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Parkplätze weg und Öko-Fahrverbote: Städte sperren das Auto aus

Der motorisierte Individualverkehr boomt. Seit dem Jahr 1980 hat sich der Autobestand verdoppelt. Doch die rot-grünen Metropolen stehen auf die Bremse.
Pascal Ritter
Hier war die Autowelt noch in Ordnung. Parkieren vor dem Bundeshaus in Bern am Dienstag, 27. April 1999. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Hier war die Autowelt noch in Ordnung. Parkieren vor dem Bundeshaus in Bern am Dienstag, 27. April 1999. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Das Auto war nie beliebter als heute. «Goldener Herbst» jubelt die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure und freut sich über «erneut zweistelliges Wachstum» am Schweizer Automarkt. Bis Ende Jahr wird die Bevölkerung 308'000 neue Autos eingelöst haben. Es ist ein Zuwachs auf bereits sehr hohem Niveau. Im letzten Jahr waren landesweit 4,6 Millionen Autos unterwegs, mit denen über vierzig Milliarden Kilometer gefahren wurden. Seit dem Jahr 1980 hat sich der Autobestand verdoppelt.

Im Vergleich mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder dem Zufussgehen liegt das Auto klar vorne. Im Auto legt die Bevölkerung nicht nur mit Abstand die weitesten Strecken zurück, sondern verbringt auch im Vergleich am meisten Zeit im Auto. Und dies in erster Linie nicht etwa, um zur Arbeit zu fahren, sondern in der Freizeit.

Weniger Parkplätze und Smog-Fahrverbot

Während das Auto in der Schweiz kaum je beliebter war, kommt es in Schweizer Städten zunehmend unter Druck. Dazu ein paar Beispiele aus der jüngsten Zeit.

Die Stadt Zürich will in den nächsten Jahren 770 Parkplätze abbauen, um «Platz für Grün und Velowege zu schaffen», wie der alternative Stadtrat Richard Wolff diese Woche sagte. Damit kündigt die rot-grüne dominierte Zürcher Stadtregierung den historischen Parkplatzkompromiss mit Bürgerlichen und Gewerblern. Im Jahr 1996 war er zustande gekommen und besagte, dass die Zahl der Parkplätze bei 7700 eingefroren wird. Für jeden abgebauten Parkplatz musste seither ein neuer her. Das ist in Zukunft nicht mehr so.

In die Stadt Genf dürfen gewisse Auto-Typen zeitweise gar nicht mehr fahren. Die Autofahrer müssen sich bis im März 2020 einen Kleber an ihrem Gefährt anbringen. Je nach Abgaswerten des Autos ist dieser Kleber grün, violett, gelb, orange, rot oder grau. Steigen in der Stadt die Werte von Feinstaub und Abgasen, werden tagsüber bis zu drei Kategorien aus der Stadt verbannt. Vorbild für das neue Regime ist Paris.

In der Stadt Basel sollen Benzin- und Dieselautos bis im Jahr 2050 gänzlich von den Strassen verschwinden. Nur noch Elektro- und Wasserstoff-Antriebe dürften dann erlaubt sein. Zudem müssten Autos «flächeneffizient» sein. Das heisst, sie dürfen nicht grösser als nötig sein und müssten immer möglichst voll besetzt unterwegs sein. Allerdings wird hier die Stimmbevölkerung noch ein Wörtchen mitreden.

Einst liebten die Städter das Auto

Diese neuen Massnahmen werden einen Trend verstärken, der in den letzten zwei Jahrzehenten angerollt ist. Die Städte verabschieden sich vom Auto. Es ist das Ende einer grossen Liebe. Denn früher waren es die Städter, welche am häufigsten hinter dem Steuer sassen. Im Jahr 1970 stand der Stadtkanton Genf einsam an der Spitze der autoverrücktesten Kantone. Dafür reichte es damals aus, dass etwas mehr als jeder dritte Genfer ein Auto besass. Mitte der Neunziger hatte zwar schon jeder zweite ein Auto, nun zog aber der Bergkanton Wallis an den Genfern vorbei. Und seit der Jahrtausendwende haben auch die Aargauer mehr Autos pro Person. Heute nimmt Genf auf der Motorisierungsrangliste den zweitletzten Platz ein. Nur noch der Stadtkanton Basel hat weniger Autos. Die autofreien Haushalte sind mittlerweile in der Mehrheit und nur noch 341 von 1000 Einwohnern besitzen ein Auto.

Der Ausschluss des Autos führt zu politischen Konflikten. So wollte der Zürcher SVP-Nationalrat Gregor Rutz den Gemeinden verbieten, wegen Lärms Verkehrsachsen auf Tempo 30 zu reduzieren. Im Nationalrat fand er damit eine Mehrheit. Der Ständerat versenkte die Vorlage aber. Im nun grüneren Parlament hätte der Vorstoss nun wohl keine Chance mehr.

Die Zeiten, als man noch auf dem Bundesplatz parkieren konnte, werden wohl so schnell nicht zurückkehren.

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