Referendum dürfte wenig Chancen haben

Designerbabies, Menschenzucht, Dammbruch in der Medizin: Mit Schlagworten wie diesen warnten die Gegner der Präimplantationsdiagnostik eindringlich vor der Verfassungsänderung.

Jürg Ackermann
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Designerbabies, Menschenzucht, Dammbruch in der Medizin: Mit Schlagworten wie diesen warnten die Gegner der Präimplantationsdiagnostik eindringlich vor der Verfassungsänderung. Das überraschend deutliche Ergebnis zugunsten der PID zeigt jedoch: Der Souverän hat sich beim Entscheid stärker von rationalen Argumenten als von Horrorszenarien oder Emotionen leiten lassen. Und er hat vor allem auch einen Konstruktionsfehler in der Argumentation vieler Gegner offengelegt: Wer die PID als unerlaubten Eingriff in die Natur oder die Schöpfung verteufelt, der müsste konsequenterweise auch die künstliche Befruchtung verbieten. Doch niemandem käme es in den Sinn, die jährlich 6000 Paare mit grossem Kinderwunsch zu brandmarken, die auf eine In-vitro-Fertilisation angewiesen sind – und die nun vom gestrigen Entscheid hauptsächlich profitieren.

Der unerwartet hohe Ja-Anteil ist jedoch kein Freipass für alles, was in der Medizin möglich ist. So wird es bei der PID zu Recht nicht erlaubt sein, bei Embryonen Merkmale wie die Haar- oder Augenfarbe auszuwählen. Auch die Eizellenspende oder die Leihmutterschaft bleiben verboten. Die bisherigen Erfahrungen mit der Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz haben gezeigt, dass sich die Ärzte an die strengen Gesetze halten. Und es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass sich das mit dem Ja zur PID ändert. Zumal sich diese fast überall in Europa ohne die befürchteten negativen Konsequenzen etabliert hat.

Schon jetzt ist klar, dass die Gegner der PID das Referendum gegen das bereits beschlossene Ausführungsgesetz ergreifen. Die Chancen, dass sich der Souverän in einem Jahr anders entscheidet, dürften aber eher klein sein. Die vom Parlament beschlossene Vorlage, welche die PID nicht nur den erblich vorbelasteten, sondern allen Paaren, die auf natürlichem Weg keine Kinder erhalten, erlauben will, war in der Diskussion allgegenwärtig. Der Grossteil der über 60 Prozent Ja-Stimmenden wird daher wohl auch das Ausführungsgesetz befürworten.

juerg.ackermann@tagblatt.ch