Noch zwei Wochen Ausnahmezustand

Die Olympia-Gegner haben zurzeit leicht die Nase vorne. Die meisten Bündner wünschen sich aber vor allem eines: Neue Gesprächsthemen.

Drucken
Teilen
Am 3. März wird abgestimmt. (Bild: ky)

Am 3. März wird abgestimmt. (Bild: ky)

In zwei Wochen entscheidet das Bündner Stimmvolk über die Zukunft der kantonalen Olympia-Pläne. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demoscope zeigt, dass die Olympia-Gegner zurzeit knapp vorne liegen. Wäre am 10. Februar über die Olympia-Kandidatur abgestimmt worden, wären 45 Prozent der Bündner gegen die Kandidatur gewesen, 42 Prozent dafür, 9 Prozent unschlüssig und 4 Prozent hätten einen leeren Zettel in die Urne gelegt.

Befragt man die Leute auf der Strasse, erhält man im Minutentakt völlig konträre Aussagen zu hören: «Eine einmalige Chance, die wir packen müssen.» «Aufgeblasen und alles andere als nachhaltig.» «Ein nachhaltiger Gewinn für unseren Kanton.» «Völliger Wahnsinn.» «Es gibt keine bessere Werbung.» «Mit Olympia häufen wir bloss Schulden an.»

Nur in einem scheinen sich viele Olympia-Befürworter und -Gegner einig zu sein: Es reicht langsam. Man will auch mal wieder über andere Themen diskutieren können.

Tägliche Reizüberflutung

An der Frage Olympia ja oder nein führte in den vergangenen Wochen und Monaten in Graubünden tatsächlich kein Weg vorbei. Überall wurde diskutiert, behauptet und gestritten. Von offizieller Seite, sei das nun vom Promotorenverein Olympia 2022 oder von den Gegnern rund um das Komitee Olympiakritisches Graubünden, nahm die Flut von täglichen Kommentaren, E-Mails, Veranstaltungseinladungen und dergleichen, zeitweise fast schon groteske Züge an. Und dies in den meisten Fällen alles, ohne mit wirklich konkreten neuen Informationen aufwarten zu können.

Klammert man die anscheinend programmatische Reizüberflutung einmal aus, lässt sich wie auch von der Meinungsumfrage bestätigt in den letzten Tagen zumindest eine leichte Tendenz in Richtung einer Nein-Mehrheit erkennen. All die Diskussionen über Finanzen und Defizitgarantie spielen wohl eher den Gegnern als den Befürwortern in die Karten. An diesem Trend änderten auch die Bündner Auftritte des – zumindest politisch – höchsten Olympia-Fans Ueli Maurer nichts.

Sichtlich genervt

Minimale Tendenzen hin oder her: Zum jetzigen Zeitpunkt eine abschliessende Prognose über den Wahlausgang abzugeben, wäre nichts anderes als die berühmte Kaffeesatzleserei. So will denn auch niemand von den Verantwortlichen Prozentzahlen nennen. Einmal abgesehen von Hans F. Schneider, dem Geschäftsführer von Pro Natura Graubünden und somit Mitglied des Olympiakritischen Komitees. Er hat in einem Zeitungsinterview voller Zuversicht von einem zu erwartenden Nein-Anteil von 60 Prozent gesprochen.

Fakt ist, noch bleiben zwei Wochen bis zum Urnengang. Ein finales Ende der Olympia-Debatte wird sich – wie auch immer das Ergebnis aussehen wird – wohl noch weit über den Abstimmungssonntag hinauszögern. Auch wenn sich der an sich nette Mann beim Churer Bahnhof auf die Frage nach seiner Olympia-Meinung sichtlich genervt abwendet und sagt, dass ihm das ganze Gerede mittlerweile einfach nur noch lästig sei. Franco Brunner, Chur