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Probleme bei Arbeit und Wohnen: Senioren kämpfen gegen Diskriminierungen – zwei Initiativen geplant

Schon bald sollen zwei Initiativen lanciert werden, um die Situation älterer Menschen in der Schweiz zu verbessern. «Benachteiligungen im Alter sind ein riesiges Thema», sagt Susanne Leutenegger Oberholzer, ehemalige SP-Nationalrätin.
Othmar von Matt
Auch in Sachen Bildung werden Senioren oft diskriminiert. (Bild: Keystone/Christof Schürpf)

Auch in Sachen Bildung werden Senioren oft diskriminiert. (Bild: Keystone/Christof Schürpf)

Die Bundesverfassung sagt es in Artikel 8 zur Rechtsgleichheit explizit: «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.» Das gilt auch für ältere Menschen, wie in Absatz 2 festgehalten wird: «Niemand darf diskriminiert werden», steht dort. «Namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse, des Geschlechts, des Alters, der Sprache, der sozialen Stellung, der Lebensform, der religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung oder wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung.»

Eine Allianz gegen Altersdiskriminierung will dennoch eine Initiative lancieren, zum «Schutz vor Altersdiskriminierung». Der Allianz gehören unter anderem der Schweizerische Seniorenrat, der Schweizerische Gewerkschaftsbund, Travailsuisse, Humanrights.ch und die Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfeorganisationen an.

Analoges Vorgehen wie bei Gleichstellungsgesetz

Das Diskriminierungsverbot in der Bundesverfassung helfe zwar bei öffentlichem Recht, heisst es auf der Homepage der Allianz, die im Aufbau begriffen ist. Nicht aber bei Verstössen im Privatrecht, zu dem etwa das Arbeits- und das Versicherungsrecht zählten. Die Initiative will diese Lücke schliessen, analog zum Gleichstellungs- und Behindertengesetz.

«Das Diskriminierungsverbot in der Verfassung genügt nicht», sagt Susanne Leutenegger Oberholzer, ehemalige SP-Nationalrätin und Altersspezialistin. «Es braucht konkrete Ausführungsbestimmungen wie bei den Frauen und Behinderten. Sowohl in der Verfassung wie auch im Gesetz.» Für sie ist klar: «Benachteiligungen im Alter sind ein riesiges Thema und werden von den Menschen auch so empfunden.» Darauf deuteten auch die vielen Seniorenlisten und Initiativbegehren hin.

«Man muss fast von diskriminierender Stigmatisierung sprechen, wie die Wirtschaft und zum Teil die Gesellschaft mit dem Alter umgehen», hält SP-Nationalrätin Bea Heim fest, auch Co-Präsidentin des Schweizerischen Seniorenrats. «Mit 65 Jahren sollte man von der Bildfläche verschwinden, stillhalten und möglichst ruhig konsumieren, sofern man dies aus ökonomischen Gründen kann.»

Besonders stark spürbar sei die Altersdiskriminierung im Arbeits- und Gesundheitsbereich, sagen sowohl Heim wie Leutenegger Oberholzer. Selbst über 55-Jährige hätten bei der Stellensuche auf dem Arbeitsmarkt «altersbedingt Riesenprobleme», sagt Heim.

Und Leutenegger betont, im Gesundheitswesen gebe es kaum mehr Zusatzversicherungen für Menschen, die über 60 Jahre alt seien. Zudem sei die Betreuung im Alter nicht gelöst. Heim hält fest, die gesundheitlichen Probleme älterer Leuten würden «weniger ernst» genommen als jene von Jüngeren: «Medikamente und Therapien werden auf 40-jährige Männer ausgerichtet, Ältere und Frauen werden nicht berücksichtigt.»

Probleme beim Wohnen und Tabuthema Gewalt

Leutenegger sieht noch weitere Bereiche, in denen ältere Menschen diskriminiert werden. «Wer über 80 Jahre alt ist, hat Probleme, eine Mietwohnung zu bekommen», sagt sie. Zudem sei der Zugang zu Stipendien oder Weiterbildungen stark eingeschränkt. «Auch der Nationalfonds kennt implizite Alterslimiten.» Selbst bei vielen Körperschaften gebe es Alterslimiten für ausserparlamentarische Kommissionen. Leutenegger: «Das ist meines Erachtens klar verfassungswidrig.» Gewalt gegen Betagte, auch Gewalt in Altersheimen, sei zudem ein Tabuthema. «Das weiss ich auch als Präsidentin der Opferhilfe beider Basel.»

Zurzeit wird auch noch eine zweite Initiative vorbereitet. Das «Netzwerk gutes Alter» will, dass alle Personen in der Schweiz bis ans Lebensende in einer Art und Weise betreut und begleitet werden, die ihrer Situation angemessen ist. Die Initiative soll 2020 lanciert werden.

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