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Pneus statt Kohle: Zementwerke setzen auf Abfall

Zehntausende Tonnen Plastik, Pneus und Altöl landen in der Schweiz in Zementwerken. Dort werden sie verfeuert, um Energie zu erzeugen. Dabei dürfen die Werke mehr Stickoxid und andere Schadstoffe in die Luft lassen als Kehrichtverbrennungsanlagen. Die Umwelt profitiert nach Angaben des Bundes trotzdem.
Maja Briner/sda

BERN. Die sechs Schweizer Zementwerke verbrannten letztes Jahr über 316 000 Tonnen alternative Brennstoffe wie Holz, Kunststoff, Klärschlamm oder Pneus. Mit dem Verbrennen von Abfall decken die Werke inzwischen über die Hälfte ihres hohen Energiebedarfs zur Zementherstellung. Letztes Jahr lag der sogenannte Substitutionsgrad bei 57 Prozent. Das sei der höchste je erreichte Wert, teilte der Branchenverband Cemsuisse auf Anfrage mit.

Grosszügigere Grenzwerte

Durch das Verbrennen von Abfall anstelle von Kohle werde die Umwelt geschont, da weniger fossile Brennstoffe eingesetzt werden, sagen die Zementwerke. Die Kehrseite davon: Wird Abfall in Zementwerken statt in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt, gelangen mehr Schadstoffe wie beispielsweise Stickoxid in die Luft. Die festgelegten Grenzwerte sind teils deutlich grosszügiger. So darf ein Zementwerk laut Luftreinhalteverordnung 500 Milligramm Stickoxide pro Kubikmeter Abluft ausstossen. Die Branche hat sich zwar auf eine Absenkung auf 400 Milligramm geeinigt. Das ist jedoch immer noch fünfmal mehr als in einer Kehrichtverbrennungsanlage, wo der Grenzwert bei 80 Milligramm liegt.

Ärzte fordern strengere Regeln

Das fällt durchaus ins Gewicht: Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sind die sechs Zementwerke verantwortlich für fünf Prozent der Stickoxidemissionen der Schweiz. Die Werke seien «Umweltsünder mit dem Segen der Behörden», kritisierte der Verein Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) jüngst, und verlangte strengere Abluft-Grenzwerte. Auch Greenpeace unterstützt diese Forderung, wie ein Sprecher mitteilt.

Das Bundesamt für Umwelt winkt jedoch ab. Der höhere Stickoxidanteil bei Zementwerken habe eine technische Ursache – und nichts mit der Art des Brennstoffs zu tun. Die konventionellen Brennstoffe wie Kohle, Schweröl und andere verursachten ähnliche Schadstoffemissionen. «Bei den Zementwerken entsteht der höhere Stickoxidanteil durch die hohe Flammentemperatur von 2000 Grad während des Herstellungsprozesses», erklärt das Bafu. Der höhere Schwefeldioxidanteil stamme aus dem Rohmaterial. Aus Sicht des Klimaschutzes und der Luftreinhaltung sei die Zunahme der verbrannten Abfälle positiv zu betrachten, da damit primär fossile Brennstoffe ersetzt werden können. Gemäss dem Branchenverband Cemsuisse konnte die Zementindustrie die CO2-Emissionen zwischen 2008 und 2012 um 50 Prozent reduzieren.

Die CO2-Reduktionen, zu denen sich die Schweiz im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichtet hat, hätten nur dank der Leistungen der Wirtschaft erfüllt werden können, betont Cemsuisse-Direktor Georges Spicher. Die Zementindustrie habe dazu einen grossen Beitrag geleistet.

Teure Umrüstung

Damit weniger Schadstoffe in die Luft gelangen, wird in den Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen die sogenannte SCR-Technologie eingesetzt. Für Zementwerke gilt diese aber nicht als Stand der Technik, was AefU-Geschäftsleiter Martin Forter kritisiert.

Nach Angaben von Cemsuisse würde die Umrüstung sieben bis zehn Millionen Franken pro Werk kosten. Investitionen in diesem Umfang liessen sich aber nur dann rechtfertigen, wenn der Betrieb des Zementwerks langfristig sichergestellt sei, schreibt Cemsuisse im jüngsten Jahresbericht. Dafür aber brauche es eine Versorgungssicherheit mit Rohmaterialien. Die Zementindustrie benötigt insbesondere Kalk und Mergel.

Die Suche nach Abbaugebieten ist jedoch schwierig, wie der Fall von Jura Cement zeigt. Der Zementhersteller hatte jahrelang nach neuen Steinbruchstandorten gesucht, 2014 aber schliesslich darauf verzichtet. Die betroffenen Gemeinden hatten sich vehement gegen die Pläne für neue Abbaugebiete gewehrt.

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