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POSTAUTO: Deshalb ist die Post-Chefin untragbar

Susanne Ruoff müsse wegen der Buchhaltungstricks bei Postauto den Sessel räumen, sagt Compliance-Expertin Monika Roth. Die Post-Chefin sei unglaubwürdig und schade dem Unternehmen.
Maja Briner
Post-Chefin Susanne Ruoff an einer Medienkonferenz in Bern. (Bild: Peter Schneider/Keystone (6. Februar 2018))

Post-Chefin Susanne Ruoff an einer Medienkonferenz in Bern. (Bild: Peter Schneider/Keystone (6. Februar 2018))


Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Monika Roth, Postauto hat während Jahren mit Tricks zu hohe Subventionen kassiert. Wie ist es möglich, dass das erst jetzt auffliegt?

Es stimmt nicht, dass es niemand gemerkt hat. Es gab schon 2013 Hinweise, wie in den Medien zu lesen war. Man wusste intern, dass die Zahlen frisiert wurden, man redete von «übersteuern», von Risiken und so weiter. Es war ein Wegschauen und ein Unterschätzen der Gefährdungslage. Oder anders gesagt: Gemerkt hat man es schon, man wollte es einfach nicht wissen und vor allem nicht beheben.

Wer hat versagt? Der Verwaltungsrat? Susanne Ruoff?

Es ist Sache des Verwaltungsrats, dafür zu sorgen, dass Recht und Richtlinien eingehalten werden. Diese Verantwortung kann er nicht delegieren. Das Gremium muss die Mitglieder der Geschäftsleitung überwachen. Hier gab es ein totales Versagen. Der gesamte Verwaltungsrat steht in der Verantwortung – speziell Susanne Ruoff. Ihre Doppelfunktion als Postauto-Verwaltungsratspräsidentin und Post-Chefin hat sie ungenügend wahrgenommen.

Hat Susanne Ruoff versagt?

Ich muss vorausschicken: Ich habe keine anderen Informationen, als was die Medien berichteten. Aber es ist unglaublich peinlich, wie Susanne Ruoff sich herauszureden versucht, wenn sie sagt, es sei «in einer Ecke» des Unternehmens geschehen. Ausserdem zeigen die Dokumente, die der «Blick» publiziert hat, dass sie spätestens seit 2013 ihre Verantwortung nicht wahrgenommen hat.

Müsste sie abtreten?

Ja. Zuerst sagte sie, sie wisse erst seit November 2017 davon. Wie die vom «Blick» veröffentlichten Aktennotizen belegen, wusste sie es aber offenbar schon länger. So etwas geht einfach nicht. Sie ist unglaubwürdig und schadet der Post.

Vielleicht wusste die Post-Chefin nur, dass es Probleme gab, nicht aber, dass illegale Buchungen gemacht wurden.

Wenn sie Zweifel an der Legalität hat, muss sie es abklären lassen. Sie hätte ein Rechtsgutachten in Auftrag geben können. Dann hätte sie einschreiten müssen. Dass Bilanztricks illegal sein können, muss sie wissen – dafür muss man nicht Jus studiert haben. Es gab Hinweise von der Konzernrevision. Was braucht es denn noch?

Ist Susanne Ruoff aus Ihrer Sicht nicht mehr tragbar?

Sie ist nicht mehr tragbar, weil sie bis heute nicht wahrhaben will, was ihre Pflichten gewesen wären. Sie hat das Vertrauen verspielt.

Der frühere Post-Präsident Peter Hasler sagte, die vom «Blick» veröffentlichte ­Aktennotiz sei eine von sehr vielen gewesen. Zudem stand darin, es bestehe kein Handlungsbedarf.

Das ist eine faule Ausrede. Wenn jemand nicht in der Lage ist, die Informationsflut zu bewältigen, sollte er ein solches Amt nicht annehmen. Vielleicht ist das etwas böse gesagt, aber es ist so. Und ein Verwaltungsrat muss selber denken – auch wenn in der Notiz «kein Handlungsbedarf» steht. Wenn eine Notiz davon handelt, dass Zahlen frisiert werden, müssen die Alarmglocken schrillen.

Wie sehen Sie die Rolle des Bundesamts für Verkehr (BAV)?

Das ist schwieriger zu beurteilen. Offenbar hat das BAV viele Informationen gar nicht erhalten. Ich wundere mich ein wenig, dass es sich abspeisen liess, nachdem es erste Verdachtsmomente gehabt hatte. Erst mehrere Jahre später hat das BAV genauer hingeschaut. Das BAV muss die eigene Rolle kritisch hinterfragen. Es hätte zum Beispiel die Eidgenössische Finanzkontrolle einschalten können, als es Verdachtsmomente gab, damit diese die Zahlen genau unter die Lupe nimmt. Schliesslich geht es um grössere Beträge, nicht nur um ein paar Briefmarken.

Der Postauto-Chef machte intern auf einen Zielkonflikt aufmerksam: Postauto soll Gewinn erwirtschaften, ist aber vor allem im subventionierten Regionalverkehr tätig.

Den Zielkonflikt an sich will ich nicht bewerten. Aber: Ein Zielkonflikt ist keine Einladung für illegales Verhalten und vor allem auch keine Ausrede dafür. Es erklärt die Umstände, aber es ist keine Entschuldigung. Zielkonflikte gibt es in der Wirtschaft häufig, damit muss man umgehen können und sie korrekt handhaben. Wer das nicht aushält, muss den Job wechseln.

Welche Konsequenzen muss die Post jetzt ziehen?

Das interne Kontrollsystem muss überprüft werden, auch die Unternehmenskultur muss angeschaut werden. Es braucht eine gründliche Analyse.

Hinweis

Monika Roth ist Rechtsanwältin und Professorin. Sie ist unter anderem auf Compliance Management und Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert.

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