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Organspende-Kampagne irritiert

Die Schweiz braucht dringend mehr Organspender. «Cliffhanger», die neue Kampagne des Bundesamts für Gesundheit, löst bei Transplantations-Fachleuten jedoch einen Sturm der Entrüstung aus. Man assoziiere damit Instabilität oder Suizid.
Tobias Gafafer
Das Warten kann tödlich sein: Mit einer Kampagne will der Bund die Zahl der Organspenden erhöhen. (Bild: epa/Frank May)

Das Warten kann tödlich sein: Mit einer Kampagne will der Bund die Zahl der Organspenden erhöhen. (Bild: epa/Frank May)

BERN. Zwei Jugendliche fahren in einem Auto und drohen über einer Klippe abzustürzen. Im letzten Moment diskutieren sie über Organspenden. Doch es kommt zum Happy End: Die zwei überleben. So lässt sich laut mehreren Quellen grob «Cliffhanger» umschreiben. Die neue Kampagne des Bundesamts für Gesundheit (BAG) soll die Bevölkerung zu mehr Organspenden animieren und im April 2013 mit TV-Spots oder Plakaten starten. Die Botschaft: Man soll sich rechtzeitig mit dem heiklen Thema befassen. Auch der Organspende-Ausweis soll «Cliffhanger» heissen. Damit kann jemand festhalten, dass seine Organe im Todesfall gespendet werden oder nicht. Letzte Woche hat das BAG Visualisierungen der Kampagne Vertretern von Swisstransplant, der Stiftung für Organspende und Transplantation, vorgestellt. Die Kampagne löste im Stiftungsrat bei mehreren Mitgliedern Entrüstung aus. Dieser will sich nun nicht dahinterstellen.

Fragwürdige Wirkung

Swisstransplant-Chef Franz Immer bestätigt auf Anfrage, dass die Stiftung wegen Vorbehalten beim Innendepartement (EDI) interveniert hat. «Wir finden den Ausdruck <Cliffhanger> unpassend.» Im medizinischen Bereich denke man dabei an Suizid oder an Instabilität. «Deshalb stellen wir uns die Frage, was die Kampagne bei der Bevölkerung auslöst.» Swisstransplant wolle, dass sich Bevölkerung klar für ein Ja oder Nein zu Organspenden entscheide. Kommt hinzu: Der grösste Teil der Organspenden stammt nicht von Unfallopfern, sondern etwa von Opfern von Hirnschlägen.

Auf dem falschen Fuss hat «Cliffhanger» besonders jene erwischt, die Transplantationen vornehmen. «Die Kampagne ist katastrophal und unbrauchbar», sagt Philippe Morel, Chef der Abteilung für Transplantationsmedizin am Genfer Unispital und Vizepräsident von Swisstransplant. «Sie kommt dunkel, trist und tödlich daher.» Dabei sei die Transplantationsmedizin eine Chance für das Leben eines Menschen. Sie stehe für die Würde, die Hoffnung und das Überleben. Morel kritisiert zudem, dass die Organspende in der Kampagne erst im letzten Moment ins Spiel komme.

BAG verteidigt «originelle Idee»

Dem Vernehmen nach hat das BAG bereits auf die heftige Kritik reagiert. Der Spendeausweis soll nun doch nicht «Cliffhanger» heissen, wie Daniel Bach, Leiter Kommunikation und Kampagnen, bestätigt. Bei der Infobroschüre zur Kampagne prüfe das BAG zudem mehrere Titel – «Cliffhanger» sei bloss eine Variante. Die Stossrichtung verteidigt Bach jedoch: Zielpublikum der Kampagne sei die breite Öffentlichkeit. «Wir wollen die Menschen mit einer originellen Idee für das wichtige Thema Organspenden sensibilisieren. Die Kampagne hat nicht den primären Anspruch, die Realität abzubilden.» Trotzdem signalisiert das BAG, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. «Den Einwand, dass die Kampagne ungewollte Assoziationen auslöst, nehmen wir ernst», sagt Bach. Das BAG prüfe das Konzept in einem umfassenden Test. Das solle zeigen, ob die Kampagne verstanden, akzeptiert und dem Thema gerecht wird. «Ergeben sich kritische Rückmeldungen von Fachleuten, wird das Konzept überprüft.» Branchenkenner hoffen denn auch, dass spätestens Gesundheitsminister Alain Berset die neue Kampagne stoppt.

Vorgängerin zurückhaltender

Dass sich das BAG um mehr Organspender bemüht, wird dagegen auch von Immer und Morel begrüsst. Denn in der Schweiz gibt es immer noch zu wenig (siehe Kasten). Die letzte entsprechende Kampagne des BAG stammt noch von 2011. Ihr Motto lautete: «Alle haben Recht: Sie äussern ihren Willen.» Das war zurückhaltender als die neue Kampagne. Im EDI heisst es dazu, man wolle nicht den moralischen Mahnfinger erheben.

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