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Provokateur macht Karriere

Mit dem Wahlerfolg der Aargauer SP hat es Cédric Wermuth zurück ins Rampenlicht geschafft. Wird das Schreckgespenst der Bürgerlichen nun SP-Präsident?
Roger Braun
Portrait von Cedric Wermuth, Nationalrat der SP des Kantons Aargau, aufgenommen am 8. Dezember 2015 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Portrait von Cedric Wermuth, Nationalrat der SP des Kantons Aargau, aufgenommen am 8. Dezember 2015 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Es war ein gutes Wochenende für Cédric Wermuth. Zuerst bot er in der «Arena» bei der Debatte zum Christentum dem promovierten Philosophen und wortgewaltigen CVP-Präsidenten Gerhard Pfister die Stirn. Am Sonntag dann landete er mit seiner Partei im Aargau einen fulminanten Wahlsieg. Als Co-Präsident der Kantonalpartei hatte er die Wahlkampagne der SP geführt, die nicht weniger als fünf Sitze gewann.

Das Wochenende war bezeichnend für die erfolgreiche Karriere von Cédric Wermuth. Die Rhetorik und das Kampagnenhandwerk: Nicht viele beherrschen es so gut wie der 30-Jährige aus dem Freiamt. In einem 68er-Haushalt aufgewachsen, war Wermuth bereits in jungen Jahren ein politischer Kopf. Mit 13 Jahren trat er den Jungsozialisten (Juso) bei, mit 19 wurde er Zentralsekretär, mit 21 Präsident. Es war jene Zeit, als Wermuth national von sich reden machte. An einer Juso-Parteiversammlung zündete er sich am Rednerpult einen Joint an, er beteiligte sich an der Besetzung eines Hotels in Baden, und hoch dekorierte Manager attackierte er ohne Hemmungen. Sein loses Mundwerk und seine Provokationen machten ihn zum Schreckgespenst der bürgerlichen Schweiz. Doch auch innerhalb der Partei eckte er an. Langjährige SP-Politiker bezeichnete er als «Dinosaurier» und forderte sie zum Rücktritt auf. Die klassenkämpferischen Töne schockierten die Realos im linken Lager. Wermuth war hoch umstritten – und höchst erfolgreich. 2011 gelang ihm der Sprung in den Nationalrat.

Dann wurde es plötzlich still um ihn. Mit dem Juso-Präsidium hatte er auch das Vizepräsidium bei der SP abgegeben. Medial tauchte er ab. Heute spricht Wermuth von einem bewussten Entscheid, sich zurückzunehmen. Er habe nicht mit der Tür ins Haus fallen wollen – umso mehr, als er als Juso-Präsident auch manchen etablierten SP-Politiker vor den Kopf gestossen habe. «Auch musste und wollte ich beweisen, dass ich bereit bin, Knochenarbeit zu leisten, und das auch kann – denn dass ich eine grosse Klappe haben kann, wussten alle in der Partei.» Auch musste Wermuth vorerst mit der technokratischen und wenig publikumswirksamen Finanzkommission vorliebnehmen.

Nun ist er zurück im Scheinwerferlicht. Inzwischen ist er Teil des Fraktionspräsidiums und Mitglied der beliebten Staatspolitischen Kommission – und wieder auf allen Kanälen präsent. Bei der parlamentarischen Debatte über die Zuwanderungs-Initiative trieb er die SVP-Schwergewichte Adrian Amstutz und Roger Köppel zur Weissglut. In der «Arena» zerzauste er danach SVP-Parteipräsident Albert Rösti. Und nun der Wahlerfolg mit der Aargauer SP. Wermuth sagt, er sei im Bundesparlament angekommen. «Ich fühle mich viel sicherer als noch zu Beginn und spüre auch das Vertrauen der Fraktion.» Bereits wird spekuliert, ob er die Nachfolge von SP-Präsident Christian Levrat antreten wird. Wermuth kennt die politischen Mechanismen zu gut, als dass er sich im Detail dazu äussern würde. Er sagt: «Diese Frage stellt sich derzeit nicht, aber spannend wäre das Amt auf jeden Fall.»

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