Rime bringt Levrat ins Schwitzen

Im Kanton Freiburg ist die SVP ebenso überraschend stärkste Kraft geworden, wie SP-Chef Christian Levrat im ersten Wahlgang die Wiederwahl in den Ständerat verpasst hat. Jetzt greift der ehemalige SVP-Bundesratskandidat Jean-François Rime Levrat frontal an.

Denise Lachat
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Die überraschende Ständeratskandidatur von SVP-Nationalrat Jean-François Rime (r.) zielt primär auf SP-Präsident Christian Levrat (l.). (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Die überraschende Ständeratskandidatur von SVP-Nationalrat Jean-François Rime (r.) zielt primär auf SP-Präsident Christian Levrat (l.). (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

FREIBURG. Er wird gerne als der ewige Kandidat der SVP belächelt: Zweimal wollte Jean-François Rime Bundesrat werden, zweimal Freiburger Ständerat. Noch nie aber standen die Chancen auf Erfolg so gut wie jetzt, da der Sägereibesitzer und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes zum dritten Anlauf in den Ständerat ansetzt.

Der Grund: Bei den eidgenössischen Wahlen gab es in Freiburg eine doppelte Überraschung. Die SVP schwang sich mit 25,6 Prozent zur wählerstärksten Kraft auf. Und Christian Levrat, der Präsident der SP Schweiz, verpasste im ersten Durchgang die Wiederwahl in den Ständerat. Fast 6000 Stimmen trennten ihn vom absoluten Mehr. «Das hat alle überrascht, am meisten wohl Christian Levrat selbst», sagt Jean-François Rime, der Levrat am Sonntag in Bedrängnis bringen will.

Rime steigt ins Rennen

Wie kommt es, dass Rime, der am ersten Wahlgang gar nicht beteiligt war, nun plötzlich in direkter Konkurrenz zu SP-Mann Levrat steht? Zwischen den beiden Wahlgängen liegen ein paar Strategiewechsel – und ein Rime, der seine Chance blitzschnell gepackt hat. Für den Ständerat hatte die SVP zuerst auf den Deutschfreiburger Emanuel Waeber gesetzt, der den Sitz des abtretenden Deutschfreiburgers Urs Schwaller von der CVP erobern sollte – womit die SVP also direkt den Sitz der CVP angriff. Da Waeber auf dem vierten Platz landete, zog ihn die SVP zurück und bot der CVP Unterstützung für den zweiten Wahlgang an; unter der Bedingung, dass diese ein Ticket mit dem drittplazierten Kandidaten der FDP eingeht. Das Ziel sei schliesslich eine bürgerliche Doppelvertretung für Freiburg, rechtfertigt SVP-Kantonalpräsident Roland Mesot das Angebot. Das aber wollte die CVP nicht, denn sie bestritt den Wahlkampf quasi im Tandem mit der SP. Diese «Zauberformel à la Fribourgeoise» – ein SP, ein CVP, ein Welsch- und ein Deutschfreiburger – habe sich für den Kanton bewährt, wird argumentiert.

Schliesslich zog sich der FDP-Kandidat zugunsten der CVP zurück – nicht ganz ohne Druck, wie in Freiburg gemunkelt wird. Denn die FDP braucht nächstes Jahr bei den Regierungswahlen den Support der CVP. Und so steuerten sowohl Levrat als auch der zweitplazierte Kandidat, CVP-Volkswirtschaftsdirektor Beat Vonlanthen, auf eine sichere Wahl im zweiten Wahlgang zu.

SVP wirbt mit CVP

Doch sie hatten die Rechnung ohne Rime gemacht. Statt der CVP greift die SVP nun also die SP an – und macht dabei die CVP flugs zu ihrer Verbündeten. Ungefragt fand sich CVP-Kandidat Vonlanthen auf einem Zeitungsinserat mit dem SVP-Sünneli wieder: «CVP + FDP + SVP = 68%, bürgerlich wählen, Rime – Vonlanthen in den Ständerat», heisst es da.

Auch Vonlanthen in Gefahr

Rime will nicht sagen, ob er die Inserate selber bezahlt hat, oder ob es die Partei war, er scherzt jedoch gerne, dass Vonlanthen aus Dank für seine Wahl dann sicher einen Teil der Kosten übernehme. Jedenfalls habe er Vonlanthen vor ein paar Tagen an einer Messe getroffen, und dieser habe ihm keinen Vorwurf gemacht. Vonlanthen scherzt zurück, er zahle nicht, denn er habe das Produkt nicht bestellt. Er fügt aber an, das Inserat habe links wie rechts irritiert. Inzwischen wirbt die SVP wieder für Rime alleine.

Vonlanthen und Rime sind zwar familiär verbunden: Ihre Ehefrauen sind Cousinen, und diese wiederum haben einen Cousin, der Urs Schwaller heisst. Im Wahlkampf traten CVP und SVP aber nicht wie eine Familie auf. Rime und Vonlanthen plazierten über die Medien einige Spitzen. Denn Rime könnte auch für Vonlanthen zur Gefahr werden; die SVP stempelt ihn gerne als zu weit links ab. SVP-Kantonalpräsident Mesot droht, irgendwann müsse die CVP klarmachen, wo sie hingehöre, schliesslich hätten die CVP, die FDP und die SVP eine Zusammenarbeit für die Regierungswahlen 2016 vereinbart. Diese Vereinbarung wiederum ist der Preis, den die CVP für die Unterstützung ihres Regierungsrats durch die SVP gezahlt hat.

Angesichts dieser Deals im Bürgerblock ist die Ausgangslage etwas unübersichtlich – zumal die SP ihrerseits mit Levrat-Inseraten wirbt, auf dem ihm die CVP Loblieder singt. Vonlanthen äussert sich weder zum einen noch zum anderen Kandidaten, eine Präferenz für den Status quo durchblicken lässt er allemal: «Die bisherige Zusammensetzung brachte gute Ergebnisse für den Kanton», liess er verlauten.

Zweiter herber Verlust für SP?

Wie sich die FDP-, CVP- und SVP-Wählerinnen und Wähler schliesslich positionieren, ist offen. Levrat spricht denn auch von einer ernsthaften Bedrohung durch Rime. Und für die SP Schweiz wäre der Verlust ihres Chefs ein weiterer harter Schlag, nachdem sie am 18. Oktober bereits ihren Fraktionschef Andy Tschümperlin durch Nichtwiederwahl verloren hat. Rime hingegen, der 2002 von der FDP zur SVP wechselte, hätte es als unbestrittene Leaderfigur der SVP Freiburg endlich einen Schritt weiter geschafft. Von Rimes Wahl in den Ständerat profitierte übrigens auch Emanuel Waeber – er würde auf Rimes Nationalratssitz nachrücken.