Preiserhöhungen, Bart-Masken und Laissez-Faire: Im Coiffeur-Mekka der Schweiz herrscht Uneinigkeit

Bis zu 40 Coiffeur-Salons auf engem Raum: Im Genfer Quartier Pâquis werden an fast jeder Ecke Haare geschnitten. Nach der ersten Woche seit der Wiedereröffnung ziehen die Betreiber eine unterschiedliche Bilanz – und nicht alle halten sich an die Regeln, wie ein Augenschein zeigt.

Benjamin Weinmann, Genf
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Haareschneiden zu Billigstpreisen: Im Genfer Quartier Pâquis herrscht grosse Konkurrenz - und derzeit vor allem grosse Unsicherheit.

Haareschneiden zu Billigstpreisen: Im Genfer Quartier Pâquis herrscht grosse Konkurrenz - und derzeit vor allem grosse Unsicherheit.

Bild: Benjamin Weinmann

Nirgendwo sonst ist die Coiffeur-Dichte wohl so hoch wie im Genfer Innenstadt-Quartier Pâquis, das unter anderem für sein Rotlichtmilieu und seine vielen Restaurants bekannt ist. Fast an jeder Strasse kann man sich die Haare waschen, schneiden und föhnen lassen. Laut Rashiti Eset, Angestellter im «Freedom Coiffure»-Salon an der Rue des Alpes sind es genau gezählt 38 Salons auf engem Raum.

«Sie müssen nur um die Ecke gehen und da warten fünf weitere auf Sie», sagt er. Im Geschäft sitzen zwei Kunden, die sich frisieren lassen. Coiffeure und Kunden tragen Schutzmasken. «Wir bitten die Kunden, selber Masken mitzubringen, ansonsten geben wir sie aber für einen Franken ab.» Ist ein Kunde fertig, wird der Arbeitsplatz mit Desinfektionsmitteln gereinigt.

«Freedom Coiffure» hat wegen der Ausfälle in den letzten Wochen und den zusätzlichen Reinigungskosten die Preise erhöht. Ein Haarschnitt kostet neu 25 Franken statt wie bisher nur 20. Das Geschäft scheint einigermassen zu laufen.

Dennoch sagt der Angestellte: «Die Öffnung am 27. April war zu früh. Das Virus ist noch nicht besiegt, aber anhand von den Coiffeuren will man nun sehen, ob eine Öffnung dennoch funktioniert. Wir fühlen uns wie Laborratten.» Andererseits: Länger geschlossen zu bleiben, könne man sich wirtschaftlich schlicht nicht erlauben.

An der Parallelstrasse warten Fadi Suleymani und sein Team vom Salon «Barber Chez Fadi» auf Kunden. «In der ersten Woche seit der Wiedereröffnung kamen etwa 50 Prozent weniger Leute als sonst. Viele haben noch Angst, das spüren wir.» Er selber habe auch Angst, vor allem bezüglich seiner unternehmerischen Zukunft. «Wenn es noch drei oder vier Monate so weitergeht, müssen wir schliessen.» Die Mietrechnungen und Löhne müsse er weiterhin bezahlen und vom Staat habe er bis jetzt noch kein Geld erhalten.

Suleymani und seine Angestellten tragen noch keine Masken. Erst, wenn die Kunden kommen. Ihnen geben sie die Masken kostenlos ab. Und wie funktioniert das Maskentragen bei einer Bartrasur im Barbershop? «Dann zieht der Kunde sie natürlich ab, und wir benutzen eine grosse, durchsichtige Plastikmaske, da wir den Kunden dabei noch näher kommen.»

Die Masken beziehe er in den Apotheken, 50er-Schachteln à 50 Franken. «Natürlich würde ich die Preise gerne erhöhen, einige Konkurrenten haben das gemacht, aber ich glaube, das käme bei unseren Kunden nicht gut an.» Bei «Barber Chez Fadi» kostet der Haarschnitt 25 Franken, die Rasur 15 und das Combo 35 Franken.

Der Inhaber des Salons «Barber Chez Fadi» fürchtet um die Zukunft seines Geschäfts.

Der Inhaber des Salons «Barber Chez Fadi» fürchtet um die Zukunft seines Geschäfts. 

Benjamin Weinmann

Ein Streifzug durch das Pâquis-Quartier zeigt: Nicht alle Salons halten sich an die Vorschriften. In manchen Barbershops sitzen die Kunden ohne Maske im Stuhl. Und auch in einem Nail-Studio ist von Mundschutz bei der Kundin und der Kosmetikerin nichts zu sehen.

Reger Betrieb herrscht derweil bei «DJ Coiffure» in der Nähe vom Seeufer. Geschäftsführer Porto Lins Andrey trägt eine Maske, wie auch die Kundinnen, die 50 Franken für eine neue Frisur bezahlen. «Wir haben eine grosse, treue Kundschaft, die seit der Öffnung wieder zu uns kommt.» Er habe etwa gleich viele Kunden gezählt wie vor der Corona-Krise. «Abgesehen von den Masken und der zusätzlichen Reinigung war es eine ganz normale Woche.»

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