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Der nächste Kampf von Natalie Rickli


Nach elf Jahren im Nationalrat will Natalie Rickli in den Zürcher Regierungsrat einziehen. Die Chancen der umgänglichen SVP-Politikerin sind intakt – auch wenn sie während ihrer steilen Politkarriere nicht immer unumstritten war.
Michel Burtscher
Natalie Rickli sitzt seit 2007 im Nationalrat. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Natalie Rickli sitzt seit 2007 im Nationalrat. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Als die Schlacht geschlagen und der Kampf verloren war, da machte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli gute Miene zum bösen Spiel: «Ich bin nie davon ausgegangen, dass die Initiative angenommen wird», sagte sie, nachdem das Stimmvolk die No-Billag-Initiative deutlich abgelehnt hatte. Dennoch werte sie die Abstimmung positiv, fügte Rickli an, da die Diskussion um die SRG lanciert worden sei. Und wie immer, wenn es in den letzten Jahren um dieses Thema ging, war Rickli mittendrin. Sie hat sich zur prominentesten SRG-Kritikerin im Parlament gemausert.

Doch damit könnte nun bald Schluss sein: Rickli will von der nationalen Legislative in die kantonale Exekutive wechseln. Die 41-jährige Winterthurerin kandidiert für den Zürcher Regierungsrat. «Nach 16 Jahren in drei verschiedenen Parlamenten – 11 davon im Nationalrat – würde ich gerne Verantwortung in einer Exekutive übernehmen», sagte sie in der «NZZ am Sonntag». «Es würde mich freuen, die Politik des Kantons Zürich als Regierungsrätin mitzugestalten.» Rick­li will damit für die SVP den Sitz des abtretenden Baudirektors Markus Kägi verteidigen.

Politisiert stramm auf SVP-Linie

In rund einem Monat entscheiden die SVP-Delegierten, wen und wie viele Personen sie für den Regierungsrat nominieren wollen. Die Parteiführung äusserte sich bereits erfreut über Rick­lis Ankündigung: Sie bringe zweifelsohne das nötige Rüstzeug für das Amt mit, sagte Parteipräsident Konrad Langhart zur «Limmattaler Zeitung». Im März 2019 ist dann das Stimmvolk an der Reihe. Dort sind Ricklis Chancen intakt. Bei den Parlamentswahlen 2011 machte sie die meisten Stimmen im ganzen Land, 2015 am zweitmeisten – und ist damit unbestritten eines der Aushängeschilder der SVP. Wichtig wird für Rickli trotzdem sein, dass sie Stimmen bis in die bürgerliche Mitte hinein sammeln kann, was für SVP-Politiker immer wieder ein Stolperstein ist. Doch Rickli ist das durchaus zuzutrauen – niemand aus ihrer Partei holte bei den Wahlen 2015 mehr Panaschierstimmen als sie. In den Reihen der FDP beispielsweise räumt man der SVP-Politikerin denn auch gute Chancen ein. Kommt hinzu, dass Rickli zwar stramm auf SVP-Linie politisiert, ohne aber mit allzu provokativen Aussagen aufzufallen.

Einmal jedoch, da löste sie heftige Reaktionen aus. Es habe zu viele Deutsche in der Schweiz, darum müsse man die Zuwanderung begrenzen, sagte sie im Jahr 2012 in einer TV-Sendung. Dafür erntete sie scharfe Kritik: aus der Bevölkerung, der Tourismusbranche, vereinzelt gar von Parteikollegen. «Das war keine einfache Zeit für mich», sagte sie später einmal. Schwierig war für Rickli auch die Zeit, die kurz nach diesem Vorfall kam: Sie erlitt ein Burn-out. Fünf Monate verabschiedete sie sich aus der Öffentlichkeit, ging in eine Klinik, verpasste zwei ganze Sessionen in Bern. Sie habe eine schwere Depression gehabt, sagte Rickli zur «NZZ am Sonntag». Doch diese Zeit habe sie stärker gemacht. «Man muss seiner Gesundheit Sorge geben. Nur wenn man sich gut schaut, kann man anderen helfen.» Die Auszeit war der erste grosse Bruch in Ricklis steiler Politkarriere.

In die Partei eingestiegen war sie im Jahr 1996, ab 2002 sass sie im Grossen Gemeinderat Winterthur, später im Zürcher Kantonsrat. Im Jahr 2007 wurde sie 31-jährig in den Nationalrat gewählt. In ihren ersten Vorstössen ging es um die Billag-Gebühren, die SRG und die Schaffung eines Pädophilen-Registers. Diesen Themen blieb Rickli bis heute treu. Zuletzt setzte sie sich lautstark für eine scharfe Umsetzung der Pädophilen-Initiative ein und forderte eine Senkung der TV- und Radiogebühren.

Erst vor kurzem selbstständig gemacht

Wegen ihrer ständigen SRG-Kritik musste sich Rickli immer wieder vorwerfen lassen, sie verfolge in der Medienpolitik Geschäftsinteressen. Der Grund dafür war ihr früherer Arbeitgeber: Mehr als zehn Jahre lang war sie bei der Firma Goldbach Media tätig, die Werbefenster für ausländische Fernsehsender wie RTL oder Vox vermarktet. Anfang dieses Jahres hat sich Rickli selbstständig gemacht. Gegenüber unserer Zeitung wollte sich Rickli gestern nicht mehr äussern.

Über ihr Privatleben sind wenig Details bekannt. Unter Hobbys steht auf ihrer Webseite einzig «Lesen, Skifahren, Wandern, Tauchen, Reisen, Yoga». Eine enge Beziehung pflegt sie zu SP-Nationalrätin Chantal Galladé, die zwar auch Winterthurerin ist, politisch aber am anderen Ende des Spektrums. Rickli hat sogar Wahlkampf für ihre Freundin gemacht, als diese kürzlich für die Schulpflege in Winterthur kandidierte. Wie dem auch sei: Verschwinden aus der Öffentlichkeit wird Rickli nicht. Sie sei nicht politikmüde, sagte sie zur «NZZ am Sonntag». Wenn es mit dem Regierungsrat nicht klappen sollte, will Rickli noch eine weitere Legislatur als Nationalrätin anhängen.

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