Offenes Rennen um die Luzerner Regierungssitze

Im Kanton Luzern hoffen die Grünen am kommenden Wahlsonntag auf einen ähnlichen Coup wie in Baselland. Im Fokus der Wahlen steht aber vor allem die SVP: Sie will den Rückschlag von 2007 wettmachen.

Ueli Bachmann
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LUZERN. In den katholischen Stammlanden Luzern hat die Mehrheitspartei CVP mit zwei von fünf Regierungsmandaten und 46 von 120 Sitzen im Parlament noch immer das Sagen. Allerdings hat sie an Macht seit dem Einzug der SVP im Jahr 1995 massiv eingebüsst. Erst 2007 wurde der Sinkflug gemäss dem damaligen nationalen Trend gestoppt; die CVP gewann zwei Sitze, die SVP verlor drei. Zudem wurde ihr privat unglücklich agierende Finanzchef Daniel Bühlmann nach zwei Jahren in der Regierung in die Wüste geschickt. An seiner Stelle wurde ein Parteiloser, der damalige Chef des Steueramts, Marcel Schwerzmann gewählt.

Krasser Aussenseiter

Schwerzmann sowie der 2010 nachgerückte Guido Graf (CVP) und Yvonne Schärli (SP) treten am Sonntag wieder an. Die zwei Sitze der zurücktretenden Max Pfister (FDP) und Anton Schwingruber (CVP) sind neu zu besetzen. Und da hoffen die Grünen mit Adrian Borgula ein Wort mitzureden. Er war als krasser Aussenseiter angetreten. Doch die Erfolge der Grünen in Baselland und Zürich haben den 52jährigen Biologen und langjährigen Kantonsrat in den Mittelpunkt gerückt.

Aufhorchen liessen auch Umfrageergebnisse, die vom Meinungsforschungsinstitut Demoscope im Auftrag der «Neuen Luzerner Zeitung» zwischen Januar und vom 14. bis 16. März, unmittelbar nach der Katastrophe in Japan, durchgeführt wurden. Der grüne Kandidat legte 5 Prozent zu – was über der Zufallsquote liegt. Er verwies den Kandidaten der SVP, den Emmer Finanzchef Urs Dickerhof, auf den letzten Platz der acht Kandidierenden.

Geringere Chancen

Eine Wahl des Grünen Regierungskandidaten in Luzern wäre allerdings eine weit grössere Überraschung als in Baselland und Zürich. Denn in Luzern hat die Landschaft ein starkes Gewicht und dort tun sich SP und Grüne traditionell schwer.

Die CVP nominierte zur Wahrung ihrer beiden Sitze ein Trio, den Bisherigen Guido Graf, sowie die aus Schaffhausen stammende Esther Schönberger, Rektorin der Kaufmännischen Berufsschule, und Reto Wyss, Bauingenieur und Unternehmer. Die FDP verteidigt den vakanten Sitz mit dem Willisauer Stadtpräsidenten Robert Küng. Das Rennen ist ziemlich offen. Relativ sicher fühlen darf sich von den Bisherigen höchstens Yvonne Schärli (SP).

Zweiter Wahlgang Mitte Mai

Der parteilose Schwerzmann schnitt zwar bei den Umfragen hervorragend ab, ist aber bei den Fraktionen wenig beliebt. Bei der CVP muss der noch farblose Guido Graf auf den Bisherigenbonus und ein allfälliges Verdikt der CVP-Delegierten zählen, die nach dem ersten Wahlgang entscheiden werden, wer aus dem Trio auf der Strecke bleibt. Die SVP glaubt, dass Urs Dickermann der richtige Mann ist, um den Rauswurf von 2007 wettzumachen. Für Spannung ist garantiert. Als sicher gilt, dass es den zweiten Wahlgang vom 15. Mai braucht.

Erstmals Grünliberale und BDP

Bei der Verteilung der 120 Sitze im Parlament mischen erstmals die BDP und die Grünliberalen mit. Die Grünliberalen hatten 2009 in der Stadt erste Erfolge gefeiert. Der Japan-Effekt, sofern es ihn gibt, dürfte der Partei zusätzlich Schub geben. Die Erreichung des gesteckten Ziels, die Fraktionsstärke, ist ihr zuzutrauen. Dies dürfte vor allem den Mitteparteien Stimmen kosten. Insbesondere die CVP steht unter Druck, der mit 46 Sitzen grössten Fraktion vor FDP (29), SVP (23), SP (13) und Grüne (9). Die CVP sieht sich auch von der SVP bedrängt. Entsprechend grosse Anstrengungen hat sie im Wahlkampf unternommen. Sie schöpft ihre Zuversicht auch darin, weil im Nachbarkanton Zug die CVP 2010 ihre Stellung verteidigen konnte. Umfrageergebnisse sprechen gegen die SVP, doch dürfte sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Ihr Regierungskandidat ist nicht das grosse Zugpferd, doch die Partei wird diesmal nicht von Querelen durchgeschüttelt, die ihr massgeblich die Schlappe vor vier Jahren eintrug.

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