ÖFFENTLICHER DIENST: Staatsangestellte wollen vom Aufschwung profitieren

Die Wirtschaft zieht an, Gewerkschaften fordern generelle Lohnerhöhungen. Bei Kantonen und Gemeinden sehen die Personalvertreter mehr Spielraum für die Angestellten als beim Bund.

Balz Bruder
Drucken
Teilen

Die Gewerkschaften legten mit Blick auf die Lohnrunde 2017/18 vor: Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), forderte pünktlich zum Sommerferienstart Lohnerhöhungen von 1,5 bis 2 Prozent – für Frauen sogar mehr. Die Ansage des SGB ist klar: Die Zeichen stehen auf Aufschwung. Und dieser soll auch den Arbeitnehmenden gehören. Mit spürbaren, von Branche zu Branche unterschiedlichen Effekten im Portemonnaie. Im Vordergrund stehen für den SBG generelle Lohnerhöhungen.

Und die Angestellten im öffentlichen Dienst? Der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) hängte sich der SGB-­Forderung an. «Wir verlangen für den jahrelang durch Sparprogramme gebeutelten Service public ebenfalls ein kräftiges Plus», tönte es aus der Zentrale, «auch hier soll auf generelle Lohnerhöhungen gesetzt werden.» Grund dafür: Von individuellen profitierten jene, die ohnehin schon viel verdienten: «die (männlichen) Kader, die auch bei der Vergabe von Prämien aller Art in der ersten Reihe stehen».

Viele Sparpakete mitgetragen

Konkreter in Bezug auf die Lohnerwartungen wird Urs Stauffer, Präsident Öffentliches Personal Schweiz (ZV). «Eine Lohnerhöhung von 1 Prozent ist eine Notwendigkeit», sagt er, «zudem braucht es einen Ausgleich der Teuerung.» Das macht in der Summe rund 1,5 Prozent, nachdem das Bundesamt für Statistik von 0,5 Prozent Teuerung im ­laufenden und 0,2 Prozent im kommenden Jahr ausgeht.

Die Forderung begründet Stauffer, dessen Verband Angestellte von Kantonen und Gemeinden vertritt, nicht zuletzt mit der an den meisten Orten ausgebliebenen Lohnentwicklung in den vergangenen Jahren. Die Sparpakete landauf, landab lassen grüssen.

Von einem Sprung, wie er dem ZV vorschwebt, wagt der Bundespersonalverband (PVB) kaum zu träumen. «Wir verlangen, dass es im Voranschlag 2018 eine Verhandlungsmasse von mindestens 1 Prozent gibt», sagt Generalsekretärin Maria Bernasconi. Und dies nicht von ungefähr: «In den letzten Jahren gingen wir an Verhandlungen, in denen der Bundesrat sagte, im Budget sei nichts eingestellt.»

Das soll in diesem Jahr anders sein: Finanzminister Ueli Maurer habe bei den jüngsten Verhandlungen im Mai signalisiert, es gehe etwas bei den Löhnen – ohne aber eine konkrete Zahl zu nennen, so Bernasconi. Eine solche Zahl gibt es auch heute noch nicht. Das Finanzdepartement mag sich nicht äussern – Sprecher Roland Meier verweist auf die Lohn­gespräche mit den Sozialpartnern im November. Allerdings gibt es schon zuvor Gesprächsbedarf und -gelegenheit: Ende August diskutiert der PVB zwar nicht über die Löhne mit Finanzminister Maurer, aber über die Entwicklung der Pensionskasse und des Umwandlungssatzes. Für Bernasconi steht fest: «Sollte dieser gesenkt werden, fordern wir Begleitmassnahmen.» Auch sonst ist die Generalsekretärin nicht übermässig optimistisch. Die Forderungen des Parlaments und die zur Verfügung stehenden Ressourcen klafften auseinander.

Sie erinnert an die 50 Millionen Franken, die SVP und FDP im Budget 2017 zusätzlich auf dem Buckel des Personals kürzten. Vorsorglich hofft Bernasconi auf die Parlamentswahlen in zwei Jahren – und auf politische «Manpower» für den Service public.

Balz Bruder