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Pöstler stiehlt Briefe mit australischen Lotto-Geldern

Das Bundesstrafgericht verurteilt einen Pöstler, der Briefe mit Lotto-Geldern entwendete, zu einer bedingten Haftstrafe. Wie die Post ihr Sicherheitspositiv wegen des Vorfalls anpasst, lässt sie offen.
Kari Kälin
Ein Zürcher Pöstler hat über Jahre Briefe mit Bargeld gestohlen. (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Zürcher Pöstler hat über Jahre Briefe mit Bargeld gestohlen. (Bild: KEYSTONE/Christian Beutler)

Aufgeflogen ist der Pöstler wegen einer aufmerksamen Mitarbeiterin. Sie schöpfte Verdacht, dass der Mann, der seit 2001 bei der Post arbeitete, täglich einige der rund 500 sogenannten IBRS-Sendungen (International Business Reply Service) mit dem Aufdruck «Reply paid» mitlaufen liess. Insider wissen Bescheid über den Inhalt dieser Briefe: Darin befinden sich kleinere Summen Bargeld, in der Regel zwischen 10 und 100 Franken, mit denen Personen in der Schweiz beim australischen Montagslotto mitspielen.

Die Mitarbeiterin begann, die IBRS-Sendungen vor und nach der Mittagspause zu wägen. Der Verdacht bestätigte sich, der Stapel wog danach weniger. Die Mitarbeiterin informierte die Vor­gesetzten. Am 14. März 2016 verhaftete die Polizei den Mazedonier, der seit mehr als 30 Jahren in der Schweiz lebt, an seinem Arbeitsort im Briefzentrum Zürich Mülligen. Dabei stellte sie 58 IBRS-Briefe sicher, in denen sich Bargeld in der Höhe von insgesamt rund 1700 Franken befand, also rund 30 Franken pro Brief. Videoaufnahmen belegten, dass der Pöstler die Briefe unrechtmässig an seinen Arbeitsplatz brachte.

Bundesgericht bestätigt Urteil der Vorinstanz

Die Bundesstaatsanwaltschaft ging davon aus, dass er das Geld in seinen Kleidern und Schuhen versteckte und so aus der Post hinausschmuggelte. Sie warf ihm vor, zwischen dem 1. Juli 2015 bis zu seiner Festnahme am 14. März 2016 insgesamt 4060 Briefe gestohlen zu haben. Die Deliktsumme veranschlagte sie mittels einer Hochrechnung auf 122'500 Franken. Die Bundesanwaltschaft verlangte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 18 Monate bedingt, wegen gewerbsmässigen Diebstahls und Verletzung des Postgeheimnisses. Das Bundesstrafgericht verurteilte den Mann am 27. Oktober 2017 aber nur zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 130 Franken und einer Busse von 7800 Franken. Die Richter in Bellin­zona kamen zum Schluss, dem Pöstler könne nur der Diebstahl von rund 750 Postsendungen zwischen dem 18. Januar bis März 2016 nachgewiesen werden. Vom 18. Januar datieren erste verwertbare Videoaufnahmen. Die vermutete Deliktsumme belief sich damit noch auf rund 22'500 Franken. Die Bundesanwaltschaft zog das Urteil ans Bundesgericht weiter. Sie argumentierte, die Straftaten vor dem 18. Januar seien erwiesen, da der Pöstler vom Juli 2015 bis November 2016 seinen Lebensunterhalt bestritten haben soll, ohne auf der Bank Geld abzuheben. Das Bundesgericht wies die Beschwerde Ende November jedoch ab und bestätigte das Urteil der Vorinstanz.

Postgeheimnis wird selten verletzt

Doch wie häufig stehlen Pöstler Briefe oder Pakete mit Wertsachen? Und welche Sicherheitsvorkehrungen trifft die Post, um das zu verhindern? Oft missbrauchen die Postangestellten ihren Beruf nicht, um sich unrechtmässig zu bereichern. Zwischen 2010 und 2017 kam es jährlich nur zu zwischen 11 und 23 Verurteilungen wegen Verletzung des Postgeheimnisses. Wenn ein Pöstler auffliegt, kommen jedoch oft hohe Schadenssummen zum Vorschein. So verurteilte das Bundesstrafgericht im Dezember 2016 zum Beispiel einen Chauffeur, der 1500 Pakete und Briefe im Wert von 70'000 Franken an sich riss. Im gleichen Jahr flog ein Postfilialenleiter auf, der bei sich zu Hause gestohlene Ware im Wert von 60'000 Franken hortete, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete.

Zahlen zu Schadens- und Verlustfällen führt die Post nicht, wie Sprecher François Furrer sagt. Im letzten Jahr habe sie aber in 23'000 Fällen Nachforschungen zu verloren gegangenen Briefen und Paketen betrieben. Im Verhältnis zu den jährlich 30 Milliarden Sendungen ist das eine geringe Zahl. Bei der Ombud Postcom beschweren sich jährlich weniger als zehn Personen über verloren gegangene Briefe mit Wertsachen, wie Marianne Sonder, die Leiterin der Schlichtungsstelle, sagt.

Wie die Post ihr firmeninternes Sicherheitsdispositiv nach dem Vorfall mit den australischen Lotteriegeldern angepasst hat, «kann sie aus Sicherheitsüberlegungen nicht publik machen», sagt Furrer. Sie überprüfe aber laufend ihre Verarbeitungsprozesse, um Sicherheitsrisiken zu minimieren. Klar ist: Wer das Postgeheimnis verletzt, erhält in der Regel eine fristlose Kündigung. Die Post rät davon ab, einfach Bargeld in ein Couvert zu legen und zu verschicken. Sie empfiehlt, Bargeld per «Einschreiben R» zu versenden. Die Post haftet für maximal 500 Franken. Aus Sicherheitsgründen transportiert sie kein Geld ins Ausland.

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