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Was wird aus unseren Spenden? Eine Umfrage zeigt markante Unterschiede

Noch nie haben Schweizer Hilfswerke so viel Zustupf erhalten wie im vergangenen Jahr. Eine Umfrage bei den bekanntesten Hilfswerken des Landes zeigt, wer am meisten einnimmt, wer am effizientesten arbeitet und was beim Spenden beachtet werden soll.
Samuel Schumacher

Zu Dutzenden flattern Bettelbriefe und Spendenaufrufe von Hilfsorganisationen derzeit wieder in Schweizer Briefkästen. Der Dezember ist Jagdsaison für die Hilfswerke. Die weihnachtliche Stimmung versetzt viele Menschen in grosszügige Laune, der bevorstehende Silvester ist dem einen oder anderen Grund genug, die moralische Bilanz des auslaufenden Jahres noch ein bisschen aufzubessern.

Wer nimmt am meisten ein?

Das Geschäft mit dem schlechten Gewissen lohnt sich: Noch nie waren Schweizer Hilfswerke auf ihrer Jagd nach grosszügigen Spendern so erfolgreich wie im vergangenen Jahr. 1,87 Milliarden Franken haben sie von Herr und Frau Schweizer, von Stiftungen, aus Erbschaften und über Sammelaktionen wie «Jeder Rappen zählt» eingenommen. Es profitieren aber nicht alle Organisationen gleich, wie eine Umfrage dieser Zeitung bei 33 führenden Schweizer Hilfswerken zeigt:

Auch die öffentliche Hand hat die Schweizer Hilfswerke kräftig unterstützt. 2017 überwies alleine die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) insgesamt 282 Millionen Franken an Schweizer Nichtregierungsorganisationen.

Wo versandet am meisten Geld?

Egal, wie viel Herr und Frau Schweizer spenden – alle stellen sich dieselbe Frage: Kommt mein gespendetes Geld denn auch wirklich an? Bewirkt es etwas? Einige Organisationen wie etwa das Kinderhilfswerk World Vision bieten Spendewilligen ­Patenschaften an, bei denen sie direkt sehen können, wie einem ausgewählten Kind mit dem gespendeten Geld ­geholfen wird.

Die Umfrage zeigt, dass die angefragten Hilfswerke im Schnitt vier von fünf Spenderfranken für Projekte und einen für administrative Aufgaben ausgegeben haben, die Unterschiede sind aber gross:

Am effizientesten arbeitete die Glückskette, die primär bei Katastrophen im Ausland aktiv wird. Sie verwendete 96 Prozent ihrer Spenden für Projektarbeit, die Heilsarmee, die auf viele Freiwillige zählen kann, immerhin noch 94 Prozent, die beiden medizinischen Organisationen Ärzte ohne Grenzen und Medair sowie das Hilfswerk Helvetas 91 Prozent. ­Einen deutlich grösseren administra­tiven Aufwand zu bewältigen hatten die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und das Hilfswerk ­Comundo, bei denen jeweils 65 Prozent in die Projektarbeit flossen.

Martina Ziegerer, Geschäftsführerin der Stiftung Zewo, die seit 1934 Schweizer Hilfswerke zertifiziert, warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen. Es könnten nie hundert Prozent des Geldes direkt in Hilfsprojekte fliessen. Die Zewo habe deshalb umfassendere Standards festgelegt, um die Effizienz von Hilfswerken zu überprüfen. Zu guter Hilfe gehöre eine professionelle Buchhaltung, ein Jahresbericht, eine Fundraising-Organisation: alles Dinge, die Geld kosten. Zwei Drittel des gesammelten Geldes sollten laut der Zewo aber direkt in die Hilfsprojekte fliessen, maximal ein Drittel für Fundraising und Administration ausgegeben werden. Je nach Grösse, Tätigkeitsbereich und Struktur kann sich dieser Wert stark unterscheiden.

Auch bei der Entlöhnung der Geschäftsleiter zeigen sich grosse Unterschiede:

Während die Spitzenleute beim Schweizerischen Roten Kreuz und Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (Heks) rund 250'000 Franken verdienten, liess sich der Terre-des-Hommes-Chef nur gerade 111'525 Franken auszahlen. Der Geschäftsleiter der Heilsarmee verdiente gar nur knapp 50'000 Franken, zuzüglich Dienstwagen und günstiger Dienstwohnung. Im Schnitt kommen die befragten Hilfswerkschefs auf 159'000 Franken im Jahr.

Vergleiche dieser Art sind nicht ohne Makel, da die strukturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Hilfswerken riesig sind. Beim Heks legt man Wert auf folgende Feststellung: Das Hilfswerk hatte 2017 einen Wechsel in der Geschäftsleitung zu verzeichnen, verbunden mit einer längeren interimistischen, auf mehrere Personen verteilten Geschäftsführung. Das oben ausgewiesene Jahres-Bruttogehalt von rund 250'000 CHF verteilte sich dementsprechend auf mehrere Personen und entspricht somit nicht dem Jahresgehalt einer Einzelperson.

Trotzdem schreit das spendenbasierte Geschäftsmodell der Hilfswerke nach voller Transparenz. Wer spendet, will wissen, was mit seinem Geld geschieht. Entsprechend erstaunlich ist, dass nur 19 der 33 angefragten Organisationen bereit waren, den Lohn ihres Geschäftsführers bekanntzugeben. Andere Hilfswerke wie etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gaben den Lohn an, baten aber um den Hinweis darauf, dass die Entlöhnung der Geschäftsführerin (knapp 150'000 Franken) in etwa dem Lohn eines Oberstufenschulleiters entspreche.

So viel spenden Schweizer

Laut der Stiftung Zewo sind 2017 vier von fünf Schweizer Haushalten dem Vorbild von Väterchen Staat gefolgt und haben Geld an mindestens ein Hilfswerk überwiesen.

Damit sind die Schweizer deutlich spendenfreudiger als die europäischen Nachbarn. In Frankreich, Österreich und Schweden spendeten 2017 nur drei von fünf Haushalten, in Italien und Spanien gar nur einer von fünf. Schweizweit belief sich der durchschnittliche Spendenbetrag pro Haushalt auf 300 Franken. 400 Franken ­waren es in der Deutschschweiz, 300 im Tessin und 200 in der Romandie. 49 Prozent der Spenden flossen an Hilfswerke, die Projekte in der Schweiz unterstützten, 51 Prozent kamen Hilfsaktionen im Ausland zugute.

So spenden Sie richtig:

Wer sich nicht entscheiden kann, welchem der 7000 Schweizer Hilfswerke er spenden soll, dem seien die Tipps der Zewo empfohlen.

  1. Unterstützen Sie ein Herzensanliegen. Das führt zu wiederkehrendem Engagement und hilft den Organisationen beim Planen.
  2. Spenden Sie lieber viel an wenige, statt wenig an viele. Jeder gespendete Franken bedeutet Aufwand. Je grösser der Spendenbetrag an ein Hilfswerk ist, umso grösser ist der Anteil des Betrages, der für die effektive Hilfe eingesetzt werden kann.
  3. Spenden Sie Zewo-zertifizierten Hilfswerken oder anderen vertrauenswürdigen Organisationen, die die Verwendung ihrer Gelder transparent kommunizieren.

Wer diese Tipps befolgt, kann nichts falsch und die Welt mit seiner Spende vielleicht tatsächlich zu einem besseren Ort machen.

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