Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NO BILLAG: «Tagesschau»-Abo für 1080 Franken?

Ohne obligatorische Gebühren drohen die Kosten für Informationssendungen zu explodieren, sagt die SRG. Ein Medienexperte hält aber deren Berechnungsmethoden für abenteuerlich.
Kari Kälin
Ein «Tagesschau»-Abo des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) würde gemäss ersten groben und «sehr optimistischen» Berechnungen ohne Billag-Gebühren «mehrere hundert Franken» pro Haushalt kosten. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Ein «Tagesschau»-Abo des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) würde gemäss ersten groben und «sehr optimistischen» Berechnungen ohne Billag-Gebühren «mehrere hundert Franken» pro Haushalt kosten. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Kari Kälin

Werbung und verkaufte TV-Abos: Mit diesen Einnahmequellen, argumentieren die No-Billag-Initianten, kann die SRG bei einem allfälligen Ja zur Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren auch nach dem 4. März weiterexistieren. Die SRG hält hingegen Bezahlfernsehen für eine unrealistische Alternative. In einem Gastbeitrag in der NZZ hat Ladina Heimgartner, stellvertretende SRG-Generaldirektorin, geschrieben, allein ein «Tagesschau»-Abo des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) würde gemäss ersten groben und «sehr optimistischen» Berechnungen «mehrere hundert Franken» pro Haushalt kosten. Konkret wären es 1080 Franken, wie die SRG auf Nachfrage mitteilt.

Wie kommt die SRG auf diesen Betrag? Die «Tagesschau»-Produktion kostet heute pro Jahr 22 Millionen Franken. Bei einem Ja zu No Billag, so die Annahme, verschwinden andere Informationssendungen und damit Synergieeffekte. Ergo verdoppelt sich der Betrag auf 44 Millionen Franken. Die TV-Provider wie Swisscom, UPC oder Sunrise verlangen laut SRG im Durchschnitt einen Zuschlag von 100 Prozent, um die Sendungen in die Stuben zu bringen – womit die Kosten auf 88 Millionen Franken klettern.

489 000 Deutschschweizer Haushalte schalten regelmässig die «Tagesschau» ein. Medienjournalist Kurt Zimmermann geht davon aus, dass ein Viertel der SRG-Konsumenten bereit wäre, ein Abo für SRG-Inhalte zu lösen. Die SRG hat diese Annahme bei ihrer Kalkulation übernommen. Da schätzungsweise nur rund zwei Drittel aller Haushalte über Pay-TV-fähige Geräte verfügen, verbleiben 81 500 zahlungswillige «Tagesschau»-Kunden. Teilt man 88 Millionen durch diese Zahl, ergeben sich 1080 Franken für ein «Tagesschau»-Abo. Die Werbeeinnahmen hat die SRG mit einkalkuliert. Sie seien aber vernachlässigbar, «weil sich relevante Werbeeinnahmen und ein Pay-Modell gegenseitig ausschliessen», wie SRG-Sprecher Daniel Steiner sagt.

Er könne sich lebhaft vorstellen, ein «Tagesschau»-Abo zu kaufen: Diese Aussage stammt von Gregor Rutz. Würde es der Zürcher SVP-Nationalrat und NoBillag-Befürworter auch für 1080 Franken tun? Für ihn stelle sich diese Frage so gar nicht: «Die SRG macht unseriöse Panikrechnungen. Eine Vervierfachung der Kosten ist absurd», sagt Rutz. Die SRG verkaufe die Leute ausserdem für dumm, wenn sie so tue, als könnte man mit der «Tagesschau» nicht bedeutende Werbeeinnahmen erzielen.

Kurt Zimmermann teilt diese Einschätzung. Rund um die «Tagesschau», den teuersten Sendeplatz von SRF, lassen sich seiner Ansicht nach rund 30 Millionen Franken Werbegelder generieren. Es sei auch nicht einzusehen, weshalb sich die Produktionskosten plötzlich verdoppeln sollen. «Die ‹Tagesschau› wird eher billiger werden, weil die SRG haushälterischer mit dem Geld umgehen wird», sagt Zimmermann. Und dass die Provider für die Distribution der «Tagesschau» 44 Millionen Franken verlangen sollen, sei abenteuerlich. Zimmermann ist überzeugt, dass in der Deutschschweiz eine halbe Million Privathaushalte und 200000 Unternehmen für ein Info-Abo zu gewinnen wären. Und zwar für eines, das auch Sendungen wie «10 vor 10», «Rundschau» oder «Kassensturz» beinhaltet. Ein Abo allein für die «Tagesschau» sei «blanker Unsinn». Unter dem Strich kommt er auf einen Info-Abopreis von 80 Franken.

Yanez: «Es fehlt ein taugliches Businessmodell»

Diego Yanez, ehemaliger SRF-Chefredaktor und Vorstandsmitglied des Komitees «Nein zum Sendeschluss», mag sich derweil nicht im Detail zur SRG-Kostenannahme äussern. Er geht jedoch davon aus, dass ein solches Angebot teuer wäre. Und dass ein Pay-TV-Angebot für Informationssendungen ausgerechnet in einem mehrsprachigen Land mit kleinem Markt funktionieren solle, sei illusorisch: «In ganz Europa, wahrscheinlich auch weltweit, gibt es keine allgemeinen Informationssendungen als Pay-TV. Ganz offensichtlich fehlt ein taugliches Businessmodell», so Yanez.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.