Pirouette der Anklagebehörde im Fall Cattaneo

BELLINZONA. Am Ende flossen Tränen. Fausto Cattaneo war gerührt. Denn der ehemalige Tessiner Undercover-Agent hat jahrelang für seine Rehabilitation gekämpft.

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BELLINZONA. Am Ende flossen Tränen. Fausto Cattaneo war gerührt. Denn der ehemalige Tessiner Undercover-Agent hat jahrelang für seine Rehabilitation gekämpft. Einst hatte sich der mittlerweile pensionierte Polizeikommissar auf Wunsch der Schweizer Ermittler ins Drogenmilieu eingeschleust und den Drogenhandel zwischen Lateinamerika und Europa observiert, doch dann war er in Ungnade gefallen. Die Bundesanwaltschaft hatte ihn schliesslich sogar wegen falscher Anschuldigung und Freiheitsberaubung angeklagt, weil er angeblich in Tateinheit mit einem welschen Polizisten aus der Antidrogenfahndung einen weiteren Kollegen falsch beschuldigt hatte und dieser deshalb acht Tage in Untersuchungshaft verbringen musste. Auch der im Jahre 2003 inhaftierte Kollege hatte geklagt.

Diese Vorgänge liegen somit über zehn Jahre zurück, die Vorgeschichte mit der Operation «Mato Grosso» reicht sogar bis Anfang der 1990er-Jahre. Erst gestern zog Bundesstrafrichter Giuseppe Muschietti einen Schlussstrich. Er stellte fest, dass der Beschuldigte nicht mit Sicherheit wissen konnte, dass die von ihm denunzierte Person unschuldig war. Cattaneo und der mitbeschuldigte Polizeichef aus dem Kanton Waadt wurden freigesprochen.

170 000 Franken Entschädigung

Der Freispruch kam nicht unerwartet, denn Ende September hatte Bundesstaatsanwalt Jürg Blaser selbst einen Freispruch gefordert – ein mehr als unüblicher Schritt für eine Anklagebehörde. «Wir hatten keine andere Möglichkeit», sagte Blaser gestern nach der Urteilseröffnung gegenüber dieser Zeitung. Die Bundesanwaltschaft habe eigentlich die Anklage, die noch vom mittlerweile abgesägten Félix Reinmann erhoben wurde, schon früher aus Mangel an Beweisen fallenlassen wollen. Doch wegen einer Beschwerde der Privatklägerschaft habe der Prozess stattfinden müssen.

Für das jahrelange juristische Tauziehen kommen am Ende die Steuerzahler auf. Der freigesprochene Cattaneo wird von der Eidgenossenschaft mit gut 170 000 Franken entschädigt, der Polizeifunktionär aus Lausanne seinerseits mit 133 000 Franken. Cattaneo spielt mit dem Gedanken, seine Erfahrungen in einem Buch niederzuschreiben. (lob)