Qualität statt Kantönligeist

Zur Sache

Balz Bruder
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An zwei Fakten ist nicht vorbeizukommen: Erstens ist die Spitaldichte in der Schweiz einzigartig, zweitens sind die Folgen derselben einzigartig teuer. Denn wo medizinische Infrastruktur vorhanden ist, wird sie gebraucht. Der Meccano geht so: Entweder – seltener – kommen die Patienten von selber, oder – häufiger – die von Ärzten, Spi­tälern und Krankenversicherern bewirtschaftete Wertschöpfungskette wird mit Hilfe von uns allen nach den Regeln der Kunst ausgereizt.

Das Gute dabei: Die Versorgungssituation hierzulande ist weltweit eine der besten. Bedenklicher ist, dass mehr Angebote nicht zwingend mehr Qualität bedeutet. Vor allem nicht in der hoch spezialisierten Medizin, wo das Patientenwohl zuweilen an einem seidenen Faden beziehungsweise an Praxis und Know-how des Ärzte- und Pflegeteams hängt. Dass es die Kantone bisher nicht geschafft haben, die schweren Eingriffe von Bauchspeicheldrüse bis Hirn zu koordinieren und zu konzentrieren, ist vor diesem Hintergrund nicht bloss ein Schönheitsfehler, sondern ein unerträgliches Risiko.

Teure Spital­infrastrukturen aus versorgungspolitischen Gründen zu erhalten, ist das eine. Tiefe Fall­zahlen und ungenügende Personalressourcen in Kauf zu nehmen, um hoch spezialisierte Leistungen nicht konsequent der Ergebnisqualität unterstellen zu müssen, das andere. Entweder schaffen es die Kantone, ihre eigenen Kriterien durchzusetzen, oder sie geben das Mandat an den Bund zurück. Eine Aussicht, die ebenfalls zu wenig Hoffnung Anlass gibt. Seite 5