Prämien steigen moderat

Die Krankenkassenprämien sollen 2012 im Schnitt um fünf Prozent steigen. Es drohen aber neue Prämienschübe – etwa weil Bundesrat Didier Burkhalter die Verwaltung aufblähen will.

Tobias Gafafer
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Didier Burkhalter (Bild: ky)

Didier Burkhalter (Bild: ky)

Bern. Nach der Sommerpause muss Gesundheitsminister Didier Burkhalter der Bevölkerung die Prämienerhöhungen der Kassen für 2012 verkünden. Dem Vernehmen nach soll der Anstieg in der Grundversicherung mit rund fünf Prozent im Durchschnitt eher mässig ausfallen – zumindest im Vergleich der letzten Jahre (siehe Grafik). Das zeigten Berechnungen der Versicherer. Neben einer tiefen Teuerung bremsen den Prämienschub laut Branchenkennern primär die noch von Pascal Couchepin aufgegleisten Sparrunden bei den Medikamenten; aber auch Massnahmen, die der amtierende Gesundheitsminister Didier Burkhalter in diesem Bereich ergriffen hat, zeigen erste Wirkungen. «Es sieht gut aus», sagt Burkhalters Sprecher Jean-Marc Crevoisier auf Anfrage.

Riesige Bandbreite in Kantonen

Bloss: Die Bandbreite der Erhöhungen in den Kantonen, aber auch bei den Kassen dürfte noch grösser als üblich ausfallen. Die Visana etwa rechnet in einigen Kantonen mit Nullrunden für die Versicherten, wie Sprecher Christian Beusch unserer Zeitung sagt. Dies ist teilweise auf unterschiedliche Kostenteiler bei der Einführung der neuen Spitalfinanzierung 2012 zurückzuführen. Dabei gilt eine Übergangsfrist, von der 17 Kantone profitieren, um Lasten abzuschieben. «Diese Kantone schröpfen die Prämienzahler», sagt Beusch. Erst ab 2017 sind alle Kantone verpflichtet, 55 Prozent der Kosten für stationäre Behandlungen zu tragen – 45 Prozent übernehmen die Kassen. In Innerrhoden sowie St. Gallen dürften die Prämienschübe daher deutlich über fünf Prozent liegen; viel besser wegkommen sollen Ausserrhoden und der Thurgau. «Die Unterschiede sind riesig», sagt Stefan Kaufmann, Direktor des Kassenverbands Santésuisse.

Trotz der guten Nachrichten für einige Versicherten gibt es keinen Grund zum Aufatmen: Wegen der neuen Spitalfinanzierung dürfte erst nächstes Jahr vollständig Kostenklarheit herrschen, auch wenn die Kassen offene Punkte wie die Höhe der Fallpauschalen in ihren Berechnungen einkalkuliert haben. So könnte der Systemwechsel die Verlagerung von Patienten vom stationären in den ambulanten Bereich verstärken, was die Kosten der Grundversicherung in die Höhe zu treiben droht, da die Kassen dafür heute allein bezahlen. Burkhalter bleibt deshalb weiter gefordert, das Kostenwachstum in den Griff zu kriegen.

Kosten in Millionenhöhe

Fragwürdig ist unter diesem Aspekt, dass ausgerechnet der FDP-Magistrat die Verwaltung mit zwei neuen Behörden aufblähen will. Zum einen will Burkhalter ein Institut zur Qualitätssicherung für das Gesundheitswesen schaffen. Das Bundesamt für Gesundheit ist in diesem Bereich bereits aktiv, die bisher veröffentlichten Todesraten in Spitälern stiessen aber auf heftige Kritik. Zum anderen möchte Burkhalter eine Behörde zur Überwachung der Kassen. Das Vorhaben an sich ist wenig umstritten, die geplante Überwälzung der Kosten von fünf bis zehn Millionen Franken auf die Versicherten stiess in der Vernehmlassung aber auf heftige Kritik.

Burkhalters Sprecher Crevoisier wiegelt ab: Es brauche «so wenig Bürokratie wie möglich, aber so viel Transparenz wie nötig». Sonst verliere die Bevölkerung das Vertrauen ins heutige System. Und bessere Qualitätskontrollen führten letztlich zu tieferen Kosten. «Doppeldiagnosen können vermieden werden», so Crevoisier. Im Vergleich zu den jährlichen Kosten des Gesundheitswesens seien diese Ausgaben sehr bescheiden.