Quote: Besser als ihr Ruf

Zur Sache

Daniel Zulauf
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Gesetzlich verankerte Quoten sind eine häss­liche Erscheinung – insbesondere in einer liberalen Marktwirtschaft, in der man sich die unsichtbare Hand des Wettbewerbs als regulierende Kraft vorstellen möchte. Hässlich ist auch das Konzept der Frauenquote. Die von manchen bürgerlichen Kräften in der Verbannung des Justizministeriums geglaubte SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat sich der Idee bemächtigt, um sich via Aktienrechtsreform in die Privatwirtschaft einzuschalten. Für manche Politiker und Wirtschaftsexponenten mag der Schachzug der Bundesrätin ein Grund sein, die Notwendigkeit einer Frauenquote noch energischer zurückzuweisen.

Doch es gibt eine Wahrheit jenseits von Ideologie. Es existieren in der Marktwirtschaft auch Phänomene, die man als «Race to the Bottom» («Wettlauf um die tiefste Quote») bezeichnen kann. Dieses Phänomen war mit ein Grund dafür, dass vor zehn Jahren die Finanzkrise ausbrechen konnte. Eine Bank, die sich damals eine deutlich höhere Eigenkapitalquote als die Konkurrenz leisten wollte, war schlicht nicht wettbewerbs­fähig. Es brauchte den Gesetzgeber, um diese Spirale zu stoppen.

Gewiss, Unternehmen haben sich nie einen Wettbewerb um die tiefsten Frauenanteile in den Führungsetagen geliefert. Aber bislang war es einfacher und billiger, Manager aus dem Ausland zu holen, als das Potenzial der Frauen zu fördern und sie für höhere Aufgaben fit zu machen. Deshalb ist die Frauenquote besser als ihr Ruf – und vor allem scheint sie zu wirken, lange bevor sie hierzulande Realität werden könnte. Seite 9

Daniel Zulauf

wirtschaft

@tagblatt.ch