überreichte dem damaligen Gemeindepräsidenten Hans Fluri (l.) und dem Bürgergemeindepräsidenten Robert Huber eine amerikanische Flagge, die einst über dem Washingtoner Kapitol wehte.

Im Jahr 2002 besuchte Rob Portmann (Mitte) die Gemeinde Herbetswil SO. Der Republikaner überreichte dem damaligen Gemeindepräsidenten Hans Fluri (l.) und dem Bürgergemeindepräsidenten Robert Huber eine amerikanische Flagge, die einst über dem Washingtoner Kapitol wehte.

(Bild: PD/Gemeindearchiv Herbetswil)

Bei Urs Viktor Portmann und seiner Familie kam zur Armut noch ein weiteres Problem hinzu. Wie der Herbetswiler Gemeindepräsident und Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt in einer 2006 erschienenen Dorfchronik schrieb, wurde Portmann verdächtigt, als Gemeindeverwalter im Jahr 1867 öffentliche Gelder in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Betrieben werden konnte er nicht mehr: Die Auswanderung nach Amerika bewahrte ihn vor juristischen Konsequenzen.

Der Bush-Clan nannte ihn «Robby Bobby»

Mit Justitia war auch Urs Viktors Nachkomme Rob beschäftigt – allerdings nicht als Verdächtiger. Im Alter von 29 Jahren erlangte er an der University of Michigan einen Doktortitel der Jurisprudenz. Fünf Jahre später begann Portmans Karriere in Washington. 1989 wurde er Rechtsberater im Weissen Haus unter Präsident George H. W. Bush. Die Präsidentenfamilie verpasste Portman den Spitznamen «Robby Bobby».

Nach Bush seniors Abwahl 1992 stieg Portman selber in die Politik ein und gewann 1993 eine Nachwahl um einen Sitz im Repräsentantenhaus. In seinem Wahlkreis im Süden Ohios wurde er sechsmal wiedergewählt. 2005 berief Präsident George W. Bush den früheren Berater seines Vaters zum Handelsbeauftragten – einem wichtigen Amt mit Kabinettsrang.

Die Ernennung Portmans liess in der Schweiz die Hoffnungen auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens aufkeimen. Doch die Verhandlungen versandeten – unter anderem wegen des Widerstands der Schweizer Bauern. 2007 verliess Portman Bushs Kabinett. 2010 eroberte er einen der beiden Sitze Ohios im US-Senat.

«Seine Erfahrung wird sicher fehlen»

Für Martin Dahinden war Portman ein wichtiger Gesprächspartner: «Als ehemaliger Handelsbeauftragter hatte er Verständnis für internationale Beziehungen und wusste, wie Verhandlungen funktionieren», erklärt Dahinden, von 2014 bis 2019 Schweizer Botschafter in den USA. Er habe Besucher aus der Schweiz, darunter den früheren Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), regelmässig für Gespräche zu Portman mitgenommen. Dieser habe ein grosses persönliches Interesse an den schweizerisch-amerikanischen Beziehungen gezeigt. Als überparteilich akzeptierter, einflussreicher Senator sei er ein Glücksfall für die Schweiz gewesen: «Seine Erfahrung wird sicher fehlen.»

FDP-Nationalrätin Christa Markwalder.

FDP-Nationalrätin Christa Markwalder.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Auch Nationalrätin Christa Markwalder (FDP) hat Portman als Verbündeten der Schweiz schätzen gelernt. Die Präsidentin des Parlamentarischen Vereins Schweiz-USA traf den Senator am Rande des WEF in Davos oder bei Arbeitsbesuchen der Gruppe in Washington regelmässig. «Er erzählte dabei gerne Anekdoten von der Auswanderung seiner Vorfahren», so Markwalder. Von den juristischen Schwierigkeiten seines Ururgrossvaters war, soweit sie sich erinnere, dabei jedoch nie die Rede gewesen.

Biden holt Obama-Botschafterin

Der damalige Präsident Barack Obama ernannte die Ex-Microsoft-Managerin und erfolgreiche Spendensammlerin für die Demokraten 2014 zur Botschafterin in der Schweiz. 2017 kehrte Suzi LeVine in die USA zurück und wurde Chefin der Arbeitsvermittlungsbehörde des Bundesstaats Washington. Nun hat sie Joe Biden als Chefin der «Employment and Training Administration» geholt, einer Behörde mit 900 Angestellten und einem Milliarden-Budget. Doch LeVine ist umstritten – einige Republikaner wollen im Senat ihre Ernennung verhindern. Sie sei an der schleppenden Auszahlung von Corona-Entschädigungen im Staat Washington schuld. Ausserdem wurde die Behörde letztes Jahr Opfer eines 600-Millionen-Dollar-Betrugs. (cbe)