Kommentar
Neues Integrationsprogramm: Es zählt nur der Schutz

Die Schweiz evakuiert Menschen direkt aus Krisengebieten. Ihre Integration erweist sich teils als schwieriger als erwartet. Das liegt auch an einer verfehlten Zielsetzung.

Daniel Fuchs
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Um in die Schweiz zu kommen, brauchen sie keine Schlepper. Sie riskieren nicht ihr Leben, wenn sie in ein überfülltes Boot steigen und übers Mittelmeer setzen. Und schliesslich laufen sie auch nicht Gefahr, in Griechenland oder Italien zu stranden. Es geht um die sogenannten Resettlement-Flüchtlinge der Vereinten Nationen. Menschen, die meist schon jahrelang in Flüchtlingslagern der UNO ausharrten. Von ihnen kommen ein paar in den Genuss, von einem westlichen Staat ausgewählt und aufgenommen zu werden. Sicher via Flugzeug.

Auch die Schweiz nimmt solche Menschen auf. Und wegen ihnen ist da und dort die Rede von 1.- und 2.-Klass-Flüchtlingen. Hier die Auserwählten, die sicher und bequem in der Schweiz ankommen – weil ihre Ankunft angemeldet ist, können die Behörden planen. Dort die «normalen» Flüchtlinge, die irregulär, also ohne gültige Papiere eingereist sind und in der Schweiz um Asyl bitten. Kantone und Gemeinden nehmen gerne an Resettlement-Programmen teil. Man verspricht sich weniger Probleme, dafür raschere Erfolge bei der Integration.

Das erhoffte sich auch der Bund. Doch seine Integrationsziele bei Resettlement waren zu hoch gesteckt. Wer traumatisiert ist, lässt sich nicht umgehend integrieren. Man sollte damit aufhören, der Bevölkerung die Aufnahme von Flüchtlingen mit diesem Argument schmackhaft zu machen: «Sie werden dann schon arbeiten und auf eigenen Beinen stehen.» Ob UNO-Flüchtling oder Bootsflüchtling: Die Schutzbedürftigkeit ist das einzige Kriterium, das zählt.