Neues Vergütungssystem soll Generika bevorzugen

Nachahmerpräparate sind in der Schweiz 42 Prozent teurer als im Ausland. «Es muss sich endlich etwas bewegen», sagt der Preisüberwacher.

Eveline Rutz
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BERN. «Nirgends in Europa sind die Generika so teuer wie in der Schweiz.» Zu diesem Schluss kommt Preisüberwacher Stefan Meierhans, der die Publikumspreise der zwanzig umsatzstärksten patentfreien Wirkstoffe verglichen hat. In 14 Vergleichsländern zahlen die Patienten gerade einmal 58 Prozent des Schweizer Preises. Einzig Norwegen zeigt ein ähnlich hohes Preisniveau. Hinzu kommt, dass Nachahmermedikamente hierzulande ein Schattendasein fristen. Sie machen 20 Prozent des Marktes aus, was im Vergleich etwa zu Deutschland (65 Prozent) wenig ist.

Einsparungen von 388 Millionen

«Im Generikamarkt muss sich endlich etwas bewegen», sagt Meierhans. Er prangert die geltende Preissetzungs- und Vergütungspraxis an. «Anreize auf wirtschaftliche Generika umzusteigen sind nur beschränkt vorhanden.» So kämen die Krankenkassen sowohl für Nachahmerpräparate, als auch für teure Markenprodukte auf. Der Preisüberwacher schlägt stattdessen vor, dass die Versicherer nur noch einen fixen Betrag pro Wirkstoff übernehmen sollen. Wer aus medizinisch nicht nachvollziehbaren Gründen ein teures Markenprodukt bezieht, soll für den Aufpreis selbst aufkommen. Gemäss Meierhans liessen sich mit dem so genannten Festbetragssystem jährlich 388 Millionen Franken einsparen. Der Mister Prix geht zudem davon aus, dass sich unter den Herstellern ein Preiswettbewerb entwickeln würde, «der den Konsumenten tieferen Selbstbehalte und Krankenkassenprämien beschert».

Die Stiftung für Konsumentenschutz teilt diese Einschätzung. In den 22 Ländern, welche das Modell bereits anwendeten, seien die Kosten nachhaltig gesenkt worden. Die Gesundheit der Bevölkerung habe darunter nicht gelitten. Auch der Krankenkassenverband Santésuisse spricht sich für einen Festpreis pro Wirkstoff aus. Die Zeit sei reif für Lösungen, mit denen vergleichbare Länder Einsparungen bewirkt hätten.

Engpässe und Billigstmedizin

«Man spart auf dem Buckel der Schwächsten», kritisiert dagegen Thomas Cueni, Generalsekretär von Interpharma. Wer nicht zahlungskräftig sei, werde nur noch mit Billigstmedizin versorgt. Mit einem Systemwechsel riskiere man zudem, dass das Originalprodukt gar nicht mehr hergestellt werde und Versorgungsengpässe entstünden. «Wir wollen keinen reinen Preiswettbewerb», sagt auch Peter Huber, Geschäftsführer von Intergenerika. In der Schweiz erhalte der Patient nicht nur die ganze Palette an Darreichungsformen und Dosierungen, sondern auch Informationen. Das trage zur Qualität und zur Therapietreue bei. Mit dem differenzierten Selbstbehalt werde der Patient zudem zu ökonomischem Verhalten angeregt. Tatsächlich muss er seit 2011 20 Prozent selbst berappen, wenn er ein teures Produkt bevorzugt. Bundesrat Alain Berset will die Medikamentenpreise ab 2015 nach neuen Spielregeln festsetzen. Nächste Woche findet dazu ein weiterer runder Tisch statt.