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Der unter Schweizer Flagge fahrende Tanker «Heilige Vater» bleibt in Geiselhaft

Seit einem Jahr hält Nigeria den unter Schweizer Flagge fahrenden Tanker San Padre Pio fest. Die Behörden werfen den Schiffsbetreibern illegalen Handel mit Erdöl vor.
Henry Habegger
Das Tankschiff San Padre Pio: Wegen der Bürgschaften müsste der Bund für allfällige Ausfälle aufkommen. (Bild: ABC Maritime)

Das Tankschiff San Padre Pio: Wegen der Bürgschaften müsste der Bund für allfällige Ausfälle aufkommen. (Bild: ABC Maritime)

Es ist ein würdevoller Name, den das Schiff trägt. San Padre Pio, Heiliger Vater Pius. Das derzeitige Schicksal des Schweizer Tankers und seiner Mannschaft ist weniger erbaulich. Vor Jahr und Tag, am 23. Januar 2018, setzte die nigerianische Navy das unter Schweizer Flagge fahrende Tankschiff in der Bucht von Biafra fest. Und dort sitzt es noch heute.

Der Fall ist eigenartig. Anderthalb Monate drang nichts an die Öffentlichkeit, was auch nigerianische Medienleute erstaunte. Erst Mitte März 2018 gingen die nigerianischen Behörden an die Öffentlichkeit. Vizeadmiral Ibok Ete Ibas verkündete gegenüber örtlichen Medien: «Die MT San Padre Pio wurde durch unsere Leute in der Nähe des Odudu-Ölfelds und innerhalb unserer Hoheitsgewässer arrestiert. Sie war in illegalem Handel tätig, der unsere Gesetze verletzt, im besonderen das Kabotage-Gesetz.» Er führte aus, die Nigerianer hätten festgestellt, dass «das Schiff 5000 Tonnen eines Produktes transportierte, bei dem es sich um Diesel zu handeln schien.»

Als der Tanker von Nigerias Patrouille unter Kontrolle gebracht wurde, habe er darauf gewartet, seine Fracht auf kleinere Schiffe zu verladen, sagte ein Mitglied der Einsatzkräfte.

Bundesgeld im Tanker

Der 5000-Tonnen-Tanker gehört der Westschweizer Reederei ABC Maritime. Diese hat den Ruf eines seriösen Unternehmens, sie hatte das Schiff verchartert (vermietet). Nicht nur der Tanker wurde von den Nigerianern festgesetzt, auch das Personal. Die 16 Besatzungsmitglieder, allesamt ukrainische Staatsangehörige, wurden festgenommen. Die nigerianischen Behörden verbreiteten Bilder der Seeleute: In einer Reihe stehend auf dem Tanker, von hinten fotografiert.

Von der Affäre betroffen ist auch der Bund. Das Schiff mit dem Namen eines Heiligen wurde mit Bürgschaften der Eidgenossenschaft in Millionenhöhe finanziert. Es ist eines von noch zwei Hochseeschiffen, für die die ABC-Reederei Bürgschaften erhalten hat. Was wiederum heisst, dass Bund und Steuerzahler zur Kasse gebeten werden können, sofern die Reederei wegen des festgesetzten Schiffes und damit verbundenen Einnahmenausfalls ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die nigerianischen Behörden haben also, gewissermassen, vor der Küste von Biafra Eigentum der Eidgenossenschaft festgesetzt. So ist der Konflikt mittlerweile zu einem Streit zwischen Nigeria und der Schweiz geworden. Im laut deklarierten Kampf gegen angeblichen illegalen Erdölhandel greifen die Nigerianer zu drastischen Mitteln. Sie halten Schiffe und Besatzung als Pfand fest, um Druck auf die Hintermänner auszuüben (siehe Zweittext unten).

Der Bundesrat äussert sich derzeit nur zurückhaltend. Auf Anfrage geben die beiden zuständigen Departemente, das Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin (SVP) und das Aussendepartement von Ignazio Cassis (FDP) eine gemeinsame Stellungnahme ab: «Ein Hochseetanker, der unter Schweizer Flagge fährt, wird in Nigeria festgehalten. Ein Grossteil der Besatzung wurde freigelassen. Vier Offiziere befinden sich nach wie vor auf dem Schiff. Die Schweiz setzt sich für die Freisetzung dieser sowie des Schiffes ein. Zum laufenden Verfahren können keine Angaben gemacht werden.» Und die Behörden ergänzen in Bezug auf die Reederei ABC Maritime: «Der Schiffseigner ist bis heute seinen aus der Bundesbürgschaft sich ergebenden Amortisationsverpflichtungen gegenüber dem Kreditgeber nachgekommen.» Was heisst, dass dem Bund bisher kein Schaden entstanden ist.

Mehr wollen die schweizerischen Behörden derzeit nicht sagen. Aber es steht fest, dass der Bund mit den nigerianischen Behörden in Verhandlung steht. Es gibt Anzeichen, dass der Fall vor den zuständigen internationalen Gerichtshof gezogen werden könnte. Denn unabhängig von der Frage, ob der Befrachter – also der Kunde der Schweizer Reederei – illegales Erdöl verkaufte: Ein Schiff seit mittlerweile mehr als einem Jahr mitsamt den Offizieren festzuhalten, wird auf Schweizer Seite als illegal taxiert.

Kapitän: «Hatten Bewilligung»

Es scheint unklar, was die Nigerianer den Schiffsbetreibern genau vorwerfen. Zuerst war in lokalen Medien die Rede von «Erdöldiebstahl». Danach hiess es, der Tanker habe keine Bewilligung gehabt, in nigerianischen Gewässern aufzukreuzen. Schliesslich war die Rede von illegalem Handel mit Diesel.

Der Kapitän des Schiffs, der Ukrainer Andriy Vaskov, sagte dagegen im letzten März gegenüber nigerianischen Medien, er habe die Genehmigung der zuständigen Schifffahrtsbehörde gehabt, in nigerianische Gewässer zu fahren. Das Schiff habe in Nigeria Diesel entladen wollen, der zuvor in Lomé in Togo zugeladen wurde. Es sei nun etwa das fünfte Mal, dass er eine derartige Fracht nach Nigeria bringe. Als seinen Partner in Nigeria, bei dem er die Ladung löschen wollte, nannte er eine Blue Sea Marine Company.

Der Fall liegt derzeit vor einem nigerianischen Gericht.

200 Seeleute als Sündenböcke

Die vier ukrainischen Offiziere auf dem Schweizer Schiff sind keine Einzelfälle. Im letzten August schrieb die nigerianische Tageszeitung Punch, dass sich der Nationale Seefahrer-Fürsorgerat besorgt zeige über das harte Vorgehen der nigerianischen Navy. Diese setze zunehmend Seeleute fest, mittlerweile seien der Behörde mehr als 200 Fälle bekannt. Die Navy brauche die Seeleute quasi als Pfand. Denn die Schiffe, denen die Verstösse vorgeworfen werden, seien meist nur gechartert. Die Charterer seien «selbstverständlich Nigerianer», aber der Behörde nicht bekannt, und sie tauchten ab, sobald es Probleme gebe. Die Festgehaltenen stammten meist aus Entwicklungsländern, seien praktisch schutz- und mittellos. Die nigerianischen Behörden wollen derweil weiter hart durchgreifen. Die Navy werde in diesem «Krieg» nicht ruhen, «bis jede Form von Kriminalität in nigerianischen Gewässern ausradiert» sei, sagte ein Vize­admiral kürzlich. (hay)

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