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Unermüdlicher Einsatz gegen Kinderarmut: Prix Caritas 2019 geht nach Brasilien

Die Organisation Saõ Martinho mit Sitz in Rio de Janeiro setzt sich für Kinder in Not ein und bietet ihnen einen Weg aus dem Elend. Jetzt wird sie für ihr Engagement mit dem Prix Caritas ausgezeichnet.
Garbriela Jordan
Freuen sich über den Prix Caritas: São-Martinho-Direktor Frei Adailson und Koordinatorin Lucimar Correa. (Bild: Boris Bürgisser,Luzern, 11. Juni 2019)

Freuen sich über den Prix Caritas: São-Martinho-Direktor Frei Adailson und Koordinatorin Lucimar Correa. (Bild: Boris Bürgisser,Luzern, 11. Juni 2019)

Bildung ist in Brasilien ein knappes Gut. Staatliche Schulen haben einen katastrophalen Ruf, und wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf Privatschulen. Nur ungefähr jedes zweite brasilianische Kind kommt in diesen Genuss. Die übrigen können nach ihrem Schulabschluss kaum lesen und schreiben oder besuchen die Schule erst gar nicht, weil sich diese in einem zu gefährlichen Stadtteil befindet. Nicht selten leben Kinder auf der Strasse, wo sie Gefahr laufen, in die Fänge von Drogenbanden zu geraten.

Sie aus dieser Perspektivlosigkeit herauszuführen, hat sich eine Organisation in Rio de Janeiro zur Aufgabe gemacht: São Martinho setzt sich seit 35 Jahren für den Schutz und die Rechte sowie für die soziale Integration von benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein. Auf ihren Touren durch die Stadt suchen die Sozialarbeiter von São Martinho den Kontakt zu Strassenkindern und Kindern in Favelas, den Armenvierteln, und bieten ihnen Aktivitäten im Zentrum der Organisation an.

Statt um Geld zu betteln, üben sich die Kinder dort in Grammatik und Informatik. Statt Drogen zu schnüffeln, lernen sie kochen und wie man sich gesund ernährt. São Martinho erreicht so etwa 2000 Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene im Alter von 6 bis 24 Jahren pro Jahr.

Preis ist mit 10'000 Franken dotiert

Für das jahrelange Engagement wird São Martinho nun mit dem Prix Caritas ausgezeichnet. Caritas Schweiz gehört seit rund 30 Jahren zu den internationalen Partnern der Organisation. Durch die Auszeichnung erhält São Martinho einen weiteren Beitrag von 10'000 Franken. In Empfang nehmen konnte die Organisation den Preis am Mittwochabend im KKL Luzern. Die Laudatio hielt die Staatssekretärin des Aussendepartements Pascale Baeriswyl. Aus Brasilien angereist sind dafür Lucimar Correa und Frei Adailson Quintino dos Santos. Correa ist Sozialarbeiterin und seit 25 Jahren bei São Martinho tätig, inzwischen ist sie die Gesamtverantwortliche des Projekts. Frei Adailson ist Direktor der Organisation.

Auf der Dachterrasse des Caritas-Gebäudes, wo unsere Zeitung die beiden zum Gespräch treffen konnte, zeigen sich Correa und Frei Adailson hocherfreut über die Auszeichnung und dankbar für die langjährige Unterstützung durch Caritas Schweiz. Sie erzählen von der grossen Resonanz ihres Projekts, loben die Fortschritte ihrer Schützlinge und beklagen die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation.

«In den letzten Jahren ging es in Brasilien wirtschaftlich nur bergab, und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht», sagt Correa. Die Behörden seien im ganzen Land überfordert, genügend öffentliche Schulplätze zu schaffen. Allein in Rio de Janeiro würden auf einer Stufe aktuell 20'000 Plätze fehlen. Dass das tiefe Niveau der Bildung ein grosses Problem ist und die Gemüter der Brasilianer erzürnt, machen auch jüngste Proteste deutlich. Vor wenigen Wochen gingen gegen die Bildungspolitik der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro Zehntausende Menschen auf die Strasse. Die Regierung hatte zuvor angekündigt, die Ausgaben für die staatlichen Universitäten um 30 Prozent zu kürzen. Um Kindern eine Perspektive für die Zukunft zu geben, konzentriert sich São Martinho deshalb darauf, ihnen den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen. Dafür arbeitet die Organisation aktuell mit 46 Firmen zusammen, die Kinder und Jugendliche als Praktikanten aufnehmen.

Einnahmen von Kleinspendern gehen zurück

Diese kriegen dafür einen kleinen Lohn und gehen nebenbei noch zur Schule. «Weil die Kinder in vielen Bereichen Schwachstellen haben, können sie in unserer Organisation gleichzeitig unterstützende Kurse besuchen», erklärt Correa. «Zum Beispiel in den Bereichen Literatur, Mathematik, Informatik – oder auch Judo und Musik.» Trotz vieler kleiner Erfolgsgeschichten blicken Correa und Frei Adailson aber besorgt in die Zukunft. «Wegen der schlechten Wirtschaftslage gehen auch die Einnahmen von Kleinspendern zurück», erklärt Frei Adailson. Der Prix Caritas sei unter diesen Umständen daher ein kleiner Lichtblick. «Unser Traum wäre, das Angebot auf ganz Brasilien auszudehnen», so Frei Adailson.

Caritas Schweiz verleiht den Prix Caritas seit dem Jahr 2003 an Persönlichkeiten, die sich durch herausragende Arbeit im Bereich des Sozialen, in der Entwicklungszusammenarbeit oder der interkulturellen Verständigung auszeichnen.

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