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REISE-BOOM: Iraner entdecken die Schweiz

Immer mehr Iraner wollen ein Visum für die Schweiz. Touristiker sehen ein grosses Potenzial und rechnen 2017 mit 100'000 Logiernächten. Für andere Branchen bleibt der iranische Markt trotz der sanften Öffnung heikel.
Tobias Gafafer
Jährlich kommen mehr iranische Reisende in die Schweiz. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Jährlich kommen mehr iranische Reisende in die Schweiz. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Nach den arabischen Gästen wird die Schweiz auch bei Iranern immer beliebter. Bis Ende September reichten über 10'000 iranische Staatsangehörige Visaanträge ein. Dies zeigt die Statistik des Staatssekretariats für Migration (SEM). Zum Vergleich: 2015 waren es noch 7100 und 2014 6077 Personen. «Alles deutet darauf hin, dass 2016 mehr Visumsanträge von iranischen Staatsangehörigen gestellt werden als je zuvor», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin auf Anfrage. Auf der Rangliste der beantragten Visa war die Schweizer Vertretung in Teheran im dritten Quartal auf Rang 9, vor Istanbul. Nach dem Atomabkommen mit dem Westen und der sanften Öffnung wollen offenkundig viele Iraner ins Ausland reisen.

Die Schweiz habe ihr Personal vor Ort verstärkt, um die Gesuche zu bewältigen, sagt Carole Wälti, Sprecherin des Aussendepartements EDA. 2017 soll das Visazentrum mit jenem von Deutschland in grössere Räumlichkeiten umziehen, um dem erwarteten weiteren Anstieg der Gesuche Rechnung zu tragen.

Zürich und Genferseeregion am beliebtesten
Wichtigster Aufenthaltszweck war der Tourismus, gefolgt von Familienbesuchen und Geschäftsreisen. Schweiz Tourismus sieht in Iran einen Wachstumsmarkt. Direktor Jürg Schmid besuchte im Februar mit der vierzigköpfigen Delegation von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann das Land. «Die Mission war ein Erfolg», sagt Sprecher Markus Berger. Die Zunahme sei auf die Verstärkung der Schweizer Botschaft in Iran und das Marketing bei iranischen Tour-Operatoren zurückzuführen. Berger rechnet im laufenden Jahr mit 60'000 Logiernächten von Touristen aus Iran, während es 2015 rund 40'000 waren. Die Zahl der Anträge für touristische Schengen-Visa stieg im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent. Mehr noch: Für 2017 geht Schweiz Tourismus von rund 100'000 Logiernächten von Iranern aus, eine Zahl, die mit manchen Golfstaaten vergleichbar wäre.

Zurzeit handelt es sich laut Berger primär um pauschale Gruppenreisen, zumal iranische Kreditkarten im Westen immer noch ungültig sind. Am beliebtesten sind Zürich und die Genferseeregion. Die Schweiz hat einen guten Ruf und dient als Eintrittstor für Europa. Schweiz Tourismus versucht, den Tour-Operatoren nun auch Luzern, Interlaken, Zermatt und Crans-Montana als Destinationen anzupreisen. «Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft, auch wenn der Anteil der iranischen Touristen insgesamt bei unter einem Prozent liegt», sagt Berger.

Von den 10157 Visaanträgen von Iranern im laufenden Jahr bewilligte die Schweiz bisher 8799. Die Behörden überprüfen die Antragsteller, damit niemand einreist, der illegal einwandern will oder ein Sicherheitsrisiko darstellt. Man kläre unter anderem, ob diese gültige Reisedokumente und genug Mittel für den beabsichtigten Aufenthalt hätten, sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin. Auch das sozioökonomische Umfeld spiele dabei eine Rolle. Eine absolute Garantie für eine fristgemässe Wiederausreise gebe es aber nicht.

Trumps Wahlsieg schafft Unsicherheit
Für andere Branchen wie die Tourismusindustrie bleibt der iranische Markt heikler. Zwar steigen die Schweizer Exporte 2015 stark an, unter anderem wegen des wieder erlaubten Goldhandels. Unternehmer, die mit Schneider-Ammann in Iran waren, hätten aber gerne rascher Geschäfte abgeschlossen. Der Wahlsieg von Donald Trump, der den Atomdeal kritisierte, in den USA bringt neue Unsicherheit. «Die ersten Besetzungen in der neuen Regierungsmannschaft wecken nicht gerade grosse Hoffnungen», sagt etwa Peter Jenelten, Präsident von Swissrail, der Vereinigung der Bahnindustrie.

Komplexe Finanztransaktionen sind ohnehin schwierig, weil die US-Primärsanktionen immer noch in Kraft sind. Es gebe zwar klar eine Dynamik, sagt Erich Herzog, beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse für Iran zuständig. «Schweizer Unternehmen sind interessiert, mit Iran ins Geschäft zu kommen.» Banken seien wegen der USA aber weiterhin zurückhaltend, Geschäfte mit dem Land abzuwickeln.

Von Teheran nach Madrid

Schweizer Botschafter im Iran: Giulio Haas. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Schweizer Botschafter im Iran: Giulio Haas. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Der Schweizer Botschafter in Iran, Giulio Haas, verlässt den Posten in Teheran und wechselt in die spanische Hauptstadt Madrid. Dies teilte das Aussendepartement jüngst am Rande einer grossen Rochade mit. Der Wechsel erfolgt in der zweiten Hälfte 2017.

Der Bundesrat berief den früheren Wegelin-Bankier 2013 überraschend zum Botschafter in Iran. Die Schweiz vertritt dort auch die Interessen der USA. Der Bündner erlebte eine intensive Zeit: 2015 einigte sich Iran mit dem Westen auf ein Atomabkommen. Haas spielte bei der Freilassung mehrerer amerikanisch-iranischer Doppelbürger Anfang Jahr eine wichtige Rolle. (tga)

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