Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Reimann zieht Chüngel-Motion zurück

BERN. Zuerst wollte SVP-Nationalrat Lukas Reimann die Einzelhaltung von Kaninchen verbieten lassen. Doch jetzt zieht er seinen Vorstoss zurück. Der Gesinnungswandel sorgt für böses Blut.
Jürg Ackermann
Nur gemeinsam glücklich? (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Nur gemeinsam glücklich? (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Tierschützer und Züchter liegen sich in den Haaren. Dürfen Kaninchen alleine gehalten werden? Die neue Tierschutzverordnung sagt ja. Anders als bei Meerschweinchen oder Kanarienvögeln, die ebenfalls ein ausgeprägtes Sozialleben haben, sieht das Gesetz bei den «Chüngeln» Ausnahmen vor. Der Grund: Werden geschlechtsreife Männlein im gleichen Käfig gehalten, können sie aggressiv werden und aufeinander losgehen. Der Bundesrat fällte hier einen Entscheid im Sinne der Kaninchenzüchter.

Mit Tieren, die ein angeknabbertes Ohr oder ein zerrüttetes Fell haben, sind an «Chüngeliausstellungen» nämlich keine Preise mehr zu gewinnen.

Gesinnungswandel bei Reimann

Lukas Reimann stiess diese Regelung bis vor kurzem sauer auf: Schon früher als kleinem Buben hätten ihm die in Einzelställen gehaltenen Tiere leid getan. Es sei absurd, dass man Meerschweinchen gemeinsam halten soll, «gesellige» Kaninchen aber nicht.

Im März reichte der Wiler Nationalrat in Absprache mit dem Verein gegen Tierfabriken und dessen Präsidenten Erwin Kessler deshalb eine Motion ein. Diese wollte das Verbot der Einzelhaltung auf Kaninchen ausweiten. Es gehe schliesslich um Hunderttausende von Lebewesen, sagte Reimann.

Jetzt, nur einen Monat später, will der jüngste Nationalrat von seinem Anliegen nichts mehr wissen.

Er habe in der Zwischenzeit zahlreiche Zucht- und Mastbetriebe besucht und eingesehen, dass sein Vorstoss zu weit gehe, bestätigte der SVP-Nationalrat eine Meldung des Regionaljournals Ostschweiz von Radio DRS. «Auch die Züchter bemühen sich um eine artgerechte Haltung und haben die Tiere gern.»

Bigger: «Das war blauäugig»

Einer, der Reimann bei seinem Gesinnungswandel aktiv «beraten» hat, war Nationalratskollege Elmar Bigger, selber Hühnerzüchter. Es habe am Schluss gar nicht mehr so viel Überzeugungsarbeit gebraucht, sagte der St.

Galler SVP-Nationalrat gestern in der Wandelhalle. «Reimann war wohl einfach ein wenig blauäugig. Ich reiche ja auch nicht einen juristischen Vorstoss ein, wenn ich von der Materie keine Ahnung habe.»

Reimann war mit seinem Vorstoss SVP-intern nicht nur von Fraktionskollege Bigger kritisiert worden. Nach Bekanntwerden seines Vorschlags hagelte es Kritik, vor allem von erbosten Kaninchenzüchtern. Einige drohten gar mit Parteiaustritt. Dass sein Rückzug nun eine Reaktion auf diese Kritik sei, lässt Reimann nicht gelten.

«Ich habe schon zu Genüge bewiesen, dass ich mit Druck umgehen kann und eigenständig politisiere. Auch bei der Personenfreizügigkeit habe ich mich anfänglich gegen die Partei gestellt. Der Tierschutz bleibt ein wichtiger Punkt in meiner politischen Agenda», sagt Reimann.

Massive Vorwürfe von Kessler

Der Gesinnungswandel des Wiler Nationalrats löst insbesondere bei Tierschützer Erwin Kessler Kopfschütteln aus.

Der Präsident des Vereins gegen Tierfabriken macht Reimann in einem an verschiedene Medien verschickten E-Mail massive Vorwürfe. Der SVP-Nationalrat habe die feige Variante gewählt und die Motion zurückgezogen, weil er parteiintern und von der «Kaninchenzüchter-Lobby» unter Druck gesetzt worden sei.

Kessler hofft nun, dass ein Parlamentarier aus dem links-grünen Lager die Kaninchen-Motion einreicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.