Opfern droht doppelte Strafe

Die Schweiz mutiert zu einem Eldorado für Einbrecher – vor allem in grenznahen Regionen. Bei den Versicherungen steigen die Schadenssummen. Dies könnte zu Prämienerhöhungen führen.

Kari Kälin
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Mehr Einbrüche bedeuten höhere Schäden, was zu Prämienerhöhungen bei den Versicherungen führen könnte. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Mehr Einbrüche bedeuten höhere Schäden, was zu Prämienerhöhungen bei den Versicherungen führen könnte. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Nicht nur in der Ostschweiz melden die Kantonspolizeien seit Anfang November ganze Serien von Einbrüchen. Die Polizei muss immer öfter ausrücken, weil unbekannte Täter Fenster einschlagen oder Balkontüren aufwuchten, um Wohnungen nach Geld, Schmuck und anderen Wertsachen zu durchwühlen.

«Fast hundert Einbrüche im Kanton St. Gallen in einer Woche», Bei der Kantonspolizei kann sich niemand an eine vergleichbare Einbruchwelle erinnern. «Noch nie gab es in Basel so viele Einbrüche», meldete auch die «Basler Zeitung» bereits Ende August.

Mehr als 60 000 Einbrüche

Die Schlagzeilen sprechen für sich: Immer mehr Diebesbanden veranstalten Raubzüge durch die Schweiz. Oft handelt es sich um Kriminaltouristen, die ihr Unwesen in Grenzkantonen und entlang von Autobahnachsen treiben. Der «Sonntag» schätzte, gestützt auf Angaben von Versicherungen, dass die Zahl der Einbrüche in diesem Jahr schweizweit auf 63 000 klettern wird. 2011 zählte das Bundesamt für Statistik 52 735 Einbrüche, 2010 waren es noch 50 210 gewesen.

Die wachsende Kriminalität bekommen auch die Versicherungen zu spüren. Sie sehen sich mit bedeutend höheren Schadenssummen konfrontiert. Dies könnte für die Versicherten finanzielle Folgen haben. «Wegen der Einbruchswelle droht ein Prämienschock», titelte neulich die «Basler Zeitung». Damit würden die Einbruchopfer also gleich doppelt bestraft.

«Grundlegend neuer Trend»

Hansjörg Ryser ist Mediensprecher der Helvetia-Versicherungen. Er bestätigt, dass Prämienerhöhungen in absehbarer Zeit «nicht ausgeschlossen» werden können, denn: «Die deutliche Zunahme der Schadensfrequenz und der Schadenbelastung bei Einbruch und Diebstahl in den Jahren 2011 und 2012 kann aus unserer Sicht auf einen grundlegend neuen Trend hindeuten.» Sich bereits jetzt auf «konkrete Indikationen für eine Prämienerhöhung festzulegen» wäre für Ryser aber noch verfrüht.

Die Helvetia (rund sechs Prozent Marktanteil in den Schadensversicherungen) rechnet für das laufende Jahr mit einer Schadenssumme von 25 Millionen Franken wegen Einbrüchen. 2011 wurden 5000 Schadensfälle gemeldet, 2012 war dieser Wert bereits Anfang November erreicht. «Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2010 rechnen wir mit einer Zunahme der Anzahl Einbrüche von rund 15 Prozent», sagt Ryser.

Bei den Basler Versicherungen (rund fünf Prozent Marktanteil bei den Schadensversicherungen) beläuft sich die Schadenssumme wegen Einbrüchen per Ende Oktober auf 20,4 Millionen Franken. Das sind rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen unmittelbaren Einfluss auf die Prämien hätten kurzfristige Zu- und Abnahmen nicht, sagt Amos Wintler, Leiter Kommunikation bei den Basler Versicherungen. Sie haben aber aufgrund der erhöhten Einbruchszahlen diverse Leistungen zu einem Sicherheitspaket geschnürt. Dieses beinhaltet auch psychologische Betreuung oder Selbstverteidigungskurse.

Bei den Schadensversicherungen ist die Axa Winterthur mit rund 14 Prozent Marktanteil Marktführerin. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2012, geht sie von etwa 9000 Schadensfällen wegen Einbrüchen (2011: 8560) und einer Schadenssumme von 55 Millionen Franken (2011: 47 Millionen) aus. Ob sie deswegen die Prämien erhöht, bleibt offen.

Die Axa Winterthur prüfe regelmässig Kosten- und Prämienverhältnisse aller Produkte und passe Prämien «bei Bedarf an», sagt Mediensprecherin Karin Gnehm.

41,3 Millionen bis Ende Oktober

Die Mobiliar hat bis Ende Oktober für 8100 Einbruchfälle 41,3 Millionen Franken an Versicherte entrichtet – mehr als während des ganzen vergangenen Jahres (34,3 Millionen Franken für 7700 Schadensfälle). Laut Mobiliar-Mediensprecher Jürg Thalmann sind die Zahlen auch gestiegen, weil die Versicherung viele neue Kunden gewonnen hat.

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