Wie grün sind die Pöstler unterwegs? Das will die Aufsichtsbehörde nun wissen

Die Klimadebatte macht auch vor den Pöstlern nicht halt: Die Eidgenössische Postkommission will das Umweltverhalten aller Anbieter im Postmarkt unter die Lupe nehmen. Lob erhält bereits vorab ausgerechnet die Firma Quickmail, die den Gelben Riesen im Briefmarkt konkurrenziert.

Maja Briner
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Eine Post-Mitarbeiterin liefert Päckli aus (Bild: Keystone/Christian Beutler (Mauensee, 21.3. 2017)).

Eine Post-Mitarbeiterin liefert Päckli aus (Bild: Keystone/Christian Beutler (Mauensee, 21.3. 2017)).

Sie bringen Pakete mit Kleidern, Haushaltsgeräten, Smartphones - und was sich sonst noch alles per Internet bestellen lässt. Die Paketboten haben einiges zu tun, denn der Markt boomt. Gemäss Auswertung der Eidgenössischen Postkommission, der PostCom, wurden vergangenes Jahr 150 Millionen Pakete an eine Schweizer Adresse verschickt. 

Neben der Schweizerischen Post mischen im Päckli-Markt inzwischen viele private Anbieter mit, neben grossen bekannten Firmen wie DHL, UPS viele unbekanntere. Insgesamt sind 179 Unternehmen als Postdienste-Anbieter registriert, darunter auch lokale Velokurierdienste. Die meisten Pakete kommen aber nicht per Velo, sondern per Auto oder Lieferwagen zu den Kunden. Angesichts der Klimadebatte wir dies nun zum Thema: Die PostCom will prüfen, wie umweltfreundlich die Anbieter sind.

In ihrem Jahresbericht schreibt die PostCom, Umweltfragen beschäftigten die Bevölkerung immer stärker. Wegen des grossen Fuhrparks und der «enormen Anzahl» an Fahrten in die Innenstädte müsse die Postbranche dieser Frage besondere Aufmerksamkeit schenken, so die Regulierungsbehörde. 

Lärm und Abgase

Die PostCom mache die Überprüfung «nicht nur wegen der Klimadiskussion», sagt Sprecher Andreas Herren. «Das Umweltverhalten der Anbieter ist bei uns schon länger ein Thema.» Gemäss Postgesetz müssen die Anbieter ihre Kunden darüber informieren, zum Beispiel auf ihrer Website, wie der Sprecher festhält. Sie sind zudem verpflichtet, PostCom dazu Auskunft zu geben.

Vor allem in den Zentrumslagen sieht die PostCom ein Problem: «Dort machen oft mehrere Anbieter die gleiche Tour», sagt Herren. «Das ist nicht nur ökologisch schädlich, sondern verursacht auch Lärm und führt zu mehr Verkehr auf den Strassen.» 

Ein Kundenbedürfnis?

Positiv erwähnt wird im PostCom-Bericht ausgerechnet das Unternehmen Quickmail, das die Schweizerische Post im Briefmarkt konkurrenziert. Konkret heisst es im Bericht: «Gewisse Anbieter, wie zum Beispiel Quickmail AG mit dem Dienst Quickpac, haben entschieden, dass sie für die Zustellung von Postsendungen ausschliesslich elektrisch betriebene Fahrzeuge verwenden.» 

Quickpac wirbt damit, dass es als erster Paketdienstleister in Europa für die Zustellung von Paketen ausschliesslich auf Elektroautomobile setzt. Quickpac ist nur in einem Teil der Schweiz vertreten: in den Kantonen Zürich, Thurgau, Solothurn und Basel-Landschaft.

Dass Quickpac von der PostCom erwähnt wird, gefällt der Firma natürlich - man freue sich darüber, dass die Vorreiterrolle anerkannt werde, sagt Sprecherin Rachel Halpern. Mit der elektrischen Flotte komme die Firma einem Kundenbedürfnis nach, erklärt Halpern: «Immer mehr Empfänger erwarten eine klimaschonende Zustellung.» 

Auch die Post setzt auf E-Lieferwagen

Die Schweizerische Post, noch immer unangefochten Platzhirsch im Päcklimarkt, äussert sich nicht zum Lob für Konkurrentin Quickmail. Die Post begrüsse die Prüfung der PostCom, erklärt eine Sprecherin. Sie verweist auf das langjährige Engagement der Post in diesem Bereich. Der Gelbe Riese hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die CO2-Effizienz im Vergleich zu 2010 um mindestens 25 Prozent zu verbessern - und zwar «für jede transportierte Sendung, jeden beförderten Passagier, jede Transaktion und jeden beheizten Quadratmeter», wie die Post schreibt.

Dazu setzt sie auch auf die Elektromobilität. Seit gut zwei Jahren hat sie nur noch mit Ökostrom betriebene Roller im Einsatz. Die Lieferwagen sind hingegen mehrheitlich mit Verbrennungsmotoren ausgerüstet. Insgesamt sind gemäss Angaben auf der Post-Webseite aktuell rund ein Drittel aller Postfahrzeuge mit alternativen Antrieben unterwegs.

Dass es nicht mehr sind, hat laut Post auch technische Gründe: Bei der Paketzustellung seien die bislang verfügbaren E-Fahrzeuge «aufgrund der eingeschränkten Ladekapazität für die Post nur bedingt tauglich», erklärt die Sprecherin. Dank technischem Fortschritt soll sich das aber ändern. 

Die Post will die Zahl der E-Fahrzeuge in ihrer Flotte denn auch weiter ausbauen. In einem ersten Schritt will die Post bis im kommenden Jahr 200 E-Fahrzeuge für die Paketzustellung beschaffen. Das Fernziel: Bis 2030 sollen alle total rund 4600 Lieferwagen elektrifiziert sein – «sofern es das Marktangebot und die Betriebs-/Immobilienverhältnisse erlauben», wie die Post einschränkend schreibt.