Roaming: Ärger über lahme Schweizer Politik

Die EU will die Mobilfunkanbieter zwingen, bis spätestens 2016 die Roaming-Gebühren abzuschaffen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde gestern vorgestellt. Die Schweiz ist von einem ähnlichen Schritt noch weit entfernt.

Denise Lachat
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Schweizer Telekom-Anbieter verlangen von Privatkunden noch immer happige Roaming-Gebühren. (Bild: Keystone/Archiv)

Schweizer Telekom-Anbieter verlangen von Privatkunden noch immer happige Roaming-Gebühren. (Bild: Keystone/Archiv)

Die EU will die Mobilfunkanbieter zwingen, bis spätestens 2016 die Roaming-Gebühren abzuschaffen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde gestern vorgestellt. Kunden sollten künftig von einem Netz ins andere wechseln und im Ausland telefonieren oder SMS verschicken können, ohne dafür einen Aufpreis zu zahlen.

Bundesrat soll handeln
Die Schweiz ist von einem ähnlichen Schritt noch weit entfernt. "Eine Abschaffung ist hierzulande derzeit kein Thema, da wir den ausländischen Anbietern etwas für die Netznutzung bezahlen müssen", heisst es bei der Swisscom. Konsumentenschützer und Politiker erhoffen sich von der Entwicklung in der EU trotzdem Druck auf die Schweizer Telekomanbieter. "Technisch ist das kein grosser Aufwand. Es gibt keinen Grund dafür, diese Gebühren nicht ganz abzuschaffen", sagt Björn Karlen vom Schweizer Konsumentenforum. Die Präsidentin der Schweizerischen Stiftung für Konsumentenschutz, Prisca Birrer-Heimo, erwartet vom Bundesrat, dass er alles unternimmt, um die Frage in einem Abkommen mit der EU zu regeln. "Das könnte ein interessantes Angebot sein für EU-Touristen, und die Schweiz hätte so Gegenrecht." Eigentlich gebe es keinen Grund, für die Benutzung ausländischer Netze zahlen zu müssen. Birrer-Heimo sagt: "Die Netze sind ja bereits da. Mit welchem Telefon sie genutzt werden, spielt keine Rolle. Das ist ein rein elektronischer Vorgang."

"Im symbolischen Bereich"
Die Schweizer Telekomanbieter haben ihre Roaming-Tarife in letzter Zeit zwar gesenkt. "Aber vor allem für die Grosskunden. Für die Privatkunden bleiben die Senkungen im symbolischen Bereich", kritisiert die Berner Ex-Nationalrätin Ursula Wyss, die sich für gesetzliche Höchstpreise stark gemacht hatte. Das Anliegen wird auch von der politischen Rechten unterstützt. Doch das Geschäft ist derzeit blockiert.

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