«Quotidiana»: Chef gekündigt

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Medien Martin Cabalzar, Chefredaktor der einzigen rätoromanischen Tageszeitung «La Quotidiana», hat vom Medienhaus Somedia in Chur die Kündigung auf Ende Jahr erhalten. Cabalzar arbeitet seit 20 Jahren für das in Schwierigkeiten steckende romanische Blatt, davon 19 Jahre als Chefredaktor.

Die Kündigung ist formeller Art. Denn das Medienhaus Somedia, das neben der «Quoti­diana» auch die «Südostschweiz» herausgibt, hat bereits im März bekundet, die rätoromanische Tageszeitung per Ende Jahr einzustellen, wenn sich niemand ­finde, der das jährliche Defizit von rund 300 000 Franken zahle. Seither suchen die rätoroma­nischen Organisationen fieberhaft nach einer Lösung. Nationalrat Martin Candinas (CVP/GR) hat deswegen im Parlament eine Interpellation eingereicht.

Die inzwischen erfolgte Antwort des Bundesrates auf den Vorstoss ist für die Rätoromanen mindestens ermutigend: Die Lan­desregierung teilt die Meinung, dass die Medien eine wichtige Rolle bei der Förderung der rätoromanischen Sprache spielen. Der Bund wolle sich deshalb an einer Lösung für «La Quotidiana» beteiligen – sofern auch die Hauptakteure mitzögen. Als solche betrachtet die Landesregierung den Kanton Graubünden sowie die Lia Rumantscha, den Dach­verband der rätoromanischen Sprachverbände. Der Bundesrat stützt sich bei dieser Zusage einerseits auf die Sprachen­gesetzgebung, anderseits auf die Kulturbotschaft 2016–2020. In ihr ist festgehalten, dass das Räto­romanische verstärkt ausserhalb des herkömmlichen Verbreitungsgebiets – rund ein Drittel der Rätoromanen wohnt ausserhalb des Sprachgebiets – gefördert werden soll. Auch soll der Beitrag für das Rätoromanische erhöht werden.

Aufgrund dieser Ausgangs­lage hat Chefredaktor Cabalzar wohl zu Recht Hoffnung, dass das Geld zusammenkommt, um die «Quotidiana» auch im nächsten Jahr täglich herauszugeben. Allerdings bleibt die «Quotidiana»-Rettung vorerst ein Wettrennen gegen die Zeit. (sda/cla.)