Pärke am linken Ufer offen, am rechten zu – so willkürlich sind Corona-Regimes in den Städten

Manche Freizeitanlagen sind gesperrt, andere bleiben zugänglich. Zum Teil in der gleichen Stadt. Nun regt sich in Zürich Protest dagegen. Von einer unheiligen Allianz.

Pascal Ritter
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Hier am Bellevue ist die Seepromenade gesperrt. Auf der anderen Seite bei der Landi-Wiese ist der Zugang offen. Nicht nur Politiker stört das.

Hier am Bellevue ist die Seepromenade gesperrt. Auf der anderen Seite bei der Landi-Wiese ist der Zugang offen. Nicht nur Politiker stört das.

Keystone

Der Zeitpunkt ist nicht eben gut gewählt. Sechs Wochen lang schien die Sonne ununterbrochen auf die zum Teil gesperrten Pärke und Freizeitanlagen. Und ausgerechnet am Tag, als es wieder regnet und die Temperaturen abstürzen, regt sich zum ersten Mal sichtbarer Widerstand, gegen die Sperrung von öffentlichen Anlagen aufgrund der Corona-Krise.

So geschehen in Zürich. Es bildete sich eine unheilige Allianz zwischen Grünen und Freisinnigen, die in der «NZZ» dafür plädieren, die Seepromenade wieder zu öffnen. Sie ist zu, um Menschenansammlungen und damit Ansteckungen mit Corona zu verhindern.

Die Grünen wollen die Seepromenade öffnen, um andere Plätze zu entlasten. Denn dort tummeln sich umso mehr Leute. Die FDP will Sperrungen auf kritische Zeiten beschränken.

Severin Pflüger, Präsident der FDP der Stadt Zürich, sagt auf Anfrage:

Es macht keinen Sinn, dass das Seeufer jetzt, wo es regnet, geschlossen ist. Die Leute sollten dort mit dem Hund spazieren können.

Falls sich die Menschen nicht ans Abstandsgebot hielten, könne man das Ufer ja wieder sperren.

Auch SVP-Politiker äusserten sich zudem kritisch zur Sperrung der Seepromenade.

Auch in Baden und Luzern weichen die Menschen aus

Tatsächlich ist die Situation in Zürich absurd. So könnte man auf die Idee kommen, dass man sich am rechten Zürichsee-Ufer offenbar schneller ansteckt, als auf der linken Seeseite. Denn die Blatterwiese ist zwar gesperrt, nicht aber die Landiwiese direkt gegenüber. Mit den SBB-Geleisen, welche die Stadt trennen scheint es umgekehrt zu sein: Rechts der Geleise ist die Josefswiese zugänglich. Links der Geleise sind Bäckeranlage und Fritschiwiese gesperrt. Dies führt dazu, dass die Menschen auf die kleineren Anlagen ausweichen und sich dort umso enger tummeln. Am Wochenende wurden darum die Saffainsel im Zürichsee und die eine Wiese in Wipkingen kurzfristig von der Polizei gesperrt.

Ähnlich ist die Situation in anderen Städten der Schweiz. Etwa in Luzern. So wurde das Quai am Vierwaldstättersee vom Pavillon bis zum Lido gesperrt. Auch der Europaplatz und das Inseli sind zu. Am Schweizerhofquai werden zudem Sitzbänke entfernt, damit dort niemand verweilen kann. Die Massnahmen führen nun aber dazu, dass die Menschen teilweise auf die Bereiche Richard-Wagner-Museum und Aufschütte ausweichen. Auch im kleinen Vögeligärtli-Park beobachtete ein Leser zuletzt Menschenansammlungen.

Weil die Bänke fehlen, stehen Menschen näher zusammen

Die Stadt Baden sperrte den Kurpark und entfernte am unteren Bahnhofplatz und am Theaterplatz die Bänke. Dies führt nun zum Teil dazu, dass die Menschen dicht am Geländer zur Limmat hinunter stehen.

Ganz anders sieht es in der Westschweiz aus. In Genf etwa ist das Seeufer und die Pärke mehrheitlich frei zugänglich.

In Zürich wollen nun die Grünen am Mittwoch im Gemeinderat eine Fraktionserklärung zum Thema abgeben, wie die NZZ schreibt. Aus Ihrer Sicht könne die Öffnung der Parkanlagen am See zu einer Entspannung der Lage führen. Weil sich dann die Menschen im öffentlichen Raum wieder besser verteilen.

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