Kommentar

Philip-Morris-Sponsoring an der Expo: Ein Debakel mit Ansage

Ein Mediensturm hat Bundesrat Ignazio Cassis zum Rückzug des Philip-Morris-Sponsoring an der Expo gebracht. Die gesellschaftliche Akzeptanz, welches Sponsoring goutiert wird, ist in stetem Wandel.

Christian Mensch
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Christian Mensch, CH Media.

Christian Mensch, CH Media.

Die Schweiz lässt sich ihren Auftritt an der Weltausstellung in Doha 2021 nun doch nicht vom Tabakmulti Philip Morris sponsern. Ein sommerliches Medienstürmchen hat den zuständigen Aussenminister Ignazio Cassis zum Einknicken gebracht. Seine billige Ausrede, den Deal noch gar nicht bewilligt zu haben, bleibt ungehört. Denn unerhört scheint derzeit der Gedanke, dass sich die Schweiz ihren Auftritt von einem Konzern – notabene von einem US-amerikanischen Tabakkonzern – sponsern lässt.

Dabei gibt es eine lange Tradition, dass die reiche Schweiz lieber die Dienste von Grosskonzernen in Anspruch nimmt, als selbst tief in die Kasse zu greifen, um sich zu präsentieren. Das Philip-Morris-Schlamassel ist nun aber ein Debakel mit Ansage: Schon die Mitwirkung von Nestlé und Syngenta bei der Expo 2015 in Mailand stand auf der Kippe. Nestlé verzichtete kurzfristig darauf, eigenes Wasser von weither nach Mailand zu karren, um einen Eklat zu verhindern.
Was daraus zu lernen ist: Die gesellschaftliche Akzeptanz, welches Sponsoring goutiert wird, ist in stetem Wandel. Die Gleichgültigkeit von gestern ist die moralische Empörung von heute.

Wer nun aber einen zunehmenden moralischen Rigorismus ortet, liegt falsch. In den Anfängen des Mediensponsorings war völlig klar: Zwischen dem Sponsor und der gesponserten Sendung durfte es keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten geben. Diese galten als Schleichwerbung und waren verboten. Heute ist es geradezu das Kennzeichen des Sponsorings, dass eine Verzahnung stattfindet.

Ich würde mich nicht wehren, sollte dieses Pendel zurückschwingen.

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