Ostschweiz vergleichsweise günstig

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Ostschweiz Für eine erwachsene Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung steigt die Krankenkassenprämie gesamtschweizerisch durchschnittlich um 4 Prozent, in absoluten Zahlen von Fr. 447.30 auf Fr. 465.30. Dabei sind die kantonalen Unterschiede beträchtlich. In acht Kantonen (AI, GL, LU, NW, OW, SZ, UR, ZG) liegen die durchschnittlichen Anpassungen unter 3,0 Prozent, in vier Kantonen (GE, NE, VD, VS) über 5,0 Prozent. In den übrigen 14 Kantonen liegt sie zwischen 3,0 und 5,0 Prozent.

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden steigt die Prämie von Fr. 386.40 (2017) auf Fr. 403.30 im nächsten Jahr. Dies entspricht einer Erhöhung von 4,3 Prozent. Bei den Erwachsenen liegt der Kanton leicht über dem Durchschnitt von 4 Prozent, bei den Kindern leicht darunter. Die gesamtschweizerische Entwicklung vor Augen, nennt Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt dies «erfreulich» – wenngleich «die Erhöhung von 4 Prozent viel ist, dies gerade für Familien». Schliesslich steige die Prämienverbilligung nicht in diesem Umfang.

Wenn nun die Prämien im Kanton Appenzell Ausserrhoden vergleichsweise moderat ansteigen, ist dies für Weishaupt vor allem ein Hinweis darauf, dass die Reservebildung der Krankenkassen für den Kanton gut sei: «Das dürfte einer der wesentlichen Gründe sein.»

Bescheidener als im Ausserrhodischen steigt die Prämie im Nachbarkanton Appenzell Innerrhoden, nämlich um 1,9 Prozent. In absoluten Zahlen von Fr. 347.50 auf Fr. 354.00. Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler sagt denn auch, sie sei «froh darüber» – aber es sei «halt gleichwohl ein Anstieg». Diesen vergleichsweise bescheidenen Prämienanstieg müsse man im Zusammenhang mit jenem für dieses Jahr sehen, sagt Fässler: «Der Prämienanstieg für 2017 war für uns seinerzeit nicht nachvollziehbar aufgrund der Kostenentwicklung.» Der für 2018 korrigierende moderate Anstieg nun bestärke sie in der damaligen Einschätzung. Insgesamt verweist Gesundheitsdirektorin Fässler darauf, dass ihr Kanton auch vom «guten tariflichen Umfeld in der Ostschweiz» profitiere bei den Prämien und dass Innerrhoden eben ländlich geprägt sei.

Regierungsrat Jakob Stark, im Kanton Thurgau verantwortlich für Finanzen und Soziales, kritisiert sowohl den gesamtschweizerischen Prämienanstieg von durchschnittlich 4 Prozent als auch jenen für den Thurgau im Umfang von 3,4 Prozent, in absoluten Zahlen von Fr. 400.10 auf Fr. 413.60. «Gesamtschweizerisch scheint mir das zu hoch. Ich habe eine bescheidenere Erhöhung erwartet – insbesondere auch deshalb, weil der angepasste Tarmed-Tarif ja eingerechnet worden ist.» Was nun den Thurgau betreffe, habe sein Kanton 2017 den Kostenanteil an der stationären Spitalversorgung auf nun 55 Prozent erhöht. Das Kostenmonitoring zeige nun, dass die Gesamtkosten in der ersten Jahreshälfte stagnierten, die Kosten für die stationäre Spitalversorgung gar unter Vorjahr lägen. Deshalb scheine ihm eine Prämienerhöhung von 3,4 Prozent zu hoch. «Als Folge davon werden wir die Kosten- und Prämienentwicklung nun umso sorgfältiger prüfen», sagt der Thurgauer Gesundheitsdirektor Jakob Stark.

Im Kanton St. Gallen liegt die Prämienerhöhung mit 3 Prozent ein Prozent unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Dies sei «im erwarteten Bereich», sagt Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann: «Der Trend ist richtig. Wir bleiben im schweizweiten Vergleich kostengünstig.» Gründe dafür sieht Hanselmann in der Konzentration beziehungsweise im Abbau von Leistungen in den Spitälern. Zudem erfolge die Spitalplanung streng gemäss der Vorgabe, um Mengenausweitung zu verhindern. Die Zulassungssteuerung sei ebenfalls restriktiv umgesetzt worden. Die Ärztedichte sei im Kanton St. Gallen denn auch tiefer als in andern Kantonen, sagt Hanselmann. Dennoch sei man gehalten, weitere Kostendämpfungsmassnahmen an die Hand zu nehmen.

Richard Clavadetscher