Es war eine Affäre – darum trat der oberste Reformierte zurück

Krise der Reformierten Kirche: Nun sind die Gründe für den Rücktritt von Gottfried Locher bekannt. Der Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz hatte eine Affäre.

Lucien Fluri
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Der Rücktritt des Kirchenbund-Präsidenten Gottfried Locher hängt mit einer Affäre zusammen.

Der Rücktritt des Kirchenbund-Präsidenten Gottfried Locher hängt mit einer Affäre zusammen.

Anthony Anex / KEYSTONE

Die Rücktritte von Pfarrerin Sabine Brändlin, die bis Ende April als Kirchenrätin amtete, und Gottfried Locher, dem obersten Reformierten, haben die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) in eine Krise gestürzt. Nun ist klar, warum es zu den beiden Rücktritten kam. Locher und Brändlin hatten bis im vergangenen Jahr eine Affäre, wie der Rat der Kirche am Montag in Bern an der Synode mitteilte.

Vorwurf der sexuellen Belästigung

Dass die Affäre der beiden ans Licht kam, hatte einen anderen Grund: Eine frühere Angestellte hatte sich beim Rat, der Exekutive der EKS, gemeldet. Locher habe Grenzverletzungen begangen. Der Rat wollte dies untersuchen. Auch Sabine Brändlin gehörte zum Team, das die Vorwürfe anhörte. Schliesslich kam den restlichen fünf Räten zu Ohren, dass Locher und Brändlin eine Affäre hatten. Sie sahen das Vertrauen missbraucht, nicht nur in dieser Untersuchung.

Brändlin und Locher wären möglicherweise nicht beide an die Kirchenspitze gewählt worden, wenn die Affäre bekannt gewesen wäre. Auch ist die Dynamik in gewissen Geschäften nun besser erklärbar, hiess es aus dem Rat. Bereits im April forderte ein Ratsmitglied deshalb Locher und Brändlin zum Rücktritt auf.

«Der Präsident hat seine Macht missbraucht, um sich Frauen mehrfach ungebührlich zu nähern.»

Die Untersuchung betreffend der Vorwürfe der früheren Mitarbeiterin soll nun von externer Seite untersucht werden. Christoph Weber-Berg, Aarauer Kirchenratspräsident, sagt dazu: «Die Vorfälle, die uns zur Kenntnis gebracht wurden, sind derart, dass der Präsident seine Macht missbraucht hat, um sich Frauen mehrfach ungebührlich zu nähern, auch gegen ihren Willen. Er hat Frauen unter Druck gesetzt und von ihnen gesetzte Grenzen systematisch missachtet und überschritten.» Dabei gehe es um weit mehr als um einen zeitlich weit zurückliegenden Einzelfall, sagt Weber-Berg.

Für Gottfried Locher gilt die Unschuldsvermutung.