Interview

Petra Gössi: «Die Grünen haben die CVP überholt und haben trotzdem keinen Bundesratssitz»

FDP-Präsidentin Petra Gössi ist erleichtert über die Wiederwahl ihrer beider Bundesräte. Sie will nun über eine neue Zauberformel diskutieren - und schiesst dabei auch gegen die CVP. 

Lucien Fluri
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FDP-Präsidentin Petra Gössi applaudiert am Mittwochmorgen nach der Wiederwahl von Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

FDP-Präsidentin Petra Gössi applaudiert am Mittwochmorgen nach der Wiederwahl von Bundesrätin Karin Keller-Sutter. 

KEYSTONE/Anthony Anex

Beide FDP-Bundesräte sind wiedergewählt. Wie gross ist die Erleichterung?

Petra Gössi: Ich freue mich natürlich sehr. Die Attacke der Grünen galt vor allem Bundesrat Ignazio Cassis. Damit haben sie die italienischsprachige Schweiz angegriffen. Umso erfreuter bin ich, dass die vereinigte Bundesversammlung auf Stabilität gesetzt hat.

Aber zittern mussten Sie?

Natürlich war die Anspannung gross.

Bis weit in die Mitte hinein ist unbestritten, dass die FDP mit zwei Sitzen übervertreten ist.  

Die SP und die Grünen haben zusammen rund 30 Prozent Wähleranteil. Mit drei Bundesratssitzen würden sie aber 43 Prozent der Bundesratssitze abdecken. Auch dies wäre eine massive Übervertretung.

Damit ist die Frage nach der Übervertretung der FDP nicht beantwortet.

Die FDP ist die stärkste Partei in den Kantonen, wir stellen die meisten Kantons- und Regierungsräte. Die Diskussion wurde noch nicht geführt, wie man die Zauberformel in Zukunft ausrichten will und wie die Parteienlandschaft der Schweiz künftig im Bundesrat abgebildet sein soll.

Heisst dies, dass Sie auch die Stärke in den Kantonen in die künftige Zusammensetzung einbeziehen wollen?

Nein, ich will einfach aufzeigen, dass es verschiedene Argumentationsmöglichkeiten gibt. Ein anderes Beispiel: Die Grünen haben die CVP überholt und haben trotzdem keinen Bundesratssitz. Zudem hat die CVP auch den Bundeskanzler, der als achter Bundesrat gilt. Auch darüber muss man diskutieren. Was nicht angeht, ist eine rein arithmetische Aufteilung mit Blick auf die Stärke im Nationalrat. Das wird der Zauberformel nicht gerecht.

Bis jetzt prägt die CVP die Diskussion um eine neue Zauberformel. Wird auch die FDP Vorschläge machen?

Bis jetzt hatten wir vor allem ein Ideen-Potpourri, bei dem es darum ging, dass sich jede Partei die Vertretung im Bundesrat absichern konnte. CVP-Präsident Gerhard Pfister wollte vor allem auch die Diskussion von der CVP wegnehmen.

Die Grünen erreichten am 20. Oktober einen Sieg in bisher ungekanntem Ausmass. Das zeigt sich nun nicht im Bundesrat.

Heute ging es darum, die bisherigen Bundesräte zu bestätigen. Es gibt auch die Tradition in der Schweiz, dass man keine bisherigen Bundesräte abwählt. Wie die Stärke der Grünen im Bundesrat abgebildet werden soll, das wird man noch diskutieren müssen. Wir als FDP sind zu den Diskussionen bereit. Das habe ich bereits am Abend des Wahlsonntags so angezeigt.

Auch wenn das den Verlust des zweiten FDP-Sitzes bedeuten würde?

Wie die Diskussionen ausgehen, werden wir sehen, wenn wir sie geführt haben.

Aufgezeichnet: Lucien Fluri