Projekt soll nicht auf Biegen und Brechen durchgeboxt werden

«Wir unterstützen den St. Galler Entscheid, das Projekt in modifizierter Form weiterzuführen», sagte Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamtes für Energie (BFE), gestern gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es wäre unvernünftig, vorschnell aufzugeben.

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«Wir unterstützen den St. Galler Entscheid, das Projekt in modifizierter Form weiterzuführen», sagte Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamtes für Energie (BFE), gestern gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Es wäre unvernünftig, vorschnell aufzugeben. «Wir haben einfach noch zu wenig Erfahrungen in dieser Technologie», sagte Zünd. Nur mit solchen Projekten und der internationalen Vernetzung könne der Kenntnisstand erhöht werden.

Den Punkt mit der zu geringen Erfahrung bestätigt Rudolf Rechsteiner, ehemaliger Basler SP-Nationalrat und Dozent für erneuerbare Energien an verschiedenen Hochschulen. Er zieht daraus aber einen anderen Schluss: «Es ist gut, wenn St. Gallen nun flexibel nach Auswegen sucht, aber es kann nicht Aufgabe von Gemeinden und Städten sein, Forschungsarbeit auf diesem Niveau zu finanzieren.» Risiko und Kosten von Geothermie zur Stromgewinnung seien beim jetzigen Kenntnisstand zu hoch für eine breite Anwendung, sagt er.

Marschhalt gefordert

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen stört sich daran, dass der St. Galler Stadtrat weitere Erschütterungen nicht ausschliessen kann und damit in Kauf nimmt. «Das sehr teure Projekt sollte nicht auf Biegen und Brechen durchgeboxt werden.» Wasserfallen fordert sogar einen Marschhalt, um das Unterfangen überdenken zu können.

«Stadt setzt alles auf eine Karte»

Auch Bastien Girod, Zürcher Nationalrat und Vize-Präsident der Grünen Partei, zeigt sich skeptisch. Er sagt: «Die Stadt setzt mit dem Entscheid alles auf eine Karte. Hat die Bohrung ohne weitere Komplikation Erfolg, ist dies ein wichtiger Schritt für die Geothermie. Gibt es jedoch einen weiteren erheblichen Zwischenfall, wird das ohnehin schon angekratzte Vertrauen empfindlich reduziert.» Er wie auch Christian Wasserfallen plädieren schon lange dafür, Investitionen in Geothermie-Anlagen im Ausland zu überprüfen. Dort würden Bohrungen teilweise weniger Risiken bergen.

Dieser Idee ist Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen, zwar nicht abgeneigt. «Wir müssen aber auch prüfen, was in der Schweiz möglich ist.» Den St. Galler Entscheid, die Bohrungen fortzusetzen, hält er deshalb für richtig. Gleichzeitig müsse aber die Erdbebenforschung vorangetrieben werde. «Damit wir die Risiken zukünftig möglichst gut einschätzen können.» Marina Winder