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RALPH KRUEGER: Der Motivationskünstler

Der Ex-Nationaltrainer der Schweizer Hockeyaner bekommt als Chairman des Fussballklubs Southampton einen chinesischen Chef. Er ist motiviert – wie immer.

Er ist ein Mensch, der aus Energie zu bestehen scheint. Einer, der sich gleichsam selber elektrisiert. Und zuverlässig darauf zählt, dass der Funke zu jenen springt, die er entflammen will. Natürlich heisst das in seiner Sprache «motivieren». Denn dass er ein Künstler der Motivation ist, würde ihm niemand absprechen wollen. Auch jene nicht, denen er an Kaderseminaren mit seinem Coaching-Slang die letzte Energie entzogen beziehungsweise den letzten Nerv ausgerissen hat. Ihr Fehler: Sie spürten einfach seine Aura nicht.

Die Rede ist vom 57-jährigen Deutschkanadier Ralph Krueger, der eine bemerkenswerte Karriere an der Bande von Eishockeystadien gemacht hat, über ein Dutzend Jahre Coach der Schweizer Hockeyaner war, ehe er vor drei Jahren Chairman des englischen Premiere-League-Clubs Southampton wurde. Ungläubiges Staunen erfasste die Fachwelt, die nicht mit Vorbehalten über den flotten Wechsel vom blanken Eis auf den grünen Rasen geizte.

Doch Krueger ging seinen Weg. So, wie er es immer tut. Und er beschritt ihn über weite Strecken geradeaus. Zusammen mit Katharina Liebherr, die ihrem Vater nach dessen Tod als Eigentümerin der «Saints» nachgefolgt war. Er, Markus Liebherr, Schweizer Baumaschinenhersteller, hatte den Klub vor dem Ruin gerettet. Und die Renaissance der «Heiligen» mit dem steinigen Weg von der League One zurück in die Premier League ermöglicht. Zur Illustration: Southampton stemmt heute mit 400 Angestellten ein Budget von 250 Millionen Franken.

Und nun dies: Liebherr hält nur mehr 20 Pro­zent der Aktien, den Rest hat sich nach einem regulatorischen Hindernislauf der chinesische Investor Gao Jisheng gesichert. An Beteuerungen, den eingeschlagenen Kurs der Vernunft mit der Förderung eigener Nachwuchskräfte aus der erstklassigen Academy zu halten, fehlt es nicht. Der «Southampton Way» soll weiterführen – in den europäischen Fussball und in die Vermarktung des Klubs in Asien. So wie es andere Topklubs ebenfalls tun.

Allein die ausländischen TV-Rechte sind für die Liga 322 Milliarden Franken schwer. Schön und gut, könnte man sagen. Doch die innere Wahrheit ist eine andere. Das Engagement ausländischer Investoren in den englischen Klubfussball hat zwar noch mehr Geld in einen ohnehin schon überhitzten Markt gepumpt, doch der Opfer sind viele. Nottingham Forest, Birmingham City, Blackburn Rovers – alles gefallene Giganten. Der Ausgang bei Aston Villa und den Wolverhampton Wanderers, wo chinesische Eigner am Werk sind, ist offen.

All das wird Ralph Krueger noch zur Genüge beschäftigen. Wenn er denn noch erlebt, wie sich das Gao-Investment an der Südküste auswirkt. Sein Heimweh nach Eishockey jedenfalls ist gross. Und seine Fähigkeit, sich stets von neuem zu erfinden, auch. Nur einem bleibt Krueger, der Verwandlungskünstler, immer treu: Wenn er spürt, dass er nicht weiterkommt, geht er. Und: Er täuscht niemandem etwas vor. Er ist eine ehrliche Haut, die er clever zu Markte trägt. Zu aller Nutzen, versteht sich: «Ich versuche, jeden meiner Mitarbeiter tagtäglich zu motivieren, dass er besser wird», sagte er der NZZ diese Woche. Niemand, der Krueger je erlebt hat, der auch nur einen Augenblick daran zweifelte.

Balz Bruder

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