PARTEIEN: GLP stellt sich neu auf

Jürg Grossen löst Martin Bäumle als Präsident ab. Er will die Grünliberalen in eine neue Zukunft führen.

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Er tritt in grosse Fussstapfen: Jürg Grossen ist gestern zum Nachfolger von Martin Bäumle an der Spitze der Grünliberalen (GLP) gewählt worden. 131 von 149 Delegierten sprachen ihm an der Jubiläumsversammlung in Rüschlikon ihr Vertrauen aus. «Ich will ein politischer Gestalter sein», sagte der 48-jährige Unternehmer aus dem Berner Oberland. Er wolle die GLP weiterentwickeln und ihre Ideen noch stärker lokal verankern.

Grossen, der seit 2011 im ­Nationalrat sitzt, kritisierte die Schweiz als «klimapolitischen Hasenfuss». Dabei liessen sich die Anliegen der Umwelt und der Wirtschaft vereinbaren. Darauf werde die Partei sich weiterhin fokussieren. «Wir stehen für Wandel und Veränderung», sagte er. Die GLP könne die Lücke, die sich zwischen linken und rechten Kreisen auftue, mehr denn je füllen. Den Grünliberalen stehe eine neue Ära bevor, die nicht unterschätzt werden dürfe, stellte Vizepräsidentin Kathrin Bertschy fest. «Es besteht die Gefahr, in der Versenkung zu verschwinden.» Der Wechsel biete die Chance, sich modern zu organisieren.

Für Martin Bäumle, der die Partei 2004 im Kanton Zürich und 2007 auf nationaler Ebene mitgründete, war es ein emotionaler Moment. Er wolle – wie ein Sportler – abtreten, wenn er noch erfolgreich sei. Nun freue er sich, so Bäumle, auf seine neue Rolle als Vizepräsident.

Um neue Visionen zu entwickeln, betreibt die GLP seit 10 Monaten ein Politlabor. Damit will sie auch Leute erreichen, die sich nicht in klassische Parteistrukturen einbinden lassen. Gemäss den Verantwortlichen haben bereits über 300 Personen die so genannten «Ideenküchen» besucht. Unter den Titeln «Arbeitswelt 4.0», «Schweizer Parteien und Transparenz» sowie «Mobilität 4.0: Zukunft der Verkehrspolitik» liegen nun erste Positionspapiere vor. Sie zeigen unter anderem auf, wie die Politik auf den digitalen Wandel der Arbeitswelt reagieren könnte. Zur Diskussion stellen sie flexiblere Arbeitsmodelle sowie eine Säule 3w, die für individuelle Weiterbildungen genutzt werden könnte.

Die Arbeit der Denkfabrik erntete an der gestrigen Versammlung viel Lob, löste aber ebenso einige kritische Voten aus. Ein Anwesender gab zu bedenken, dass sich auch in den traditionellen Strukturen neue Ansätze entwickeln liessen.

Eveline Rutz