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Neues Bundesratsfoto: Bundespräsidentin Sommaruga kopiert Obama

Der Bundesrat hat sein offizielles Foto für das Jahr 2020 veröffentlicht, inszeniert von Simonetta Sommaruga. Warum das Bild an ihr erstes Präsidialjahr erinnert und welche Idee die SP-Magistratin beim ehemaligen US-Präsidenten abgekupfert hat.

Lorenz Honegger
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Die Landesregierung als Musikensemble: Das offizielle Bundesratsfoto 2020 mit der neuen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in der Mitte.

Die Landesregierung als Musikensemble: Das offizielle Bundesratsfoto 2020 mit der neuen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in der Mitte.

Bild: Bundeskanzlei

Schweizer Bundespräsidenten sind nicht zu beneiden. Sie sind weder Staatsoberhaupt noch Regierungschef, müssen bei offiziellen Empfängen aber so tun, als wären sie es, und nach einem Jahr müssen sie ihr Amt auch schon wieder abgeben. Immerhin eine Kompetenz haben sie: Sie dürfen das offizielle Bundesratsfoto für das kommende Jahr inszenieren. Die Tradition existiert seit den 90er-Jahren und fördert immer wieder eigentümliche Kreationen zutage.

Nachdem Simonetta Sommaruga in ihrem ersten Präsidialjahr 2015 die Landesregierung beim Kaffeekränzchen abbilden liess, hat sich die ausgebildete Pianistin dieses Mal für das Motiv eines Musikensembles entschieden. Auf dem Bild posiert das Kollegium vor einer abgewetzten Backsteinwand, teils sitzend, teils stehend. Im Hintergrund ist ein Cello in Lederhülle zu sehen. Ein wuchtiger Scheinwerfer erleuchtet die Gesichter der sieben Bundesratsmitglieder und des Bundeskanzlers. In der Medienmitteilung lässt sich Sommaruga dazu wie folgt zitieren:

«Eine gute Bundesratssitzung ist wie ein gutes Konzert. Jeder gibt sein Bestes.»

Die profane Botschaft erinnert an das Kaffeekränzchen-Foto von 2015, als die SP-Magistratin die «gelebte Konkordanz» zum Hauptmotiv erklärte.

Wie so oft bei politischen PR-Bildern entspricht die beabsichtigte Botschaft beim Bundesratsfoto 2020 nicht den realen Gegebenheiten. Die Bundespräsidentin stellt den Bundesrat als eingespieltes Ensemble dar, was er natürlich nicht ist, wenn man bedenkt, wie lange die Landesregierung schon um eine gemeinsame Position in der EU-Politik ringt.

Auf der Rückseite der gedruckten Fassung des Bundesratsfotos findet sich übrigens ein QR-Code mit einem Link zu einer Liste von Musikstücken. Ausgewählt von der Bundespräsidentin höchstpersönlich. Damit kopiert sie – vielleicht auch unabsichtlich – eine Idee des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der seit seiner Zeit im Oval Office jedes Jahr seine persönlichen Playlists veröffentlicht.

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