POLITKARRIERE: Senkrechtstarter trudelt

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen galt lange als Senkrechtstarter. Doch nun droht dem Berner das Image des Verlierers. Die jüngste Schlappe ist nur eine von mehreren.

Maja Briner
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Ist erneut knapp gescheitert: Christian Wasserfallen. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 8. März 2017))

Ist erneut knapp gescheitert: Christian Wasserfallen. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 8. März 2017))

Maja Briner

Und wieder hat es nicht geklappt. Das Muster dürfte Christian Wasserfallen langsam unangenehm bekannt vorkommen. Welches politische Amt er in den vergangene vier Jahren auch anstrebte: Stets durfte sich der Berner FDP-Politiker gute Chancen ausrechnen – und doch stand ihm zuletzt bei der parteiinternen Ausmarchung jemand vor der Sonne.

So auch diesmal. Wasserfallen wollte für die Wahl in die Berner Kantonsregierung kandidieren. Doch am Mittwochabend machten ihm die Delegierten der kantonalen FDP einen Strich durch die Rechnung: Statt Wasserfallen nominierten sie den national unbekannten Kantonsparlamentarier Philippe Müller – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen früheren FDP-Präsidenten. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte Wasserfallen ­danach gegenüber Radio SRF. ­Offenbar habe der Wille gefehlt, einem jüngeren Kandidaten das Vertrauen zu schenken, meinte der 35-Jährige kurz nach dem Entscheid am Mittwochabend. Gestern ging er dann ganz auf Tauchstation. Er, der sonst den Medien bereitwillig und wortgewandt Auskunft gibt, wollte nichts mehr sagen.

Bremsspuren nach steilem Aufstieg

Das lässt erahnen, wie bitter die Niederlage für ihn, den politischen Senkrechtstarter, sein muss. Sein Aufstieg gelang rasch: Der Sohn des bekannten Berner FDP-Politikers und Nationalrats Kurt Wasserfallen schaffte schon mit 22 Jahren den Sprung ins Berner Stadtparlament. Vier Jahre später wurde er Nationalrat, und mit 30 Jahren war er bereits FDP-Vizepräsident. Seither stockt die politische Karriere des Maschinenbauingenieurs. Erst wollte er Nationalratspräsident werden, doch die FDP entschied sich für seine Berner Kollegin Christa Markwalder. Dann bewarb er sich um das Amt als Fraktionspräsident, unterlag jedoch dem Tessiner Ignazio Cassis. Als die FDP letztes Jahr einen neuen Präsidenten suchte, galt Wasserfallen lange als Favorit. Doch er verzichtete auf eine Kandidatur, weil er bereits die Berner Regierungsratskandidatur ins Auge gefasst hatte – und wohl auch aus Angst vor einer erneuten Niederlage. Eine unglückliche Rolle spielte der Berner zudem letzten Sommer in der Schlammschlacht um den Automobil-Club der Schweiz (ACS): Er liess sich in den Machtkampf um das Präsidium verstricken, bevor er schliesslich einen Rückzieher machte.

Angesichts dieser Serie droht Wasserfallen das Image als Verlierer, auch wenn er durchaus ­Erfolge vorweisen kann. 2015 ­bestätigten ihn die Berner mit einem sehr guten Ergebnis als Nationalrat. Und als Energie- und Bildungspolitiker hat sich Wasserfallen, der im rechten Flügel der FDP politisiert, längst einen Namen gemacht.

Hört man sich im Bundeshaus um, kommen fast alle auf die gleiche Eigenschaft Wassefallens zu sprechen – nur nennen es die einen Sturheit, die anderen Konsequenz. «Er bleibt sich treu, auf ihn kann man sich verlassen», sagt der Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri. Die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni bezeichnet ihn als «sympathischen Dickkopf». Ein CVP-Mitglied umschreibt es weniger schmeichelhaft: Wasserfallen wolle stets mit dem Kopf durch die Wand, das mache die Kommissionsarbeit mit ihm schwierig.

«Der Beste hat gewonnen»

Seine Gegner im Bundeshaus müssen sich darauf gefasst machen, dass sich daran in naher Zukunft nichts ändern wird. Seine Motivation sei ungebrochen, sagte Wasserfallen am Mittwochabend. Doch wie andere, die jung in den Nationalrat gewählt wurden, wird auch er sich früher oder später die Frage stellen müssen, wie seine Karriere weitergehen soll. Zieht es ihn, den faktischen Berufspolitiker, in die Privatwirtschaft? Oder versucht er es mit einer Ständeratskandidatur – mit dem Risiko, erneut zu scheitern?

Vorerst bewies er Grösse in der Niederlage: Er wolle im Unterstützungskomitee von Müller mitwirken, kündigte er an. Auf Twitter schrieb er sogar: «Der Beste hat gewonnen! Gratulation an Philippe Müller!» Eine solche Unterstützung hätte er sich von seinen Parteikollegen wohl auch gewünscht.