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Prostitution soll erst ab 18 erlaubt sein

In der Schweiz dürfen 16-Jährige als Prostituierte oder Pornodarsteller arbeiten. Der Genfer Nationalrat Luc Barthassat will das ändern – trotz Niederlage im ersten Anlauf.
Fabian Fellmann
Es gebe bereits Agenturen, die sich auf 16- und 17-Jährige spezialisiert hätten. (Bild: Keystone)

Es gebe bereits Agenturen, die sich auf 16- und 17-Jährige spezialisiert hätten. (Bild: Keystone)

In den meisten europäischen Ländern ist der Fall klar: Prostitution und pornographische Aufnahmen von Minderjährigen sind verboten. Nicht so in der Schweiz: Weil hier das sexuelle Mündigkeitsalter 16 gilt, dürfen Jugendliche in der Schweiz ab diesem Alter ihren Körper verkaufen – sowohl als Prostituierte wie auch als Pornodarsteller. Auch die Freier Minderjähriger und Konsumenten entsprechender Pornographie machen sich nicht strafbar. Das stösst dem Genfer CVP-Nationalrat Luc Barthassat sauer auf.

«Die Schweiz verschliesst die Augen vor diesem Problem», sagt er. «Damit machen wir in Europa eine schlechte Falle.»

Destination für Sextouristen

Barthassat befürchtet, dass die Schweiz zur Destination für europäische Sextouristen mit Vorlieben für Minderjährige wird. Offenbar ist auch das Angebot bereits da: «Gemäss meinen Quellen gibt es einige Jugendliche, die ihren Körper verkaufen, um sich zum Beispiel teure Markenkleider zu kaufen.

» Diese Jugendlichen würden sich an Parties oder auf der Strasse anbieten, vor allem in Zürich und Genf, sagt Barthassat. Es gebe sogar Agenturen, die sich auf 16- und 17-Jährige spezialisiert hätten – sowohl für Hetero- als auch für Homosexuelle.

«Ein echtes Problem»

In der Stadt Zürich würden minderjährige Prostituierte «sehr selten» aufgegriffen, sagt hingegen Polizeisprecher René Ruf. «In so einem Fall werden durch die Polizisten die gesetzlichen Vertreter informiert», so Ruf.

CVP-Nationalrat Barthassat widerspricht: «Ich habe viel mit Leuten von der Front diskutiert, auch mit Polizisten aus Genf und Zürich. Sie sagen, die Prostitution Minderjähriger sei ein echtes Problem. Aber sie können ja nichts unternehmen.» Darum wollte Barthassat die Prostitution Minderjähriger verbieten lassen. Mit seiner Motion scheiterte er allerdings am 3. Juni im Nationalrat. Man wolle die Jugendlichen nicht kriminalisieren, lautete der Tenor der Ratsmehrheit. Angenommen wurde hingegen eine Motion der Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen.

Sie will nicht die Prostitution von Jugendlichen verbieten, sondern den Freiern untersagen, von Minderjährigen Sexdienste anzunehmen. Das genügt Barthassat nicht: «Es ist skandalös, dass sich in der Schweiz 16- und 17-Jährige prostituieren dürfen. Die Jugendlichen sind in dem Alter noch labil. Indem wir ihnen Sexberufe erlauben, öffnen wir die Tür für jegliche Sorten von Missbrauch.» Für Barthassat ist deshalb klar, dass er einen neuen Vorstoss einreichen wird.

Konvention gegen Missbrauch

Der Bundesrat wird das Thema in Kürze selber wieder auf den Tisch bringen. Im Herbst will er entscheiden, ob die Schweiz die Europaratskonvention zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch unterzeichnen soll. Damit würde sich die Schweiz verpflichten, Freier von Minderjährigen zu bestrafen.

Ebenso würden pornographische Aufnahmen von 16- und 17-Jährigen neu als Kinderpornographie eingestuft; bisher galt dies nur für Bilder von unter 16-Jährigen.

Altersgrenze auf 21 Jahre heben

Zurzeit wertet das Bundesamt für Justiz die Stellungnahmen der Kantone zur Europaratskonvention aus; das Ergebnis steht noch aus. Für Margret Kiener Nellen ist aber so oder so klar: «Der Bundesrat muss diese Konvention jetzt unterzeichnen. Für sexuelle Missbräuche von Kindern gibt es keine Toleranz.

» Ihr Ratskollege Luc Barthassat hingegen betrachtet das Unterschreiben der Konvention «als Minimum». Lieber sähe er es, wenn die Altersgrenze gar auf 20 oder 21 angehoben würde.

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