Pro & Contra
«Alle gewinnen mit der Ehe für Alle» und «Das Kindswohl geht vor»: Das sagen zwei Ostschweizer Politikerinnen und Politiker zur Ehe für Alle

FDP-Ständerat Andrea Caroni spricht sich für ein Ja aus, SVP-Nationalrätin Verena Herzog rät zum Nein.

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Pro – Andrea Caroni, FDP: «Alle gewinnen mit der Ehe für Alle»

Andrea Caroni

Andrea Caroni

Bild: Keystone

Gibt es etwas Schöneres, als wenn zwei Menschen zueinanderfinden und gemeinsam weiter durchs Leben gehen wollen? Und gibt es als Gesellschaft etwas Erfreulicheres, als sich liebenden Menschen das Zusammenleben zu erleichtern? Die «Ehe für alle» will genau dies, wobei niemand etwas verliert, aber alle etwas gewinnen.

Achtzig Prozent der Schweizer Paare haben als Lebensform die Ehe gewählt, auch wenn es daneben viele Konkubinatspaare und einige eingetragene Partnerschaften gibt. Der Grund dafür ist – nebst Romantik, Tradition und Religion –, dass die Ehe als Gesamtpaket eine Partnerschaft am umfassendsten absichert. Auch wenn ich selbst im Konkubinat lebe, bin ich froh, dass unsere Rechtsordnung allen Menschen, die sie eingehen wollen, die Ehe ermöglicht.

Allen Menschen? Nein: Eine Gruppe ist von der Ehe ausgeschlossen: die gleichgeschlechtlichen Paare. Diese staatliche Diskriminierung lässt sich nicht begründen. Das liesse sich nur, wenn man die Ehe zwingend an die natürliche Fortpflanzung binden wollte. Dann aber müsste man die Ehe auch all jenen heterosexuellen Paaren verbieten, die miteinander keine Kinder haben können oder wollen. Das will zum Glück niemand.

Es ist somit höchste Zeit, die Ehe allen Paaren zu ermöglichen, egal welchen Geschlechts sie sind. Die mit der Ehe verbundene umfassende Absicherung, namentlich bezüglich Unterhalt, Güterrecht oder Erbrecht, soll jeder und jede eingehen können. Zu begrüssen ist auch die Möglichkeit – unter strengen gesetzlichen Auflagen – zur Volladoption und zur Samenspende, denn auch die Fähigkeit, gute Eltern zu sein, hängt nicht primär vom Geschlecht ab.

Mit einem Ja zur «Ehe für alle» ermöglichen wir allen Menschen den Zugang zur Ehe. Wir stärken damit deren Lebensgemeinschaft. Damit stärken wir auch die Gesellschaft. Auch traditionelle Ehe-Befürworter können sich darüber freuen, dass die Ehe noch mehr Verbreitung findet. Sagen wir daher Ja zur «Ehe für alle», bei der rein gar niemand etwas verliert, aber viele – wenn nicht sogar wir alle – etwas gewinnen.

Contra – Verena Herzog: «Das Kindswohl geht vor»

Verena Herzog.

Verena Herzog.

Bild: Keystone

Selbstverständlich ist es jedem Menschen freigestellt, mit wem er sein Leben teilen will. Mit der «eingetragenen Partnerschaft» ist der rechtliche Rahmen auch für homosexuelle Paare gegeben.

Doch die «Ehe für alle»-Vorlage wurde mit dem verfassungswidrigen Samenspende-Zugang für lesbische Paare eindeutig überladen. Vor der Einführung der eingetragenen Partnerschaft für homosexuelle Paare versprachen Befürworter hoch und heilig: «Adoption und Samenspende-Zugang bleiben für homosexuelle Paare tabu». Wenige Jahre später wurde die Stiefkindadoption für homosexuelle Paare eingeführt.

Und nun sollen mit der Ausweitung der Ehe auch der Zugang zum normalen Adoptionsverfahren rechtlich verankert und die Samenspende für lesbische Paare gutgeheissen werden.

Was kommt als Nächstes? Dass schwule Paare nach einer Annahme der Samenspende für lesbische Paare die ethisch inakzeptable Leihmutterschaft einfordern würden, ist absehbar. Die Degradierung der Frau zur käuflichen Gebärmaschine würde damit traurige Realität werden.

Während der parlamentarischen Debatte wurde von Bundesrätin Karin Keller-Sutter eine Etappierung der Vorlage und der vorläufige Verzicht auf die Samenspende für lesbische Paare empfohlen. Zu viele rechtliche Fragen, die für das Kind bedeutsam sind, seien offen.

Unterdessen scheint es dem Bundesrat egal, dass im Fall der Annahme der «Ehe für alle» noch mehr Kinder vorsätzlich vaterlos aufwachsen müssten und erst mit 18 Jahren erfahren dürften, wer ihr leiblicher Vater ist. Dabei ist, wie wir aus den bewegenden Berichten betroffener Personen sowie aufgrund langjähriger Forschung und Erfahrung im Pflege- und Adoptivkindbereich wissen, die Verwurzelung in der Ursprungsfamilie für die Identitätsentwicklung eines Kindes absolut zentral.

Deshalb Nein zur «Ehe für alle» inklusive Samenspende! Das Kindswohl geht vor!

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