Präsidenten-Suche bei der SVP harzt – für viele wäre Franz Grüter der «Traumkandidat»

Banker Thomas Matter sagt ab. Auch Landwirt Marcel Dettling und Malerin Sandra Sollberger wollen kaum SVP-Präsidenten werden. Einziger Kandidat ist Nationalrat Alfred Heer. Wichtige Exponenten reagieren nun.

Othmar von Matt
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Thomas Matter will nicht SVP-Präsident werden. Das Anforderungsprofil an den Posten zeige ihm, dass ihm als Unternehmer die Zeit dazu fehle, sagt der SVP-Nationalrat. «Deshalb sage ich ab als Kandidat.»

Vom neuen Präsidenten der SVP wird erwartet, dass er pausenlos auf Achse ist und die Kantonalparteien wieder auf Vordermann bringt. Matter arbeitet heute zu 50 Prozent auf der Helvetischen Bank, deren Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär er ist. Die restlichen 50 Prozent investiert er in die Politik. «Mir ist aber auch die Familie sehr wichtig», betont er. Matter hat vier Töchter, die Jüngste ist erst elf Jahre alt.

Hohe Ansprüche, aber Lohn gibt es keinen

Matters Beispiel zeigt: Die SVP tut sich schwer mit der Nachfolge von Albert Rösti, der mit seinem Rücktritt die Partei überrumpelte. Die Ansprüche sind hoch, Lohn gibt es keinen. Vieles deutet darauf hin, dass auch Nationalrat Marcel Dettling (SZ) absagen wird.

Er war vom engsten Zirkel als Nachfolger Röstis vorgesehen, doch seine drei Kinder sind zu jung. Die Findungskommission kommuniziere, wer gemeldet wurde, sagt Dettling. «Ich halte mich an diese Abmachung.»

Im engeren Kreis der SVP geht man davon aus, dass letztlich auch Nationalrätin Sandra Sollberger (BL) ablehnt. Sie will das Malereiunternehmen weiterführen. Auch die neu gewählte Obwaldner Nationalrätin Monika Rüegger, Mutter von vier Söhnen, sagt «eher Nein».

Und Nationalrätin Esther Friedli (SG) wird sehr deutlich. «Das steht für mich ausser Diskussion», sagt sie. «Das ‹Haus Brunner/Friedli› hat mit Toni Brunner als Präsident schon acht Jahre lang die SVP Schweiz geführt.»

Einen einzigen offiziellen Kandidaten gibt es bisher: den Zürcher Nationalrat Alfred Heer. Die Zürcher SVP hat ihn am Dienstag der Findungskommission gemeldet.

Weitere Kandidaturen müssen die Kantonalparteien bis am Freitag einreichen.

Es gibt Druck auf Unternehmer Franz Grüter

Hinter den Kulissen gibt es deshalb Druck auf den Luzerner Nationalrat Franz Grüter. «Er wäre für mich der Traumkandidat», sagt Nationalrat Marcel Dettling. «Er hat ein perfektes Umfeld, seine Kinder sind erwachsen.» Der Unternehmer habe eine «sehr gute Bodenhaftung» und komme auf dem Land hervorragend an.

Viele SVP-Vertreter wollen den Luzerner Unternehmer Franz Grüter als neuen Präsidenten. Selbst Ueli Maurer sprach ihn an der Delegiertenversammlung an.

Viele SVP-Vertreter wollen den Luzerner Unternehmer Franz Grüter als neuen Präsidenten. Selbst Ueli Maurer sprach ihn an der Delegiertenversammlung an.

Keystone

Grüter war nach Röstis Rücktritt sofort als möglicher Präsident gehandelt worden - und hatte ebenso schnell Nein gesagt. Zu schnell, wie Dettling findet. «Er hat reflexartig abgesagt», hält er fest. «Mit ihm muss die Findungskommission unbedingt reden.»

Dass sein Name in der Partei immer wieder fällt, weiss Grüter. «Ich wurde an der Delegiertenversammlung richtiggehend überrannt», sagt er. «Sogar Bundesrat Ueli Maurer sprach mich auf das Präsidium an.»

Grüter scheint prädestiniert für den Posten. Er hat 1995 mit seinem Bruder ein Start-up gegründet, aus dem die Green Gruppe wurde. Noch heute prägt Grüter das Unternehmen als Verwaltungsrats-Präsident wesentlich mit. Von 2012 bis 2017 war er Präsident der Luzerner SVP. In dieser Zeit gewann sie einen zusätzlichen Nationalrats-Sitz, kam nach acht Jahren wieder in die Luzerner Regierung und wurde die wählerstärkste Partei im Kanton.

Ein kleiner Spalt bleibt offen

Das Präsidium der SVP Schweiz setze «enorme Präsenz voraus, gerade auch gegenüber den Medien», sagt Grüter. «Es ist eine sehr fordernde Führungsaufgabe.» Bisher habe es kein Gespräch der Findungskommission mit ihm gegeben.

Einen kleinen Spalt lässt er aber offen. Für ein Gespräch über Optionen, damit er mithelfen könnte, stehe er zur Verfügung, sagt er. «Stand heute sehe ich aber nicht, dass ich auf meinen Entscheid zurückkomme. Ich müsste zu viel in meinem Leben preisgeben, vor allem bei Green.» In dieser stecke sehr viel Herzblut von ihm.

Werner Salzmann

Werner Salzmann

Bild: Keystone

Damit bleibt neben Alfred Heer noch der Berner Ständerat Werner Salzmann auf der Kandidaten-Liste. «Ich äussere mich nicht», sagt er. Es sei die Findungskommission, die kommuniziere. Diese will zuerst das Gespräch mit allen gemeldeten Kandidaten suchen, wie Präsident Caspar Baader sagt. Dann spricht sie, je nach Bedarf, noch weitere Politiker an.

Für Salzmann, der überraschend den Sprung in den Ständerat schaffte, dürfte entscheidend sein, ob sich das Mandat der Berner Bevölkerung mit dem Präsidium der SVP Schweiz vereinbaren lässt. Er gilt aber als ehrgeizig. 2017 kandidierte er wie Alfred Heer als Fraktionschef der SVP. Beide verloren - gegen den blocher-nahen Thomas Aeschi.

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