PORNOGRAFIE: USA helfen bei Jagd auf Pädophile

Internetfirmen in den USA melden pädophile Inhalte den Behörden. Davon profitieren die Schweizer Strafverfolger: Sie erhalten Tausende Hinweise auf Straftäter.

Fabian Fellmann
Drucken
Teilen
Die Schweizer Behörden erhielten im vergangenen Jahr aus den USA 3000 Hinweise zu Schweizern, die mutmasslich kinderpornografisches Material verbreitet haben. (Symbolbild: Getty)

Die Schweizer Behörden erhielten im vergangenen Jahr aus den USA 3000 Hinweise zu Schweizern, die mutmasslich kinderpornografisches Material verbreitet haben. (Symbolbild: Getty)

Fabian Fellmann

Der 22-jährige Waadtländer soll Kinder übers Internet zu sexuellen Handlungen angestiftet haben, bei denen er per Kamera zusah. Nun ermitteln die Strafbehörden gegen den Mann – dank einem Hinweis aus den USA. Der Fall, den die Westschweizer Zeitung «24 heures» unlängst beschrieb, ist nur einer von Tausenden: Amerikanische Behörden geben den Schweizer Strafverfolgern systematisch Tipps über pädophile Internetinhalte, bestätigt Lulzana Musliu, Sprecherin des Bundesamts für Polizei Fedpol. «Fedpol erhielt vergangenes Jahr 3000 Hinweise aus den USA zu Schweizern, die mutmasslich kinderpornografisches Material auf diesem Weg verbreitet haben», sagt Musliu.

Die Daten stammen von amerikanischen Internetanbietern. «In den USA sind die Internetprovider verpflichtet, Inhalte auf kinderpornografisches Material hin zu untersuchen», sagt Musliu. Mit Hilfe automatisierter Such­algo­rhy­thmen werden E-Mails und Inhalte auf sozialen Medien durchforstet. Dabei stützen sich die Internetprovider auf eine Datenbank mit Bildern und Videos von pädophilem Inhalt sowie von verschwundenen Kindern, welche die US-Stiftung National Center for Missing and Exploited Children alimentiert und die internationale Polizeibehörde Interpol betreibt. Die US-Stiftung nimmt Verdachtsmeldungen entgegen und leitet sie der US-Bundespolizei FBI weiter. Von dort fliessen die Daten, darunter der benutzte Internetanschluss in Form der IP-Adresse, schliesslich nach Bern zum Bundesamt für Polizei. «Wir erhalten in jedem Fall die IP-Adresse und können so herausfinden, wo in der Schweiz sich eine Person befindet», sagt Fedpol-Sprecherin Musliu. «Manchmal gibt es weitere Informationen wie einen Nickname oder ein bestimmtes Konto – je nach Fall.» Spezialisten der Bundespolizei für die Identifikation von kinderpornografischem Material werten die Hinweise aus, bevor sie diese an die kantonalen Behörden weiterleiten, welche für die Strafverfolgung zuständig sind.

«Starker Anstieg von Verdachtsmeldungen»

Wie wichtig die Tipps aus den USA sind, zeigt ein Blick in die Kriminalstatistik. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei 1286 Anzeigen wegen verbotener Pornografie; 2012 waren es 896. All die neuen Fälle sind nicht Hinweisen aus den USA zu verdanken, doch sprach ein Kommissar der Bundespolizei im jüngsten Newsletter der Schweizerischen Kriminalprävention von einem «starken Anstieg von Verdachtsmeldungen» und somit auch «einem Anstieg von Straftätern» in den vergangenen zwei Jahren.

Während in den USA der gesamte Internetverkehr auf pädophile Inhalte durchsucht wird, ist in der Schweiz eine solche Überwachung nur im Einzelfall möglich. Erst wenn die Polizei konkrete Hinweise auf pädophile Straftaten oder verbotene Pornografie hat, kann sie einen Internetanschluss unter Beobachtung nehmen und in Computer von Verdächtigen eindringen. Beides ist aber nur im Verlauf eines Strafverfahrens und mit richterlicher Genehmigung erlaubt. Hingegen haben sich die Schweizer Internetprovider freiwillig dazu bereit erklärt, den Zugang zu Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren.