Ostschweizer Banken gehen über Bücher

Finanzinstitute der Region sehen sich unterschiedlich betroffen. Allfällige Bussen seien nicht existenzbedrohend.

Merken
Drucken
Teilen

«Erstmals sind nun – schwarz auf weiss – die Grundzüge des Programms ersichtlich,» sagt Simon Netzle, Sprecher der St. Galler Kantonalbank. Jetzt gehe es darum, zu analysieren, was dies für die SGKB-Gruppe bedeute. Definitiv nicht zu finden ist die SGKB in der Kategorie 1 – jene Bankenkategorie, gegen die US-Strafermittlungen laufen. Wie Netzle sagt, sei man bis zum Stichtag 29. August nicht durch die US-Steuerbehörden kontaktiert worden. Das bedeutet, dass eine Bank davon ausgehen kann, nicht zu dieser Gruppe zu gehören und sich für die Kategorien 2 bis 4 entscheiden kann.

Ausschliessen kann man laut Netzle, dass das bisherige, internationale Hyposwiss-Geschäft der SGKB in die unterste Kategorie 4 fallen wird. Diese ist hauptsächlich für lokal tätige Banken vorgesehen. Offensichtlich soll gemäss dem vorliegenden Programm jede Bank einer Gesellschaft einzeln beurteilt werden. Konkret heisst das: Eine allfällige Einstufung des St. Galler Stammhauses beispielsweise müsste sich nicht zwingend mit jener einer internationalen Hyposwiss decken.

Kein Kommentar zu möglicher Busse

Der endgültige Beschluss zum weiteren Vorgehen ist laut Netzle noch nicht gefallen. Weder zur Zahl der betroffenen US-Vermögen noch zur Höhe einer möglichen Busse – sollte die SGKB-Gruppe die Vergangenheit tatsächlich über die Kategorie 2 bereinigen wollen – wollte sich die Bank äussern. Zunächst erfolgten nun detaillierte Abklärungen, zu gegebener Zeit werde dann informiert. Eine allfällige Busse wäre «in keiner Weise existenzbedrohend», die St. Galler Kantonalbank sei solide finanziert, hiess es. Eine Aussage, in welcher Kategorie die Thurgauer Kantonalbank (TKB) zu finden sein könnte, lasse sich heute noch nicht machen, sagt TKB-Sprecherin Anita Schweizer. Die Bank habe zwar einige Kunden, die als US-Persons gälten. Doch deren Status müsse nun zuerst detailliert abgeklärt werden. Insgesamt sieht sich die TKB im US-Steuerstreit «nicht im Fokus stehen». Eine allfällige Teilnahme am Programm werde aus formellen Gründen erwogen, um in diesem Punkt definitiv Rechtssicherheit fürs Geschäft zu erhalten. Der Ausgang des Rechtsstreits werde die Bank weder rechtlich noch finanziell in Bedrängnis bringen.

Eine vorab in der Region tätige Bank ohne grosses internationales Geschäft ist die Acrevis mit Hauptsitz St. Gallen. Auch hier prüft man die Ausgangslage, «es ist aber noch zu früh, um detaillierte Angaben zu machen», wie Stephan Weigelt, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagt. Aufgrund der nun offiziell vorliegenden Angaben werde geklärt, ob es allenfalls Kundenvermögen gibt, die unter eine solche Regelung fallen könnten, dann werde man das weitere Vorgehen bestimmen.

«Sind national orientiert»

Bei Raiffeisen geht man grundsätzlich davon aus, «dass die Gruppe nur marginal davon betroffen ist», wie Sprecher Franz Würth sagt. Zwar habe sie «einige wenige US-Kunden», doch insgesamt sei man eine national orientierte Bankengruppe. Auch die 2012 übernommene Notenstein, die explizit das nichtamerikanische Geschäft der damaligen Wegelin umfasste, besitzt laut Würth keine amerikanischen Kunden. Raiffeisen prüft ebenfalls in den kommenden Monaten, in welcher Kategorie die Gruppe angesiedelt werden soll. Thorsten Fischer