Rebord wird neuer Armeechef

Die Schweizer Armee erhält einen neuen Chef. Nachfolger von André Blattmann wird Philippe Rebord. Der 59-jährige Romand übernimmt keine leichte Aufgabe.

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Er folgt auf André Blattmann: Philippe Rebord. (Bild: UELI LIECHTI (VBS))

Er folgt auf André Blattmann: Philippe Rebord. (Bild: UELI LIECHTI (VBS))

Philippe Rebord ist 59-jährig und führte bis dato die höhere Kaderausbildung der Armee. Er war in dieser Funktion verantwortlich für die Führungs- und Stabsausbildung der Milizkader ab Stufe Einheit, der Berufskader sowie dem Aufgabenbereich der Operativen Schulung. Er war direkt dem Chef der Armee unterstellt und zuletzt dessen Stellvertreter. Rebord hat an der Universität Lausanne Geschichte, Geographie und Französisch studiert.

Philippe Rebord folgt auf André Blattmann, der per Ende März zurückgetreten ist. Nach der Wahl von SVP-Politiker Guy Parmelin in den Bundesrat war rasch gemunkelt worden, der Verteidigungsminister wolle sich von Blattmann trennen. Das bestätigte Parmelin schliesslich Ende März. Die parlamentarischen Diskussionen über die Weiterentwicklung der Armee seien abgeschlossen, sagte Parmelin. Es mache Sinn, die Umsetzung mit einer neuen Person anzugehen, zumal André Blattmann 2018 sein Pensionsalter erreiche.

Ein Jahr Zeit für die Armeereform
Als neuer Armeechef übernimmt Philippe Rebord keine leichte Aufgabe. Das sicherheitspolitische Umfeld verändert sich, die Armee selber gleicht einer Baustelle. Die grösste Herausforderung ist die vom Parlament beschlossene Armeereform. Ein Jahr bleibt Rebord für die Vorbereitungen. Am 1. Januar 2018 wird die Reform scharf geschaltet.

Der Umbau greif tief. Die Truppe wird auf 140'000 Mann verkleinert, was Tausende von Offizieren und Unteroffizieren überflüssig macht. Der Sollbestand liegt bei 100'000. So viele Angehörige der Armee sollen tatsächlich eingesetzt werden können. Auf dem Papier sind das halb so viele wie heute. Angepasst werden auch die Kommandostrukturen. Mit viel Enthusiasmus darf Rebord nicht rechnen. Der Entscheid des Parlaments, Heer und Luftwaffe nicht dem Chef der Armee zu unterstellen, sondern unter einem Kommando Operationen zusammenzufassen, ist stark umstritten.


Rückzug aus Tälern und Dörfern
Rebord muss auch hinstehen, wenn sich die Armee aus Tälern und Dörfern zurückzieht. Mit dem Stationierungskonzept werden die Immobilien nämlich um rund einen Drittel zurückgefahren. Geschlossen werden drei Flugplätze, sieben Waffenplätze sowie Dutzende Schiess- und Ausbildungsplätze.

Rebord steht zudem vor der Herausforderung, jedes Jahr 5 Milliarden Franken ausgeben zu müssen. Einige der jüngeren Rüstungsvorhaben haben gezeigt, dass das gar nicht so einfach ist. Die Duro-Sanierung hat eine giftige Kontroverse ausgelöst, der Kauf israelischer Drohnen war politisch umstritten. Den neuen Kampfjet hat das Volk abgeschossen, was Hunderte Millionen Franken freisetzte. Die Bodengestützte Luftverteidigung (Bodluv) ist schon in der Projektphase gescheitert - und wieder wird erbittert um die Millionen gerungen. Bei beiden Rüstungsvorhaben wird der neue Armeechef entscheidende Schritte vorankommen und vielleicht sogar eine Abstimmung gewinnen müssen.

Der Kauf von Kriegsgerät wirft immer auch die Frage auf, wer eigentlich bekämpft werden soll. Exemplarisch ist die aktuelle Diskussion darüber, wie ein 12-cm-Mörser in einem asymmetrischen Konflikt oder in dicht besiedeltem Gebiet eingesetzt wird. Viele dieser Fragen richten sich zwar an die Politik, viele wird aber auch Rebord zu beantworten haben.

Thema Cyber Defence
Auch auf dem digitalen Schlachtfeld sollte der neue Armeechef eine gute Figur machen. Cyber Defence gehört seit einigen Jahren zu den Aufgaben der Armee. Es wird auch viel Geld dafür ausgegeben, die Netze zu schützen. Hackerangriffe wie jener auf den bundeseigenen Rüstungsbetrieb Ruag werfen aber die Frage auf, ob die Bedrohung richtig eingeschätzt wird.

Hinzu kommen die ständige Diskussion um die Zukunft der Dienstpflicht und nicht zuletzt regelmässige Pannen und Unglücke. Es ist Rebord, der sich künftig mit abgestürzten Flugzeugen, gestohlenem Sprengstoff und Querschlägern im Wohngebiet herumschlagen muss. Er ist nicht nur oberster Kommandant, sondern auch das Gesicht der Armee und damit massgeblich verantwortlich für deren Ruf und Ansehen. (red./sda)