Österreichs Genossen gegen Eidgenossen

Die Schweiz soll ihren Beitrag leisten zur Rettung Griechenlands. Diese Forderung stellte der Fraktionschef der österreichischen Sozialdemokraten auf. Ihr hat sich auch Bundeskanzler Faymann angeschlossen.

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wien. Nichts sollte die Freundschaft trüben am 38. Parlamentarier-Fussballturnier, das am Samstag im oberösterreichischen Linz stattfand. Da hatten die Captains der Mannschaften aus Finnland, Deutschland, der Schweiz und Österreich gerade eine «Fair Play Charta» unterzeichnet, als SPÖ-Fraktionschef Josef Cap zum Schlag gegen die Eidgenossen ausholte: «Die Schweizer Trittbrettfahrer regen mich auf», ärgerte sich der Genosse über die vermeintliche Tatsache, dass die Schweiz zwar gern griechisches Schwarzgeld nehme, aber nichts zu den Rettungsmassnahmen für Griechen und Euro beitrage.

ÖVP hält Ton für unangebracht

Cap spielte zwar in Linz nicht mit, sein Parteifreund Hermann Krist befürchtete als österreichischer Captain aber schon Ärger mit seinem Schweizer Gegenspieler Toni Bortoluzzi. «Ich war ganz baff, dass das genau vor unserem Turnier veröffentlicht worden ist, und hab mir gedacht, da werden wir Diskussionen haben», so Krist gegenüber dieser Zeitung.

SVP-Nationalrat Bortoluzzi hielt sich aber an den Rat seiner Frau und verzichtete sogar noch nach der 4:0-Niederlage gegen die Österreicher auf jegliches Politisieren.

Kritik erntete Cap ohnehin von allen Seiten. Der Koalitionspartner ÖVP hielt die Wortwahl für «unangebracht».

Calmy-Rey kontert

Die Kritiker in der SPÖ, denen Caps Tonfall missfiel, dürften auf Linie gebracht werden.

Denn am Wochenende hat sich der Parteivorsitzende und Bundeskanzler Faymann vor den Fraktionschef gestellt. Seine Wortwahl fällt zwar etwas moderater aus, aber auch der Kanzler kritisiert, dass die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied durch viele Verträge versuche, «sich Rosinen herauszupicken».

Ihm widersprach in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» Bundesrätin Calmy-Rey: «Diese Vorwürfe sind falsch und zeugen von wenig Wissen über die Rolle unseres Landes in der internationalen Gemeinschaft.

» Als Mitglied des Währungsfonds beteilige sich die Schweiz am Stabilisierungsprogramm für den Euro. Zudem stütze die Nationalbank den Euro durch Devisenkäufe.

Manfred Maurer